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Frankfurt Immer wieder nächtlicher Ärger auf der Zeil

Auf Frankfurts Flaniermeile treffen sich an den Wochenenden oft Leute, die viel trinken und Streit suchen. Die Möglichkeiten, etwas dagegen zu tun, sind begrenzt.

© Cunitz, Sebastian Vergrößern Wachsam: Die Polizei hat ein Auge darauf, was sich abends auf der Zeil tut.

Es ist kurz vor Mitternacht, als die Gemütlichkeit auf der Zeil jäh ein Ende hat. Eben noch haben sie lachend auf einer Bank unter den Platanen gesessen, die Bierflasche in der Hand. Ein Mann um die dreißig hatte sein Fahrrad dabei und ist zur Belustigung der anderen torkelnd im Kreis umher gefahren. Dann dauert es nur wenige Sekunden, bis die Stimmung kippt. Der Mann auf dem Fahrrad greift sich das Handy eines Jugendlichen, der ganz in der Nähe steht. Der lacht zuerst noch darüber, doch als er merkt, dass er das Telefon nicht wiederbekommt, ruft er um Hilfe. Es kommt zum Gerangel, der Streit eskaliert. Noch bevor die Polizei gerufen wird, greift ein Dritter ein, der den Betrunkenen schließlich überwältigt.

Die Szene hatte sich am vergangenen Wochenende abgespielt. Und bei der Polizei, beim Ordnungsamt und dem städtischen Präventionsrat heißt es, so etwas sei kein Einzelfall. Seit langem schon kämen auf der Zeil an Freitagen und Samstagen spät abends oft Menschen zusammen, die viel Alkohol konsumierten und dann, als gehöre das zum abendlichen Programm hinzu, Ärger suchten. Meistens handelt es sich dabei um junge Männer, die in Gruppen unterwegs sind und aus den Außenstadtteilen auf die Zeil kommen, „um die Partyszene aufzumischen“, wie es bei den Behörden heißt. Den Alkohol besorgen sie sich vorwiegend im Supermarkt, der im Einkaufszentrum „My Zeil“ bis Mitternacht geöffnet ist. Gespräche zwischen Stadt, Polizei und der Betreiberkette habe es schon gegeben, aber man habe sich nicht einigen können.

Körperverletzungen und Raubstraftaten

Die Polizei sieht die Situation durchaus differenziert. Generell wird gutgeheißen, dass Frankfurts Haupteinkaufsstraße an den Wochenenden belebter ist als sie noch vor wenigen Jahren war. Frankfurt sei nun einmal eine Großstadt, heißt es - zudem eine, in der sich das öffentliche Leben zunehmend auf die Straße verlagert. Das Argument, dann gebe es zumindest eine gewisse soziale Kontrolle, ist aus Sicht der Polizei nicht unerheblich. Allerdings sehen die Beamten gerade in der Situation auf der Zeil ein strukturelles Problem. Inzwischen, so heißt es, sei ein Gros der Polizisten aus dem Innenstadt-Revier fast nur noch für „ausufernde Treffen von Problemklientel“ abgestellt, die Beamten fehlten dann an anderen Einsatzorten. Befriedigend, so heißt es intern bei der Polizei, sei diese Situation nicht.

Ein Sprecher bestätigt auf Anfrage, dass es in den vergangenen Monaten wiederholt zu Polizeieinsätzen zwischen Hauptwache und Konstablerwache gekommen sei. Es habe Körperverletzungen und Raubstraftaten gegeben. Im Vergleich zum vergangenen Jahr seien die Fallzahlen aber nicht gestiegen. „Die Polizei nimmt ihre Aufgabe wahr“, so der Sprecher. „Wir sind präsent und haben die Situation im Blick.“

Situation werde sich von selbst regeln

Nach Ansicht von Frank Goldberg, dem Geschäftsführer des städtischen Präventionsrats, muss mehr über den Umgang mit Alkohol in der Öffentlichkeit diskutiert werden. „Die Auswüchse, die durch exzessiven Alkoholkonsum entstehen, nehmen zu“, glaubt er. „Das gilt vor allem für Orte mit Verkaufsstellen, die bis in die Nacht geöffnet haben.“

Dass die nächtlichen Öffnungszeiten attraktiv sind für Gruppen, die am Wochenende aus den äußeren Stadtteilen auf die Zeil ziehen, bestreitet niemand - am wenigsten tun das diejenigen, die sich zu Hunderten jeden Samstag auf der Zeil treffen. Die Supermärkte sind für sie wie Trinkhallen. Wenn das Bier oder die härteren Alkoholika zur Neige gehen, wird schnell Nachschub besorgt. Eine Lösung sehen allerdings auch die Kritiker nicht. Denn um den Verkauf einzuschränken, müsste das Land schon per Gesetz festlegen, dass Alkohol etwa von 22Uhr an nicht mehr verkauft werden darf - was auf großen Widerstand in der Bevölkerung stoßen dürfte.

Optimistisch gibt sich das Ordnungsamt; dort heißt es, die Situation werde sich schon von selbst regeln. Die Stadtpolizei setze darauf, dass es langfristig eine immer stärkere Durchmischung auf der Zeil geben werde. Die Gruppen, die Ärger machten, würden dann nicht mehr vorherrschend sein, wenn die Zeil zur nächtlichen Flaniermeile für jedermann würde. Einfluss darauf hätten auch die Clubs. So sei zu beobachten, dass das vor einiger Zeit eröffnete „Gibson“ eine andere Klientel anziehe als jene, die üblicherweise für Ärger sorge. Sollte die Situation allerdings unverändert bleiben, könne auch das Ordnungsamt nicht viel ausrichten. „Die Zeil“, sagt ein Sprecher, „ist immerhin ein öffentlicher Raum.“

Quelle: F.A.Z.

 
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