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Frankfurt-Griesheim Neue Moschee zu Ramadan

 ·  Am Donnerstagabend, dem Beginn des Ramadan, sollen in der neuen Moschee in Frankfurt-Griesheim die ersten Gebete gesprochen werden. Dagegen regt sich Protest. „Wir sind offen“, sagt der Vorsitzende.

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Am Donnerstagabend, dem Beginn des Ramadan, sollen in der neuen Moschee des Milli-Görüs-Verbands in Griesheim die ersten Gebete gesprochen werden. Mit Genehmigung der Stadt ist eine frühere Druckereihalle an der Eichenstraße in ein Gebetshaus umgewandelt worden. Doch das soll nur ein Provisorium sein: Der Verband plant auf dem Grundstück einen Neubau mit Gebetsraum, einer Kita, einer Stadtteilbibliothek und anderen Räumen. Die Bauvoranfrage hat die Stadt positiv beschieden. Wann mit dem Bau begonnen wird, ließ Mehmet Ates, der hessische Landesvorsitzende von Milli Görüs und Bauherr, auf Anfrage offen.

Geht es nach dem Bürgerverein Griesheim, soll das Projekt ganz verhindert werden. Das Bauvorhaben und die künftigen Nutzer seien im Stadtteil „unerwünscht“, heißt es in einem Brief an Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), die Fraktionen im Römer und die Bauaufsicht. Der 80 Mitglieder zählende Verein möchte, dass das an Eichen- und Lärchenstraße gelegene Areal als Sanierungsgebiet ausgewiesen und eine sogenannte Veränderungssperre verhängt wird - so könnten dort Wohnungen entstehen. Unterstützt wird der Bürgerverein von den Freien Wählern im Römer und im zuständigen Ortsbeirat. Sie befürchten eine „weitere integrationsschädliche Entwicklung in dem ohnehin schon sehr belasteten Stadtteil“. Zuletzt hatte es dort Auseinandersetzungen um die Ansiedlung der „Grauen Wölfe“ gegeben.

Kritik am Betreiber

Die Milli-Görüs-Bewegung geht zurück auf den ehemaligen türkischen Ministerpräsidenten Necmettin Erbakan. Für den Verfassungsschutz Hessen steht Erbakan für die Verbindung von islamistischem Gedankengut mit türkisch-nationalistischen Elementen, die Ideologie von Milli Görüs stehe „im Widerspruch zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung“. Andere wiederum bescheinigen der Bewegung, sich inzwischen geöffnet zu haben und unabhängiger von der Türkei geworden zu sein.

“Wir bleiben verfassungskonform“, sagt Ates. Was nicht heiße, dass die Mitglieder ihre religiöse Identität aufgäben. „Dass wir in Griesheim als unerwünscht gelten, stört mich. Wir sind integrationsbereit.“ Er hob hervor, mit den Organisationen im Stadtteil und städtischen Ämtern zusammenarbeiten und einen Beitrag für das friedliche Zusammenleben leisten zu wollen. „Unsere Türen sind offen für alle gutwilligen Menschen.“

Milli Görüs hat schon eine Niederlassung in Höchst. Während sie gemietet ist, hat der Verband das Areal in Griesheim gekauft. Dort soll Ates zufolge bald auch der hessische Landesverband seinen Sitz haben. Wie er sagt, bietet der jetzige Gebetsraum Platz für rund 150 Personen. Insgesamt habe Milli Görüs in der Stadt rund 200 fördernde Mitglieder.

Dem Ansinnen des Bürgervereins, das Areal zu einem Sanierungsgebiet zu machen, kann nach Auskunft aus dem Planungsdezernat nur nachgegangen werden, wenn auch die Stadtverordneten dies wollten. Hinsichtlich des geplanten Moscheeneubaus sei „der Zug abgefahren“, da die Bauvoranfrage positiv beschieden worden sei, sagte ein Sprecher. Dieser Beschluss sei bindend, gesellschaftliche Probleme ließen sich nicht mit dem Baurecht lösen.

Dezernentin: Umfassender diskutieren

Zu Beginn der Diskussion um die Niederlassung von Milli Görüs in Griesheim hatte es auf Vermittlung des Amtes für multikulturelle Angelegenheiten ein Gespräch zwischen Moschee- und Stadtteilvertretern gegeben. Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Die Grünen) warb jedoch dafür, die Diskussion um die Milli-Görüs-Moschee und andere Gebetshäuser in Griesheim umfassender zu führen: Integration könne nicht heißen, im Konfliktfall nach jenem Amt zu rufen und es dabei zu belassen.

“Integration bedeutet auch, dass mehrere Ämter die Aufgabe, einen negativen Strukturwandel in Griesheim umzukehren, gemeinsam anpacken und dabei Belange von Integration kompetent berücksichtigen.“ Sie verwies auf das Integrationskonzept und sieht auch Stadtplanung und Wohnungspolitik in der Pflicht. Deren Aufgabe ist laut dem Konzept, „die Vielfalt vor Ort weiter zu fördern“, wobei ein Ziel sei, keine Parallelgesellschaften aufkommen zu lassen.

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Jahrgang 1965, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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