Home
http://www.faz.net/-gzg-75qqv
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Frankfurt Fläche für Busbahnhof gesucht

Stadt will chaotische Situation am Frankfurter Hauptbahnhof verbessern

© Fricke, Helmut Vergrößern Aussteigen, einsteigen, abfahren: An den Haltestellen am Frankfurter Hauptbahnhof staut sich der Busverkehr.

Die für Verkehr und Stadtplanung zuständigen Dezernate der Stadt Frankfurt suchen gemeinsam nach einem Standort für einen zentralen Busbahnhof. „Wir führen intensive Gespräche, welche Areale man zur Verfügung stellen kann“, sagte ein Sprecher des Verkehrsdezernats. Das als zentraler Haltepunkt etablierte sogenannte Campanile-Gelände südlich des Hauptbahnhofs habe erste Priorität, man prüfe aber auch andere Standorte. Darunter seien Flächen am Flughafen, im Ostend und am Kaiserlei. Für den Sprecher des Planungsdezernats „schreit“ die Situation am Hauptbahnhof nach städtebaulicher Verbesserung. Der Ort sei hervorragend erschlossen, unbebaut und eigne sich daher als Busbahnhof. Die gute Anbindung spreche aber auch für den Flughafen.

Rainer Schulze Folgen:  

Bisher halten die Reisebusse südlich des Hauptbahnhofs, wo die Situation aber wegen der wachsenden Zahl an Fernbuslinien chaotisch ist. Die Busunternehmen beschreiben die Lage als „unterirdisch“ und „sehr schwierig“. Laut Verkehrsdezernat soll der Zustand kurzfristig verbessert werden. Dann werde man prüfen, ob die Buslinien in einem Gebäude zusammengeführt werden können. Wichtig sei, dass die Busunternehmen ein solches Terminal dann gegen Entgelt auch nutzten und nicht anderswo ihre Busse abstellten.

Mehr zum Thema

Sauberer und regengeschützter Ort gewünscht

Bisher halten einige Linien im öffentlich Straßenraum und zahlen dafür keine Gebühr. Ob man die Buslinien zur Nutzung eines Terminals verpflichten kann, ist jedoch unklar. Das Regierungspräsidium genehmigt die Linien, die Stadt wird zu den Haltepunkten lediglich angehört, kann die Erlaubnis aber nicht verweigern. Drei der Busunternehmen, die Frankfurt ansteuern, würden einen zentralen Omnibusbahnhof jedoch nutzen.

Das Unternehmen Meinfernbus, das von Frankfurt aus sechs- bis siebenmal täglich nach Leipzig und dreimal nach Zürich fährt, spricht sich für den Bau eines Busbahnhofs auf dem Gelände südlich des Hauptbahnhofs aus. Man wünsche sich einen sauberen, regengeschützten Ort, für dessen Nutzung man wie in anderen Städten auch eine Gebühr zahlen würde, sagte Mitarbeiter Florian Rabe. „Der Standort liegt perfekt.“ Wichtiger als der Anschluss an die Autobahn seien die direkten Fahrten in die Innenstadt und eine gute Anbindung an den Nahverkehr. Zur Zeit stünden dem Unternehmen zwei Haltestellen zur Verfügung, die aber oft von Bussen anderer Anbieter und Autos blockiert würden.

In anderen Ländern üblich

„Alles ist besser als jetzt“, sagt der Sprecher der DeutschenTouring, die am Hauptbahnhof mehrere Haltestellen von der Bahn gemietet hat und neben etlichen internationalen auch eine innerdeutsche Linie anbietet. In anderen Städten nutze man den zentralen Omnibusbahnhof. Alexander Kuhr, Geschäftsführer des Unternehmens Deinbus, das unter anderem eine tägliche Verbindung nach München anbietet, sieht das ähnlich. Die jetzige Situation sei „katastrophal“, aber mit geringen Investitionen zu verbessern: „Busbahnhöfe müssen keine beheizten Einkaufspassagen haben.“

In anderen Ländern sind Busbahnhöfe in direkter Nachbarschaft zum Hauptbahnhof unüblich. Weil die Busse durch das Ansteuern der Innenstadt Zeit verlieren und die Straßen belasten, sind in Frankfurt auch andere, gut zu erreichende Flächen im Gespräch, etwa am Rebstockpark. Gegen einen Busbahnhof dort sprechen aber der hohe Grundstückswert und die gewünschte hohe Ausnutzung.

Stadt könnte Gelände kaufen

Doch auch am Hauptbahnhof gibt es Hindernisse: Das Grundstück gehört der CA Immo und ist zurzeit als Parkplatz vermietet - wie man hört, für eine hohe Summe. Erst vor vier Jahren scheiterten Pläne, auf dem Areal ein Bürohochhaus mit einem Busbahnhof im Sockel zu errichten. Die Deutsche Bahn war damals als Nutzer im Gespräch gewesen, mietete aber schließlich den sogenannten Silberturm im Bahnhofsviertel. Weil das Areal am Hauptbahnhof sehr wertvoll ist, müsste ein Busbahnhof mit einer anderen Nutzung in den oberen Stockwerken kombiniert werden - ein Interessent dafür ist aber nicht in Sicht.

In einer Anfrage an den Magistrat hat sich die SPD-Fraktion im Römer schon erkundigt, wie ein Busbahnhof finanziert werden könnte. Die Stadt könnte das Gelände beispielsweise von der CA Immo erwerben, heißt es im Verkehrsdezernat. In anderen Städten werden Busbahnhöfe in der Regel von den lokalen Verkehrsgesellschaften betrieben.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Neues DFB-Zentrum Fort Knox in Frankfurt

Der DFB baut sich für 89 Millionen Euro eine neue Zentrale. Die Kritik reißt nicht ab. Was wird eigentlich aus dem bisherigen Sitz des Verbandes? Nun gibt es nach F.A.Z.-Informationen erste Ideen. Mehr Von Michael Wittershagen und Michael Ashelm

10.12.2014, 17:35 Uhr | Sport
Ein leerer Hauptbahnhof

Die Pendler in Hessen scheinen sich auf den Bahnstreik gut vorbereitet zu haben. Im Hauptbahnhof in Frankfurt fehlen nicht nur die Züge, sondern auch das erwartete Chaos. Mehr

15.10.2014, 16:20 Uhr | Wirtschaft
Frankfurt Genug vom nächtlichen Lärm durch Partyvolk

Im Frankfurter Nordend sind es die Feiern auf dem Friedberger Platz, in Bornheim sind es die Lokale auf der oberen Berger Straße, die Anwohnern die Nachtruhe rauben. In einem Brief an den Magistrat fordern sie Hilfe. Mehr Von Bernd Günther

18.12.2014, 16:13 Uhr | Rhein-Main
Der versuchte Anschlag auf den Bonner Hauptbahnhof

In Düsseldorf müssen sich Marco G. und andere vor dem Oberlandesgericht verantworten. In dem Verfahren geht es um den knapp gescheiterten Anschlag auf den Bonner Hauptbahnhof und ein geplantes Attentat auf einen Pro-NRW-Politiker. Mehr

08.09.2014, 15:29 Uhr | Politik
Neue DFB-Akademie Das Hauptquartier des Fußballs

Silicon Valley am Main: Der Deutsche Fußball-Bund will seine neue Zentrale in Frankfurt zur Denkfabrik mit internationaler Ausstrahlung machen. Das Projekt kostet 89 Millionen Euro – und bringt schon jetzt Kritik mit sich. Mehr Von Michael Ashelm und Michael Wittershagen

08.12.2014, 12:24 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 14.01.2013, 18:59 Uhr

Keine Brandmauer

Von Helmut Schwan

Die Stadt Frankfurt kann verdeckte Bordelle in Wohngebieten untersagen. Das bestätigt das Bundesverwaltungsgericht. Eine Brandmauer zwischen den Stadtvierteln wird es deshalb nicht geben - aus einem einfachen Grund. Mehr