Home
http://www.faz.net/-gzg-75qqv
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 14.01.2013, 18:59 Uhr

Frankfurt Fläche für Busbahnhof gesucht

Stadt will chaotische Situation am Frankfurter Hauptbahnhof verbessern

© Fricke, Helmut Aussteigen, einsteigen, abfahren: An den Haltestellen am Frankfurter Hauptbahnhof staut sich der Busverkehr.

Die für Verkehr und Stadtplanung zuständigen Dezernate der Stadt Frankfurt suchen gemeinsam nach einem Standort für einen zentralen Busbahnhof. „Wir führen intensive Gespräche, welche Areale man zur Verfügung stellen kann“, sagte ein Sprecher des Verkehrsdezernats. Das als zentraler Haltepunkt etablierte sogenannte Campanile-Gelände südlich des Hauptbahnhofs habe erste Priorität, man prüfe aber auch andere Standorte. Darunter seien Flächen am Flughafen, im Ostend und am Kaiserlei. Für den Sprecher des Planungsdezernats „schreit“ die Situation am Hauptbahnhof nach städtebaulicher Verbesserung. Der Ort sei hervorragend erschlossen, unbebaut und eigne sich daher als Busbahnhof. Die gute Anbindung spreche aber auch für den Flughafen.

Rainer Schulze Folgen:

Bisher halten die Reisebusse südlich des Hauptbahnhofs, wo die Situation aber wegen der wachsenden Zahl an Fernbuslinien chaotisch ist. Die Busunternehmen beschreiben die Lage als „unterirdisch“ und „sehr schwierig“. Laut Verkehrsdezernat soll der Zustand kurzfristig verbessert werden. Dann werde man prüfen, ob die Buslinien in einem Gebäude zusammengeführt werden können. Wichtig sei, dass die Busunternehmen ein solches Terminal dann gegen Entgelt auch nutzten und nicht anderswo ihre Busse abstellten.

Mehr zum Thema

Sauberer und regengeschützter Ort gewünscht

Bisher halten einige Linien im öffentlich Straßenraum und zahlen dafür keine Gebühr. Ob man die Buslinien zur Nutzung eines Terminals verpflichten kann, ist jedoch unklar. Das Regierungspräsidium genehmigt die Linien, die Stadt wird zu den Haltepunkten lediglich angehört, kann die Erlaubnis aber nicht verweigern. Drei der Busunternehmen, die Frankfurt ansteuern, würden einen zentralen Omnibusbahnhof jedoch nutzen.

Das Unternehmen Meinfernbus, das von Frankfurt aus sechs- bis siebenmal täglich nach Leipzig und dreimal nach Zürich fährt, spricht sich für den Bau eines Busbahnhofs auf dem Gelände südlich des Hauptbahnhofs aus. Man wünsche sich einen sauberen, regengeschützten Ort, für dessen Nutzung man wie in anderen Städten auch eine Gebühr zahlen würde, sagte Mitarbeiter Florian Rabe. „Der Standort liegt perfekt.“ Wichtiger als der Anschluss an die Autobahn seien die direkten Fahrten in die Innenstadt und eine gute Anbindung an den Nahverkehr. Zur Zeit stünden dem Unternehmen zwei Haltestellen zur Verfügung, die aber oft von Bussen anderer Anbieter und Autos blockiert würden.

In anderen Ländern üblich

„Alles ist besser als jetzt“, sagt der Sprecher der DeutschenTouring, die am Hauptbahnhof mehrere Haltestellen von der Bahn gemietet hat und neben etlichen internationalen auch eine innerdeutsche Linie anbietet. In anderen Städten nutze man den zentralen Omnibusbahnhof. Alexander Kuhr, Geschäftsführer des Unternehmens Deinbus, das unter anderem eine tägliche Verbindung nach München anbietet, sieht das ähnlich. Die jetzige Situation sei „katastrophal“, aber mit geringen Investitionen zu verbessern: „Busbahnhöfe müssen keine beheizten Einkaufspassagen haben.“

In anderen Ländern sind Busbahnhöfe in direkter Nachbarschaft zum Hauptbahnhof unüblich. Weil die Busse durch das Ansteuern der Innenstadt Zeit verlieren und die Straßen belasten, sind in Frankfurt auch andere, gut zu erreichende Flächen im Gespräch, etwa am Rebstockpark. Gegen einen Busbahnhof dort sprechen aber der hohe Grundstückswert und die gewünschte hohe Ausnutzung.

Stadt könnte Gelände kaufen

Doch auch am Hauptbahnhof gibt es Hindernisse: Das Grundstück gehört der CA Immo und ist zurzeit als Parkplatz vermietet - wie man hört, für eine hohe Summe. Erst vor vier Jahren scheiterten Pläne, auf dem Areal ein Bürohochhaus mit einem Busbahnhof im Sockel zu errichten. Die Deutsche Bahn war damals als Nutzer im Gespräch gewesen, mietete aber schließlich den sogenannten Silberturm im Bahnhofsviertel. Weil das Areal am Hauptbahnhof sehr wertvoll ist, müsste ein Busbahnhof mit einer anderen Nutzung in den oberen Stockwerken kombiniert werden - ein Interessent dafür ist aber nicht in Sicht.

In einer Anfrage an den Magistrat hat sich die SPD-Fraktion im Römer schon erkundigt, wie ein Busbahnhof finanziert werden könnte. Die Stadt könnte das Gelände beispielsweise von der CA Immo erwerben, heißt es im Verkehrsdezernat. In anderen Städten werden Busbahnhöfe in der Regel von den lokalen Verkehrsgesellschaften betrieben.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Erstaufnahme in Frankfurt Wasser läuft, und Essen gibt es auch

Die Behörden sperren die Öffentlichkeit aus guten Gründen weitgehend aus den Flüchtlingsheimen aus. Doch auf dem früheren Neckermann-Areal führt das zu absurden Situationen. Mehr Von Christian Palm

04.02.2016, 15:28 Uhr | Rhein-Main
Hamburger Speicherstadt Ein ganzes Viertel für Kaffee, Tee und Gewürze

Wer eine Tour durch den Hamburger Hafen macht, kann auch ein neues Mitglied der Unesco-Weltkulturerbe-Familie ansteuern: die historische Speicherstadt und das benachbarte Kontorhausviertel. Mehr

25.01.2016, 11:14 Uhr | Reise
Frankfurter Nahverkehr Doppeldecker könnte Gelenkbus ersetzen

Bisher verkehren nur in Berlin Doppeldeckerbusse regulär. Das könnte sich bald ändern, denn die Nahverkehrsgesellschaft Traffiq testet einen Bus mit zwei Stockwerken in Frankfurt - auf der Linie 30. Mehr Von Hans Riebsamen

02.02.2016, 10:25 Uhr | Rhein-Main
Vorstellung in Heidelberg Das ist der neue Ausweis für Flüchtlinge

In Heidelberg hat die Ausgabe der neue Flüchtlingsausweisen an Asylbewerber begonnen. Mit dem Ausweis sind verschiedene Daten verbunden, die zentral gespeichert werden. Dazu gehören unter anderem Name, Alter und Herkunft, außerdem Foto und Fingerabdruck. Mehr

28.01.2016, 20:41 Uhr | Politik
DFB-Akademie in Frankfurt Bierhoff: Der erste Bagger rollt jetzt

Die Vorbereitungen für den Bau der DFB-Akademie in Frankfurt sind laut Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff angelaufen: Denn der erste Bagger rollt jetzt, um die Rennbahn platt zumachen. Mehr

01.02.2016, 18:00 Uhr | Rhein-Main

Um die Würstchen

Von Matthias Alexander

Wer möchte, dass es gelegentlich auch Würstchen mit Schweinfleisch gibt, die in der Tat vielen Kindern besonders gut schmecken, der sollte sich dafür in der betreffenden Einrichtung einsetzen. Unter mündigen Bürgern wird sich eine Lösung finden. Mehr 16

Abonnieren Sie unsere Rhein-Main Newsletter

  • Newsletter auswählen

    Newsletter auswählen