11.11.2007 · Im Frankfurter Zoo tut sich etwas, und plötzlich scheint auch das jahrelang vorenthaltene Geld zu fließen. Dass nun eine Stadt aufwacht, um sich um eine Perle zu kümmern, die von Bürgern für Bürger geschaffen wurde, ist hohe Zeit, meint Eva-Maria Magel.
Von Eva-Maria Magel„Allem Anfang wohnt ein Zauber inne“: In diesem Fall liegen Fluch und Segen sehr nah beieinander. Im Zoo tut sich etwas, und plötzlich scheint auch das jahrelang vorenthaltene Geld zu fließen. Dass nun eine ganze Stadt aufwacht, um sich endlich um eine Perle zu kümmern, die von Bürgern für Bürger geschaffen wurde, ist hohe Zeit. Nicht nur, weil der Zoologische Garten Frankfurt, wie er mittlerweile ja wieder heißt, 2008 sein hundertfünfzigjähriges Bestehen feiert. Bis dahin hat er hoffentlich auch einen neuen, hochmotivierten Direktor.
Die Berichte, die sich vom Boulevard aus verbreiteten, haben ein Zerrbild des Zoos geschaffen, das aus dem höchst bedauerlichen Versagen an einer Stelle eine Gruselgeschichte machte. Auf der Veterinärstation ist offenbar geschlampt worden, mittlerweile ist die Abteilung ganz neu aufgebaut. Der ehemalige Zoodirektor Christian Schmidt spricht von zwei toten Schildkröten – und weist darauf hin, dass es immer einige Tiere gibt, die die Überwinterung nicht überleben. Was sonst noch geschehen ist, müssen die zuständigen Stellen ermitteln.
Schweigen als Wesenszug des Neuanfangs
Fest steht allerdings schon jetzt, dass es weitaus mehr Opfer gegeben hat als die beiden verendeten Schildkröten: Alle Angestellten und Tierpfleger, die dafür sorgen, dass es den rund 4800 Tieren des Zoos dort gut geht, haben nicht verdient, nun auf „Tierquälerei“ angesprochen zu werden oder überhaupt ihre Berufsehre verteidigen zu müssen. Und der ehemalige Zoodirektor Schmidt, der so plötzlich kurz vor der Verrentung seinen Platz verlassen hat, mag vielleicht recht haben, wenn er zwischen wünschenswerter und erlaubter Tierhaltung unterscheidet und den Möglichkeiten, die er hatte. Dass er es als Zoologe nicht auf sich sitzen lassen will, Tiere falsch gehalten zu haben, ist verständlich – er hat lange geschwiegen.
Schweigen scheint überhaupt ein Wesenszug dieses Neuanfangs zu sein. Die Vermutungen und dann die negativen Berichte über den Zoo sind erst durch Andeutungen, Umschreibungen und ein vielleicht gut gemeintes Schweigen entstanden. Und zuvor hat die Politik jahrelang offenbar kein Interesse am Wohlergehen dieses weltberühmten Instituts gehabt.
Produktive Diskussionen nötig
Nicht nur im Zoo, auch außerhalb seiner Mauern hat wohl mancher ungestört wursteln können. Als die Lage offenbar wurde, scheint Ruhe die erste Bürgervertreter-Pflicht gewesen zu sein. Über den Zoo laut und vor allem produktiv zu diskutieren, über Naturschutz, Spielplätze und notfalls auch über Straußenschnitzel im Zoo-Restaurant steht dem Tierpark und dieser ganzen Stadt aber weitaus besser zu Gesicht. Das wäre mal ein Anfang.
Durch Schweigen und Gruselgeschichten hat es mehr Opfer gegeben als nur zwei Schildkröten