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Frankfurt-Bonames Ein erster Biber nagt an Nidda-Weiden

Vor 25 Jahren hat Hessen mit der Wiederansiedlung von Bibern begonnen. Mittlerweile gibt es hier rund 250 der kräftigen Nager, darunter einige an der Nidda. Ein Exemplar hinterlässt nun bei Bonames seine Spuren.

© Mechthild Harting Spuren am Baum: Ein Biber nagt an dieser Weide an der Nidda in Frankfurt

Erblickt hat ihn noch niemand, doch seine Spuren sind nicht mehr zu übersehen: An den Weiden an der Nidda, wenige hundert Meter vom Alten Flugplatz Bonames entfernt, sind an vielen Bäumen die für Biber typischen Bissspuren in der Form von Sanduhren zu erkennen. Manch dünner Baum liegt sogar schon gefällt im Wasser. Fachleute vermuten, dass es sich um einen einzelnen Biber handelt, möglicherweise ein Jungtier, das aus einer Biberfamilie in Bad Vilbel stammt. Dort war vor einiger Zeit bei Gronau eine Sippe sesshaft geworden. Aber auch weiter oberhalb gibt es entlang der Nidda und ihren Seitenarmen einige Biberreviere. Auch von dort könnte der Frankfurter Neuzugang kommen.

Mechthild Harting Folgen:

Volker Rothenburger, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, ist begeistert, dass es den einst in Hessen völlig ausgerotteten Biber nun auch an Nidda und Main wieder gibt. „Das ist nur als Gewinn zu sehen“, sagt er. Einen Biber kenne man doch nur noch aus Tierfilmen. Er hofft, dass es nicht bei diesem einen Exemplar bleibt, am Niddaufer, bei Bonames und Berkersheim, könnten noch viele der nachtaktiven Nager siedeln.

Eine „gewaltige Dynamik“

„Der Biber, das ist Natur, und Natur ist nicht schlimm“, sagt Rothenburger, egal, ob die Nager Bäume fällten oder nicht. Denn Biber nagten nur an „Weichhölzern“ wie Weiden, Pappeln und Erlen. Und die trieben in der Regel wieder aus, der Schaden sei überschaubar. Im Übrigen konzentrierten sie sich nur in den Wintermonaten auf die Bäume, berichten die Fachleute. Biber legten die Stämme um, um an die Rinde, vor allem aber an die frischen Triebe und Knospen in der Baumkrone zu gelangen. Für Rothenburger steht fest: Biber auf städtischer Gemarkung zu haben sei ein „ungeheurer Naturgenuss“.

Jürgen Siek, beim Regierungspräsidium in Darmstadt für das Bibermanagement in Hessen zuständig, weiß, dass nicht jeder Grundbesitzer in der Nähe eines Flusses erfreut ist, wenn sich die bis zu 25 Kilogramm schweren Biber auf seinem Grund niederlassen. Denn dass Biber Bäume fällen und Dämme errichten, um einen ausreichend hohen Wasserstand in ihrem am Uferrand geschaffenen Biberbau zu halten, könne schnell eine „gewaltige Dynamik“ entwickeln. „Nicht jeder akzeptiert eine unter Wasser gesetzte Fläche.“ Umso wichtiger sei es, von Anfang an einen Biber im Blick zu haben.

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Zumal die Nager, echte Vegetarier, sich nicht darauf beschränken, im Sommer Kräuter und Wurzeln in der Böschung zu fressen, sie lieben auch Feldfrüchte wie Zuckerrüben, Mais und Weizen. Eines der Tiere verputzt rund zwei Kilogramm am Tag. Landwirte, die sich geschädigt fühlen, können sich deshalb an das Regierungspräsidium wenden und Ausgleich beantragen. Derzeit gebe es im Jahr nur zwei bis drei solcher Fälle, berichtet Siek. Doch noch sei der Biber in Hessen auch relativ wenig vertreten.

Ein „Durchzügler“?

Vor 25 Jahren, im Oktober 1987, hatte das Land im hessischen Spessart bei Sinntal begonnen, Elbe-Biber anzusiedeln. 18 Biber waren es seinerzeit. Heute leben etwa 250 Tiere in Hessen. Siek zufolge sind sie nicht alle Nachkommen der Sinntaler Biber. Denn in Bayern habe man schon in den sechziger Jahren mit der Neuansiedlung begonnen, dort gebe es heute zwischen 13.000 und 14.000 Tiere. Mancher der in Hessen gesichteten Nager ist Siek zufolge über den Main gekommen, auch die Exemplare, die heute an der Nidda heimisch sind.

Ob sich der Frankfurter Biber als sesshaft erweist oder nur ein „Durchzügler“ ist, wisse man erst mit Sicherheit in ein bis zwei Jahren, heißt es. Manfred Sattler, der für Siek und das Regierungspräsidium ehrenamtlich die Entwicklung von zehn Biberrevieren im westlichen Teil der Wetterau und des Main-Kinzig-Kreises beobachtet, will künftig auch den Neuzugang in Bonames im Blick behalten. Sattler ist überzeugt, dass das Tier bei Bonames einen „sehr guten Lebensraum“ vorfindet und deshalb allen Grund hätte, sesshaft zu werden, zumal das Gelände schwer zugänglich sei. Vor allem Hunde könnten ansonsten den Biber aufstöbern und vertreiben. Sattler mag deshalb gar nicht so genau beschreiben, wo sich Biberreviere befinden. Auch er hofft, dass sich der Erfolgszug des Nagers fortsetzt. „Wenn man sie lässt, renaturieren sie uns die Flüsse praktisch zum Nulltarif.“

Quelle: F.A.Z.

 
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