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Frankfurt Betreiber von Rechenzentren rüsten weiter auf

Ob Equinix, Interxion oder Telecity: Die Betreiber von Frankfurter Rechenzentren investieren nach wie vor viele Millionen Euro.

© Gyarmaty, Jens Vergrößern Wachsende Netze: Ausschnitt aus dem Rechenzentrum von Interxion.

Schon in der Rezession 2008/09 wussten sie nichts von Krise zu berichten. Vielmehr haben Betreiber von Rechenzentren in Frankfurt weiter viel Geld in ihre Standorte stecken müssen, um die Nachfrage von Kunden wie etwa Banken, Versandhändler oder Anbieter von Internet-Spielen zu befriedigen. Und wenn die Börse nicht irrt, geht es der Rechenzentrums-Branche ausgezeichnet: Binnen sechs Monaten ist der Kurs des amerikanischen Anbieters Equinix um fast 60 Prozent geklettert, der englische Konkurrent Telecity verzeichnet ein Plus von 50 Prozent und die holländische Interxion einen Zuwachs von rund 30 Prozent. Dagegen liegt der Deutsche Aktienindex unter Wasser. Aufwärts geht es aber nicht allein mit den Börsenkursen - sondern nicht zuletzt mit der Zahl der Flächen für Hochleistungsrechner (Server).

Telecity schließt gerade den Ausbau seiner beiden Standorte am Main ab - bei Equinix und Interxion ziehen Arbeiter und Techniker derzeit Neubauten hoch. Nicht jeder Branchenvertreter nennt die Kosten. Allerdings gilt in der Branche die Faustregel: Mit 8000 bis 10.000 Euro je Quadratmeter ist zu rechnen. Angesichts solcher Summen und des Plans, bis 2014 rund eine Milliarde Euro investieren zu wollen, hat sich der Rödelheimer Rechenzentrumsbetreiber E-Shelter vor wenigen Wochen mit dem amerikanischen Finanzinvestor Abry verbündet. Abry soll ausdrücklich die Expansion unterstützen. Und Mitbewerber Databurg im Gallus ist Anfang Januar an einen japanischen Konzern verkauft worden.

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Ähnlich wie bei Fertighäusern

Equinix als größter Branchenvertreter weltweit und einer der großen am Main will in Bergen-Enkheim in zwei Phasen jeweils 4500 Quadratmeter für Rechner hinzunehmen, wie Jörg Rosengart, der Geschäftsführer der deutschen Landesgesellschaft, sagt. Weitere rund 9000 Quadratmeter seien zudem für Technik, die Löschanlage und Dieselgeneratoren für Notstrom vorgesehen. Das Unternehmen verfügt in Bergen-Enkheim bisher über etwa 25.000 Quadratmeter, wovon 14.000 mit Servern und dazu gehörenden Rahmengestellen, sogenannten Racks, belegt sind. Für den Neubau hat Equinix eine alte Lagerhalle abbauen lassen. Weil die Hochleistungsrechner Erschütterungen nicht mögen, ist der Abriss stückchenweise erfolgt - unter Einsatz von Erdbebensensoren, um Schäden an den teuren Anlagen zu verhindern, wie Rosengart sagt.

Das Gebäude wird nach seinen Worten nicht an Ort und Stelle gebaut, sondern vielmehr vollständig in Fabrikhallen in Nordrhein-Westfalen und in Bayern. Ähnlich wie bei Fertighäusern, sollen die Bauteile per Tieflader nach Bergen-Enkheim gebracht werden. Dies spare nicht nur Zeit, weil Tiefbau und Fertigung der Gebäudeteile parallel erfolgen könnten. Zudem sei weniger Lastwagenverkehr an der Baustelle notwendig, was die Nachbarschaft entlaste. Equinix baue erstmals auf diese Weise, sagt Rosengart.

21 Millionen Euro für den Neubau

Anfang des zweiten Quartals dieses Jahres will das Unternehmen einen Teil des neuen Gebäudes beziehen. Außer im Nordosten Frankfurts („Frankfurt 2“) betreibt Equinix in der Region drei Rechenzentren. Jenes in der Innenstadt nennt das Unternehmen „Frankfurt 1“, eines im Westen der Stadt heißt „Frankfurt 4“ und dasjenige in Mörfelden-Walldorf „Frankfurt 3“.

Ähnlich benennt die von Peter Knapp geführte deutsche Landesgesellschaft von Interxion ihre Rechenzentren. Sechs sind schon in Betrieb, und im ersten Halbjahr soll „FRA 7“ fertig werden. Für die 1550 Quadratmeter Neubau nimmt Interxion an der Hanauer Landstraße, wo auch der weltgrößte Internetknoten zu weiten Teilen beheimatet ist, 21 Millionen Euro in die Hand. Als Gründe für den Ausbau führt das Unternehmen die Nachfrage von Finanzdienstleistern und Anbietern von Cloud Computing („Software aus der Steckdose“) an. Bei Cloud Computing kaufen Betriebe, ähnlich wie ehedem in Gebietsrechenzentren, Speicherdienste, Rechenkapazitäten oder eben fertige Software ein und verzichten im Gegenzug auf ein eigenes Rechenzentrum. Dies erspart den Kunden die Kosten für Informationstechnologie und die für den Betrieb von Rechenzentren nötige Energie, wie Befürworter von Cloud Computing sagen.

Mit Zuversicht auf den weiteren Jahresverlauf blicken

Weniger von solchen Diensten als von „internetnaher Wirtschaft“ profitiert Telecity in seinen Rechenzentren in Niederrad und im Gutleutviertel, wie Geschäftsführer Martin Essig sagt. Im Gutleutviertel verfügt das Unternehmen fortan über rund 8000 Quadratmeter, das sind 3000 mehr als bisher. Von 2300 Quadratmeter auf 3300 Quadratmeter hat Telecity in der Bürostadt erweitert.

Füllen will Essig die Flächen vor allem mit Servern von Anbietern von Inhalten im Internet, Online-Bezahldiensten und Vertretern des Internet-Handels; derzeit zählt schon ein großer Versender aus dem Rhein-Main-Gebiet zu den Kunden, wie er sagt. Finanzdienstleister, die vor allem bei Equinix, aber auch bei Interxion vertreten sind, machen bei dem deutschen Ableger des Londoner Konzerns dagegen nur eine Minderheit aus.

Ähnlich wie seine Konkurrenten blickt Essig grundsätzlich mit Zuversicht auf den weiteren Jahresverlauf. Abgesehen von der Euro-Krise und den möglichen Nachteilen für die Weltwirtschaft sehe er keinen Grund, weshalb 2012 nicht so gut verlaufen sollte wie das vergangene Jahr. Schließlich gewinnt das Internet wirtschaftlich weiter an Bedeutung.

Quelle: F.A.Z.

 
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