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Obdachlose Arbeitsmigranten : Ausgrenzen oder integrieren?

Jahrelang war das Gelände Menschen ein Zuhause, ohne Wasser, ohne Strom. Vor einem Vierteljahr war Schluss. Bild: Wolfgang Eilmes

Das Roma-Lager im Frankfurter Gutleutviertel wurde geräumt. Wie man mit obdachlosen Arbeitsmigranten aus Osteuropa künftig umgehen soll, ist umstritten. Ein Runder Tisch in Frankfurt soll die konträren Positionen zusammenführen.

          Das Schiebetor, durch das man auf das ehemalige Fabrikgelände Gutleutstraße 332 kommt, ist verschlossen. Eine eiserne Kette soll dafür sorgen, dass kein Unbefugter mehr darauf gelangt. Mitten auf dem Grundstück ist noch ein schrottreifer, mit Graffiti besprühter weißer Lieferwagen, in unmittelbarer Nähe stehen sich zwei blaue Dixi-Toilettenhäuschen gegenüber. Ansonsten ist das Gelände leer und verlassen.

          Martin Ochmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nur der Müll liegt noch überall herum. Gesammelt wurde er von Leuten, die bis vor wenigen Wochen noch auf diesem Grundstück wohnten und zum Teil von diesem Müll lebten. Von Pfandflaschen. Von Gerümpel, für das sie auf Flohmärkten Käufer zu finden hofften. Jahrelang lebten auf dem alten Fabrikgelände an der Gutleutstraße Menschen aus Osteuropa, viele davon Roma aus Rumänien oder Bulgarien.

          Kein Anspruch auf Leistungen

          Sie bauten sich Verschläge im Hohlraum unter einer Laderampe ein, später errichteten sie kleine Hütten aus Sperrholz. In denen lebten sie unbehelligt, der Besitzer des Grundstücks kümmerte sich nicht darum, er saß in Italien im Gefängnis. Die Grundstücksbesetzer lebten in menschenunwürdigen Verhältnissen, ohne Toiletten, ohne Strom und ohne fließendes Wasser. Die Stadt Frankfurt ließ sie gewähren. Da es sich um Privatbesitz handelte, gebe es keine Handlungsmöglichkeit, hieß es.

          Bis Ende Februar auf einmal die Bagger anrückten und die Hütten in wenigen Minuten dem Erdboden gleichmachten. Einige hatten gebrannt, Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) sah auf einmal Gefahr im Verzug – und handelte. Ohne jede Absprache mit seinen Dezernatskollegen, von denen einige, zurückhaltend ausgedrückt, nicht glücklich waren.

          Seitdem ist das Gelände verlassen. Zwischen 40 und 50 Menschen lebten zeitweise auf der Brache. Wo sind sie jetzt? Die Antwort auf diese Frage ist allenthalben Achselzucken. Nach Angaben des Sozialdezernats nahmen elf  Personen die Rückkehrhilfe der Stadt in ihr Heimatland und ein Verzehrgeld von 20 Euro an, sieben sollen auf eigene Faust ausgereist sein. Laut Sozialamt wurden auch ehemalige Bewohner der Brache vereinzelt in der Stadt gesehen. An deren Situation hat sich nichts geändert. Anspruch auf Leistungen haben sie nicht. Das wurde nach der Räumung des Lagers und der vorübergehenden Unterbringung der Menschen in Unterkünften laut Sozialdezernat in 37 Fällen überprüft – in 34 davon gab es einen Ablehnungsbescheid.

          Eier aus umliegenden Häusern

          Das Lager im Gutleutviertel wurde geräumt. Ungelöst ist das Problem, dass viele Arbeitsmigranten mit geringer Bildung aus Osteuropa nach Frankfurt kommen. Die auf dem Arbeitsmarkt so gut wie keine Chance haben. Die aber irgendwo bleiben müssen.

          Insbesondere die Roma erwiesen sich diesbezüglich in der Vergangenheit als wenig zimperlich. Sie richteten sich auf der Gutleutstraße 332 ein – oder unter freiem Himmel. Noch kein Jahr ist es her, dass wochenlang eine Gruppe von bis zu 50 Personen an der Weißfrauenkirche in der Innenstadt lagerte, wohlwollend geduldet von der Diakonie. Nach einigen Wochen flogen zunächst Eier aus den umliegenden Häusern auf die Roma, dann fielen in einem Gespräch zwischen Hauseigentümer, Diakonie, Ordnungs- und Sozialdezernat deutliche Worte, und schließlich wurde geräumt.

          Schnell wieder abgebaut

          Wo die Matratzen lagen, steht heute ein Bauzaun. Ein Bauzaun steht mittlerweile auch rund um das „Nizza“, den mediterranen Garten am nördlichen Mainufer. Laut Grünflächenamt hatten dort in jüngster Zeit wohnungslose Osteuropäer genächtigt und in der Anlage auch ihre Notdurft verrichtet.

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