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Veröffentlicht: 15.03.2017, 19:59 Uhr

Miniaturkameras im Hessenpark Fotografieren mit der Linse im Knopfloch

Liebling, sie haben die Leica geschrumpft: Schon in analogen Tagen waren Miniaturkameras nicht nur ein Fall für Spione. Das zeigt eine Ausstellung im Hessenpark.

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© Wolfgang Eilmes Spezialfälle: die Fernglaskamera Binoca

Die schlichte, längliche Form mit den abgerundeten Ecken ist im besten Sinne zeitloses Design. Junge Menschen würden heute die Minox A IIIs vielleicht im Apple Store suchen. Dabei ist das gute Stück 63 Jahre alt. Ihre kleinen Abmessungen haben sie zum Inbegriff der Spionage-Kamera gemacht. Kein Wunder, dass George Lazenby 1969 als James Bond „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ zur Minox griff. Walter Zapp hatte den Prototyp sogar schon 1936 in Riga konstruiert. In Zeiten, wo sich in jedem Handy eine vollwertige Kamera verbirgt, wirkt die geringe Größe der Minox auf den ersten Blick wenig beeindruckend. Doch in der vordigitalen Ära musste ein richtiger Film belichtet werden, und auch der Spann- und Transportmechanismus, für den Zapp eine geniale Lösung gefunden hatte, benötigte Platz.

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Eine Sonderausstellung im Hessenpark stellt derzeit 130 Miniaturkameras im Haus der Foto- und Filmgeschichte am Marktplatz vor. Das Thema bringt es mit sich, dass sie sämtlich in einen kleinen Ausstellungsraum im Obergeschoss passen. Natürlich bedienen sich alle analoger Technik, um sich der gleichen Herausforderung zu stellen. Die älteste stammt aus dem Jahr 1894, der kleine schwarze Kasten einer Kemper Kombi. Nur ein Jahr jünger ist die Magic Photoret, die aussieht wie eine Taschenuhr und damit unauffällig Aufnahmen ermöglichte.

„Technisch war das kein Problem“

Dass schon in der Frühzeit Kameras geschrumpft wurden, ist für den Kurator der Ausstellung, Hubertus Siegert, keineswegs erstaunlich. „Optisch und technisch war das kein Problem.“ Die Herausforderung sei die Chemie gewesen. Erst in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts sei die Qualität der Filme und Negativerfahren so gut gewesen, dass sie Vergrößerungen und damit einen breiteren Einsatz zugelassen hätten.

Anfangs entsprachen die fertigen Abzüge dem Negativformat und waren bei Miniaturkameras entsprechend winzig. Mit der von Oskar Barnack konstruierten Leica und der Verwendung des aus dem Kinofilm entstandenen 35-Millimeter-Films in den zwanziger und dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde die Vergrößerung zum gängigen Prinzip, das die Qualität des Filmmaterials auch zuließ.

Für Miniaturkameras ist der Kleinbildfilm trotz seines Namens natürlich viel zu groß. Die geschrumpften Kameras verwendeten die unterschiedlichsten Negativformate, die nur zum Teil als fertig konfektionierte Filmkassetten erhältlich waren. Oft musste das für die Kamera nötige Format selbst zurechtgeschnitten werden. Welche Qualitätsansprüche Film und Vergrößerungstechnik erfüllen mussten, verdeutlicht Siegert am Beispiel des Minox-Formats acht mal elf Millimeter. Ein Abzug in Postkartengröße ist zwölfmal so groß wie das Negativ.

45317552 © Wolfgang Eilmes Vergrößern Klein, aber fein: Mini-Kameras von Leica, Minox und Hasselblad

Die Vorstellung, Miniaturtechnik sei immer technisch besonders anspruchsvoll und damit teuer, widerlegt eine ganze Reihe von Ausstellungsstücken. Die 6,5 Zentimeter hohe Midget der englischen Firma Coronet aus dem Jahr 1936 war eine Beigabe zu Frühstücksflocken. Und als man sich im Deutschland der Nachkriegszeit noch kaum Luxusgüter leisten konnte, tat es auch die kleine Kunik Petie. Natürlich konnte die Qualität nicht mit hochwertigen Kameras mithalten. Doch Siegert hat Statistiken verglichen und errechnet, dass man Anfang der fünfziger Jahre für eine Zeiss Contax II durchschnittlich zweieinhalb Monate arbeiten musste, während es die Petie schon für sechs Prozent des Monatslohns gab. Auch in Japan gab es eine ganze Reihe von Billigkameras des Typs „HIT“, die nach Amerika exportiert wurden. Versehen mit dem Herstellungshinweis „Made in Occupied Japan“. Populär wurden sie, als Marlene Dietrich ein Exemplar von einem aus Japan heimgekehrten GI geschenkt bekam.

Daneben gab es natürlich qualitativ hochwertige Miniaturkameras. Das galt auch für den Bedarf der Geheimdienste. Deren Mitarbeiter konnten mit der Armbanduhr oder dem Feuerzeug knipsen. Oder aus dem Mantelknopf, in dem sich das Objektiv der F-21 des russischen Herstellers KMZ aus Krasnogorsk verbarg. Ausgelöst wurde die Kamera per Kabel. Siegert hat in die Ausstellung manche ausgefallene Konstruktion aufgenommen, etwa Disc-Kameras, bei denen die Kamera die Bilder auf einer runden Planfilmplatte belichtet. Etwas für Sammler sind die Miniaturkamera-Ausgaben, die Minox noch um das Jahr 2000 herausbrachte. Wer sich eine Hasselblad-Mittelformat-Kamera oder eine Leica nicht in echt leisten wollte, konnte sie sich in verkleinerter Form und funktionstüchtig besorgen.

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Nicht nur Geheimdienste haben sich die geringe Größe der Miniaturkameras zunutze gemacht, um sie in andere Gegenstände einzubauen. Die Kombination mit einem Fernglas war eine naheliegende Idee, aber auch mit Stiften und sogar einem Schminkspiegel samt Lippenstift konnte man schon in den fünfziger Jahren Bilder machen. Die Kowa Ramera von 1959 bestand aus einem kleinen Radio samt Kamera, um beim Freizeitausflug alles Nötige dabeizuhaben. Eine Kombination, die heute digitale Geräte bieten.

Der Kurator macht noch auf die Minolta Courreges aus dem Jahr 1983 aufmerksam. Nicht nur das weiße Kunststoffgehäuse, auch das passende glitzernde Täschchen weisen auf Partygängerinnen als Zielgruppe hin. In der Mitte der Kamera befindet sich ein einfacher Spiegel, mit dem sich die Richtung kontrollieren lässt, wenn man die Courreges am ausgestreckten Arm hält. „Eine Selfie-Kamera“, sagt Siegert. Nur viel älter als das Smartphone.

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