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Veröffentlicht: 12.12.2013, 23:24 Uhr

Fotografien von Erika Wachsmann Altstadt, Alltag, Anekdote

Erinnerungen, aber nicht an die „gute alte Zeit“: Die Fotografien von Erika Wachsmann hinterlassen in der Frankfurter Ausstellungshalle gemischte Gefühle.

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Sentimental muss man vor diesen Fotos nicht gleich werden. Auch wenn, was man vielleicht aus den Erzählungen der Oma, den Erinnerungen womöglich auch der eigenen Eltern kennt, hier noch einmal verstärkt Gestalt annimmt angesichts der zahlreichen Trümmerbilder, die Erika Wachsmann in den vierziger Jahren gemacht hat. Schwarzweißaufnahmen etwa des zerstörten Steinernen Hauses oder der Liebfrauenkirche, der gewaltigen Schuttberge und des gerade wieder aufgerichteten Eisernen Stegs, der als „Gelegenheitskäufe“ angepriesenen Anzüge der gefallenen Männer oder auch einer Handvoll noch 1950 unter freiem Himmel angebotener Konserven.

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Mag sein, manche dieser Szenen hat man so oder doch so ähnlich schon gesehen. Und doch darf man sich angesichts der Qualität der Barytabzüge schon einmal ernsthaft fragen, wie es wohl kommt, dass diese großartige Fotografin heute, gerade einmal 16 Jahre nach ihrem Tod, selbst in Frankfurt kaum ein Mensch mehr kennt. „Außer, dass es grausig war“, hat die 1903 in Danzig geborene und 1997 gestorbene Fotografin im Rückblick auf die ersten Nachkriegsjahre einmal gesagt, sei es „doch auch oft sehr schön“ gewesen. Und meinte damit allerdings nicht die rituell beschworenen „guten alten“ Zeiten. Schön, so Wachsmann, war nicht etwa die Entbehrung, schön war es vielmehr „als Bild“.

Mit der Leica

Und genau das, so zeigt die auf die Zeit von Ende der vierziger bis Ende der fünfziger Jahre konzentrierte, von Wachsmanns Schülerin Anne Hoffmann aus dem Nachlass zusammengestellte Schau in der Frankfurter Ausstellungshalle 1a, genau das zeichnet ihre Kunst am Ende aus: der Blick für Licht und Schatten, das Gespür für den rechten Moment wie der untrügliche Sinn für Komposition, kurzum: das Bild. Das gilt für die Aufnahmen aus der Frankfurter Altstadt geradeso wie für die schlicht wunderbaren, schon in den dreißiger Jahren entstandenen Bilder von Autobahnbrücken, welche die zunächst bei Willi Baumeister an der Städelschule und dann bei Walter Hege ausgebildete Fotografin vermutlich während ihrer Studienzeit in Weimar aufgenommen hat.

In der Ausstellungshalle freilich sind es zunächst die vergleichsweise anekdotischen, neugierig, aber nie voyeuristisch auf die Menschen und das Pariser Leben blickenden Aufnahmen, die mit den nahezu gleichzeitig entstandenen Frankfurt-Bildern das Spannungsfeld umreißen, auf dem sie sich mit ihrer Leica immer schon bewegt. Dabei war der zeitlebens auf ihre Unabhängigkeit bedachten Wachsmann Inszenierung gänzlich fremd.

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Als unter anderem für diese Zeitung, für die „Frankfurter Rundschau“ und diverse Magazine tätige Fotografin war sie zunächst vor allem Bildberichterstatterin. Und doch - oder vielmehr gerade deshalb - vertraut man diesen Bildern. Verdichten sich doch in der Zusammenschau die Bilder eines mal von existentiellen Sorgen, mal von Neubeginn und Pragmatismus geprägten und dann wieder unbeschwert und heiter anmutenden urbanen Lebens zu einem exemplarischen, aus der Perspektive des Alltags erzählten Stück Zeitgeschichte. Und keineswegs zuletzt sind es die einfühlsamen Porträts von Theodor Heuss und Albert Schweitzer, von Willi Baumeister und Werner Bergengruen oder des „Schmiere“-Gründers Rudolf Rolfs auf seiner ersten Bühne im Keller des zerstörten Steinernen Hauses, die allein schon den Besuch der Schau lohnen. Und angesichts der gerade einmal 50 präsentierten Aufnahmen auf weitere Entdeckungen aus dem Nachlass hoffen lassen.

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