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F.A.Z.-Forum in Frankfurt : Stadtentwicklung als Sozialpolitik

Seit vier Monaten im Amt: Planungsdezernent Mike Josef zwischen Rhein-Main-Ressortleiter Matthias Alexander (links) und Rainer Schulze, dem für Stadtplanung zuständigen Redakteur Bild: Wolfgang Eilmes

Frankfurt braucht einen neuen Stadtteil, da ist sich Planungsdezernent Mike Josef sicher. Er will um Konsens werben, sich dann aber auch gegen Widerstand durchsetzen.

          Wer mit 33 Jahren so weit gekommen ist wie Mike Josef, dem ist noch mehr zuzutrauen. Aber Oberbürgermeister wolle er gar nicht werden, sagt der Frankfurter SPD-Vorsitzende beim F.A.Z.-Forum zur Planungspolitik. Zumindest nicht auf absehbare Zeit, schließlich sei die Arbeit als Planungsdezernent, der er seit vier Monaten ist, „hochspannend, noch spannender als OB“. Und, wie der Vater eines knapp neun Monate alten Jungen hinzufügt: Es sei doch eine schöne Vorstellung, in 20 Jahren mit seinem Sohn durch die Straßen zu laufen und sagen zu können: „Das habe ich mitgestaltet.“

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dass er selbst Politologe, also kein Architekt oder Stadtplaner ist und dass es deshalb hier und da Zweifel an seiner Qualifikation für das Amt gab, spricht Josef gegenüber dem versammelten Fachpublikum offensiv an. Er verweist aber auch auf seine trotz jungen Alters vorhandene Übung im politischen Handwerk. Dazu gehöre es, zwischen den Kräften zu vermitteln, in deren Spannungsfeld sich Politik im Allgemeinen und Stadtplanung im Besonderen abspiele.

          Kompromisse mit Anwohnern möglich

          Nicht ausdrücklich bestätigen will Josef, dass es im Magistrat, etwa in Fragen der Schulplanung, in jüngster Zeit „gerappelt“ habe, wie Rhein-Main-Ressortleiter Matthias Alexander meint, der das Gespräch zusammen mit dem für Planungsthemen zuständigen Redakteur Rainer Schulze führt. Sollte es solche Scharmützel um Stilfragen gegeben haben, dann könne man sie sich nicht leisten angesichts der Herausforderungen, die auf die Stadt zukämen.

          Hierzu zählt Josef vor allem die Bevölkerungsentwicklung. 75 000 Einwohner seien in fünf Jahren hinzugekommen - und das Wachstum sei längst nicht am Ende. Allerdings hätten noch nicht alle den Ernst der Lage erkannt. Es sei die große soziale Frage der nächsten Jahre, ob es gelinge, genug und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Dafür müssten bestehende Viertel verdichtet werden, es müssten aber auch neue Quartiere entstehen.

          Darüber, dass weder das eine noch das andere ohne Konflikte zu haben ist, macht Josef sich keine Illusionen. Als beispielhaft dafür, dass mit den Anwohnern gute Kompromisse gefunden werden können, nennt er die Pläne für eine Nachverdichtung der Platensiedlung. Allein mit dem Schließen von Baulücken oder dem Aufstocken von Häusern lasse sich der steigende Bedarf an Wohnraum aber nicht befriedigen: „Wir brauchen einen neuen Stadtteil - und ich glaube auch, dass wir uns in der Koalition darauf einigen können.“

          Dichtbebaute Stadtteile beliebt

          Ob und wo dieser Stadtteil entstehen kann, soll im Integrierten Stadtentwicklungskonzept geklärt werden. CDU, SPD und Grüne hätten zwar eine Bestandsgarantie für den Grüngürtel vereinbart, es sei aber unter Umständen möglich, Ausgleichsflächen an anderer Stelle auszuweisen. „Wenn das geht, werde ich an diese Option rangehen.“ Die Schaffung neuen Wohnraums sei auch eine Frage der Generationengerechtigkeit. „Manche, die sich heute den Blick auf Äcker und Streuobstwiesen nicht verbauen lassen wollen, haben vor 20, 30 Jahren selbst auf einer Streuobstwiese gebaut.“

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