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Forscher im Kinosaal : Katniss und der Klimawandel

Umweltschädlich: Jennifer Lawrence stimuliert als „Panem“-Gladiatorin das Publikum zu erhöhtem Kohlendioxid-Ausstoß. Bild: dpa

Mainzer Forscher beweisen: Spannende Filme sorgen für dicke Luft. Bei lustigen Filme ist die Zusammensetzung eine andere. Auch im Fußballstadion standen die Messgeräte der Forscher.

          Wenn auf der Leinwand Kugeln fliegen oder Raumschiffe explodieren, dann liegt Isopren in der Luft. Ausgeatmet von den Zuschauern im Kinosaal, die in solchen Momenten einen erhöhten Beitrag zum Klimawandel leisten - denn auch die Konzentration von Kohlendioxid in der Atemluft steigt an, sobald das Publikum im Angesicht cineastischer Dramatik auf den Sesseln rutscht und zu hyperventilieren beginnt. Das haben jetzt Wissenschaftler des Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie und der Gutenberg-Universität gezeigt.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Forscher um Jonathan Williams leiteten dazu Kino-Abluft während der Vorstellungen alle 30 Sekunden durch ein Massenspektrometer. Mit solch einem Apparat lassen sich viele verschiedene Moleküle nachweisen: zum Beispiel eben CO2 und der Kohlenwasserstoff Isopren. Geht es im Film besonders lustig zu, tauchen andere Verbindungen im Luft-Spektrogramm auf, wobei die Chemiker noch nicht herausgefunden haben, um welche Substanzen es sich genau handelt.

          Spannende und komische Geschehnisse hinterlassen demnach eindeutig unterscheidbare molekulare Spuren in der Lichtspiel-Atmosphäre. Anhand der Analysen konnte Williams’ Team sogar ganze Szenenfolgen rekonstruieren. Besonders dick wurde die Luft bei den „Tributen von Panem“, wenn Nachwuchsgladiatorin Katniss Everdeen wieder einmal um ihr Leben kämpfen musste.

          Faszinierende Möglichkeiten für Testvorführungen

          Erprobt haben Williams und Kollegen ihre Methode unter anderem auch in Aufführungen des Pelzfüßerdramas „Der Hobbit“ und der eigentlich nur mäßig witzigen Ben-Stiller-Komödie „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“. Ob in diesem Fall die Konzentration der Heiterkeitshormone über der Nachweisgrenze lag, lässt die Pressemitteilung leider offen.

          Auf jeden Fall eröffnen die Mainzer Erkenntnisse den Marketingexperten der Verleihfirmen faszinierende Möglichkeiten für Testvorführungen. Sollte etwa der CO2- und Isopren-Ausstoß beim nächsten Seniorenkampfsport-Epos von Stallone, Willis und Schwarzenegger nicht die geforderte Mindesthöhe erreichen, wird der Regisseur umgehend zum Nachschnitt einbestellt.

          Vor den Kino-Experimenten hatte Williams seinen Spannungsmesser schon an einem anderen Ort der Massen-Ekstase aufgebaut: im Mainzer Fußballstadion. Eine drastische Verschärfung des Treibhauseffekts ist den dort gewonnenen Daten zufolge nicht zu erwarten. Was aber auch am Ergebnis des Spiels gelegen haben kann: Die Partie endete 0:0.

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