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Flugsicherung : Gleitflug soll den Lärm deutlich mindern

Kontinuierlicher Sinkflug aus dem „Trichter“: In Frankfurt soll künftig nach neuen, schonenderen Verfahren gelandet werden. Bild: Setzer, Claus

Schon im Januar soll es in der Region leiser werden. Das kündigte die Flugsicherung an. Eine andere Landetechnik soll helfen.

          Die Deutsche Flugsicherung (DFS), in den vergangenen Wochen im Streit um Fluglärm in der Region oftmals als zu beharrlich gescholten und von Demonstranten heftig attackiert, hat am Donnerstag überraschend „kurz-, mittel- und langfristige Lösungen“ angekündigt. Als erster Schritt wird das kontinuierliche Sinkflugverfahren schon vom Januar an eingeführt. Allerdings vorerst nur zu verkehrsarmen Zeiten, früh morgens und in den späten Abendstunden.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auch sollen Piloten und Lotsen zunächst in weiter vom Flughafen entfernten Gebieten wie im Spessart Erfahrungen sammeln. Später soll auch auf den sogenannten Gegenanflugstrecken der Gleitflug, so weit nach Verkehrsaufkommen möglich, Standard werden.

          Man tue alles, um die Bürger zu entlasten

          Beim kontinuierlichen Sinkflug (CDO, die Abkürzung steht für Continuous Descent Operations) wird die Leistung der Turbinen auf rund 40 Prozent gedrosselt, dementsprechend reduzieren sich die Schallwerte. Vorerst werden jedoch die Flughöhen auf den Gegenanflugstrecken nicht verändert. Deren Neuordnung von März an hatte in mehreren Landkreisen und Städten für große Verärgerung gesorgt. Im näheren Umfeld des Flughafens, für die sogenannten Endanfluglinien (siehe Skizze), ist das Verfahren nicht geeignet, weil dort die Steuerung von Instrumenten übernommen wird.

          DFS-Geschäftsführer Ralph Riedle sagte laut einer Mitteilung, man tue alles, um die Bürger zu entlasten. Das Verfahren kann laut einer Unternehmenssprecherin schneller als geplant sukzessive in den Tagesbetrieb eingeführt werden. Man habe aber nicht aufgrund des in den vergangenen Wochen stark gewachsenen Drucks aus Politik und Öffentlichkeit gehandelt, sagte sie auf Anfrage.

          Sicherheit bleibe das wichtigste Kriterium

          Den Druck hatte gestern der hessische SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel noch einmal erhöht. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa schloss er nicht aus, dass seine Partei angesichts der unerwartet hohen Lärmbelastung in der Region im Falle der Regierungsübernahme nach den Landtagswahlen 2013 die Ausweitung des Flugverkehrs in Frankfurt deckeln werde.

          Die Einführung des CDO-Verfahrens schon zu Jahresbeginn sei möglich geworden, weil das um die neue Landebahn erweiterte „System“ des Frankfurter Flughafens flugtechnisch schon jetzt, zwei Monate nach der Umstellung, als sicher anzusehen sei, sagte die DFS-Sprecherin. Sicherheit bleibe das wichtigste Kriterium, darüber hinaus werde man aber alle Möglichkeiten ausschöpfen, die Menschen unter den Flugschneisen zu entlasten.

          „Modell Oslo“ auch in Frankfurt?

          Schon seit längerem hatten Kritiker der DFS empfohlen, sich das in London praktizierte Sinkflugverfahren zum Vorbild zu nehmen. In Langen, am Sitz der Deutschen Flugsicherung, reagiert man auf diese Empfehlung inzwischen leicht allergisch. Die britische Hauptstadt werde deutlich niedriger überflogen, als dies in Frankfurt der Fall sei. Zudem könne man in London nicht vom einem „kontinuierlichen“ Gleitflug sprechen, da immer wieder Phasen dazwischen lägen, in denen der Schub erhöht werde, um auf gleichbleibender Höhe zu fliegen.

          In der Region um Frankfurt soll künftig hingegen ein „lupenreiner“ Gleitflug praktiziert werden. Mit mess- und nachprüfbaren Resultaten rechnet die DFS allerdings erst in einigen Monaten. Viel hängt dabei von der Bereitschaft und den Fähigkeiten der Piloten ab, sich auf das Verfahren einzulassen. Zwingen kann man sie kaum. Ihre Einschätzung, wie aus Sicherheitsgründen in der jeweiligen Situation geflogen werden muss, behält oberste Priorität. Gemeinsame Schulungen mit Fluglotsen und eine intensivere Zusammenarbeit soll die Quote der schonenden Anflüge erhöhen.

          Auf lange Sicht - die Rede ist von vermutlich fünf Jahren Entwicklungszeit - könnte, wie die DFS weiter ankündigte, das „Modell Oslo“ auch in Frankfurt eingeführt werden und tatsächlich eine neue Epoche einläuten. In den vergangenen Wochen wurde laut DFS dazu eine Machbarkeitsstudie mit vielversprechenden Ergebnissen erstellt. In der Fliegersprache „Point Merge“ genannt, verbirgt sich dahinter die Methode, die herannahenden Flugzeuge nicht mehr wie bisher in großen Schleifen, sondern, allmählich sinkend, in einer Art Trichter heranzuführen. Vergleichbar dem Straßenverkehr könnten dann Flugzeuge im Reißverschluss-System zum Endanflug eingeordnet werden. Der Vorteil für die Menschen am Boden liegt vor allem darin, dass die Maschinen in viel größerer Höhe zu staffeln sind. Und diese „Trichter“ werden weitaus kleinere Gebiete als bisher mit Fluglärm beschallen. Außerdem können bei diesem Verfahren, weil aufgrund der Höhe der ankommenden Flugzeuge keine Kollisionsgefahr besteht, startende Maschinen steiler hochgezogen werden, was wiederum die Lärmwerte am Boden reduziert. Allerdings ist noch längst nicht ausgemacht, wo, je nach Windrichtung, diese „Points Merge“ liegen werden. Auf der Internet-Plattform Youtube lässt sich unter diesem Stichwort eine eindrucksvolle Simulation finden.

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