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Flugschule : „Ein Restrisiko beim Fliegen bleibt immer“

  • -Aktualisiert am

Trockenübung: Fluglehrer Christian Reuter erklärt Schüler Sascha Podlipny (vorne) die Schalter im Cockpit. Bild: Kaufhold, Marcus

In den vergangenen Monaten sind mehrere Kleinflugzeuge in der Rhein-Main-Region abgestürzt. Mit einer guten Ausbildung, zum Beispiel in Egelsbach, soll das in Zukunft verhindert werden.

          Am Flugplatz Egelsbach wartet das Motorflugzeug vom Typ Aquila A 210 auf die Starterlaubnis. Mit einer Checkliste prüft der Flugschüler mehrmals Instrumente und Hebel im Cockpit. Alles scheint in Ordnung zu sein. „Start frei“, meldet der Tower, und die Propellermaschine hebt ab. Vorschriftsmäßig fährt der Schüler die Landeklappen ein. Da passiert es: In 300 Metern Höhe herrscht plötzlich Totenstille. Der Propeller bewegt sich nicht mehr. Das Flugzeug wird langsamer, und seine Spitze dreht sich knarzend zurück zur Erde. Dann rast die Maschine nach unten. „Auf dem Acker da vorne müssten wir jetzt notlanden“, sagt Ausbilder Christian Reuter gelassen, stellt das Gas wieder an und zieht den Flieger nach oben.

          „Ein Triebwerkausfall ist unspektakulär, wenn du weißt, was du tust“, sagt Reuter. Gemeinsam mit seiner Frau Miriam leitet der Zweiunddreißigjährige seit 2010 die Flugschule „Rhein-Main Flightcenter“ in Egelsbach. Seit zehn Jahren arbeitet er als Ausbilder, nebenher fliegt er für eine große amerikanische Gesellschaft. Das Training von Notfällen wie dem Ausfall eines Propellers ist fester Bestandteil des Unterrichts für angehende Piloten. Trotzdem gebe es beim Fliegen immer Situationen, die man nicht trainieren könne, so Reuter. „Ein Restrisiko bleibt immer.“

          Unfallzahlen rückläufig

          In den vergangenen Monaten haben sich die Berichte über Flugunfälle im Rhein-Main-Gebiet gehäuft. Anfang März stürzte ein Motorsegler am Flugplatz Großostheim bei Aschaffenburg ab. Der 82 Jahre alte Pilot starb zwei Wochen später, seine Lebensgefährtin, die ebenfalls schwer verletzt worden war, schwebte in Lebensgefahr. Mitte Februar war es in Rüdesheim zum Absturz eines Leichtflugzeugs gekommen, bei dem zwei Menschen starben. Besonders schockierend war die Kollision zweier Kleinflugzeuge bei Wölfersheim-Melbach in der Wetterau im Dezember vergangenen Jahres. Eine fünfköpfige Familie aus dem Kreis Offenbach und ein Paar und ein Kind aus Frankfurt kamen ums Leben.

          „Die Unfallzahlen in Deutschland sind im Grunde genommen seit 1993 rückläufig“, sagt ein Sprecher der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung. Das Jahr 2012 sei allerdings eine Ausnahme gewesen. Die Zahl der tödlich Verletzten bei Unfällen mit Flugzeugen unter zwei Tonnen stieg bundesweit von zehn auf 31. Für das Land Hessen führt die Bundesstelle keine eigenen Zahlen.

          So viele Knöpfe

          „Die meisten Unfälle passieren durch menschliches Versagen“, meint Reuter. Die größten Fehlerursachen bei Privatpiloten seien Fehleinschätzungen der eigenen Fähigkeiten oder der Situation. Durch eine gute Ausbildung und häufiges Fliegen könnten die Risiken allerdings gemindert werden. Viele Privatpiloten kämen nur auf 15 bis 20 Flugstunden pro Jahr. Das sei aber zu wenig, um Routine zu entwickeln. Die Unfalluntersuchungsberichte bei Abstürzen seien wichtig, um daraus zu lernen. Piloten könnten Gefahrenpotentiale so besser abschätzen.

          Der 25 Jahre alte Sascha Podlipny macht seit Mitte März eine Pilotenausbildung in Reuters Flugschule. Sein Ziel ist es, später als Verkehrspilot arbeiten zu können - zunächst will er aber die private Lizenz. Etwa sieben Stunden hat er bis jetzt absolviert und durfte sogar schon selbständig starten und landen. „Anfangs sind die vielen Knöpfe im Flieger noch verwirrend“, sagt Podlipny. Angst vor dem Fliegen habe er nicht. Wichtig sei es aber, niemals den Respekt davor zu verlieren.

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