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Flugmotorenwerk : Rolls-Royce fliegt von Oberursel aus

  • Aktualisiert am

Kontrolle: Zwei Prüfer über einer Turbinenscheibe. Bild: dpa

Frankfurt steht für Banken und Flughafen. Doch ganz in der Nähe gibt es auch klassische Metall-Industrie: Seit 100 Jahren werden in Oberursel Flugmotoren gebaut, zuletzt unter der Marke Rolls-Royce.

          Vom „Gnom“ zum hochmodernen Rolls-Royce-Trent-Triebwerk für den Airbus A 380 - die Motorenfabrik in Oberursel bei Frankfurt blickt auf eine 100-jährige Tradition im Flugmotorenbau zurück. In der Kleinstadt am Taunus werden seit 1913 in einer wechselvollen Geschichte Motoren für militärische wie auch zunehmend zivile Maschinen gebaut. Zum Jubiläum am Freitag berichtet das inzwischen zu Rolls-Royce gehörende Unternehmen von vollen Auftragsbüchern und hoher Auslastung.

          Im August 1913 hatte die damalige Motorenfabrik Oberursel AG aus Frankreich die Lizenz zum Bau eines ersten Flugzeugmotors erworben. Eigentlich beginnt die Geschichte des Werks schon 20 Jahre früher, denn die Lizenz aus Frankreich fußt ihrerseits auf einem in Oberursel von Willy Seck entwickelten stationären Verbrennungsmotor mit 4 PS, der wegen seiner gedrungenen Bauweise „Gnom“ genannt wurde und um die Wende ins 20. Jahrhundert in tausenden kleiner Maschinen zum Einsatz kam. Am 15. August 1913 erwarb die schon 1892 gegründete Motorenfabrik Oberursel die Lizenz für den in Frankreich zum Flugzeugmotor weiterentwickelten Gnom, berichtet Firmenhistoriker Helmut Hujer.

          Nach Kriegsende Produktion umstellen

          Im ersten Weltkrieg wurde die Produktion der weiterentwickelten Motoren rasant hochgefahren, berühmtester Pilot war der deutsche Jagdflieger Manfred Freiherr von Richthofen, der „rote Baron“. Die Fabrik am Urselbach wurde nach Daimler und Benz der drittgrößte Flugmotorenhersteller in Deutschland, musste aber nach Kriegsende die Produktion umstellen. Die Fahrradmotoren aus dieser Zeit bildeten später die Grundlage für die legendären Horex-Motorräder, aber bald ging das Werk vollständig in der Humboldt-Deutz AG auf, für die vor allem kleinere Dieselmotoren hergestellt wurden.

          Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die unzerstörten Produktionsanlagen als Reparationen demontiert und bis nach Indien abtransportiert, so Hujer. Die jüngsten Entwicklungen gingen in die USA. Erst Ende der 50er-Jahre wurden in britischer Lizenz wieder erste Flugmotoren gebaut, weitere Kooperationen und kleinere Entwicklungen etwa beim europäischen Kampfflugzeug Tornado folgten.

          Keine Nachwuchssorgen

          Heute ist Oberursel mit 1300 Mitarbeitern Teil des weltweiten Rolls-Royce-Konzerns, der im Jahr 2000 im vorhergehenden Gemeinschaftsunternehmen mit BMW die alleinige Führung übernahm. Im brandenburgischen Dahlewitz bei Berlin hat Rolls-Royce Deutschland seinen Firmensitz und ein modernes Montagewerk.

          Als Kompetenzzentrum für die rotierenden Bauteile der Triebwerke hat Oberursel ein Alleinstellungsmerkmal. „Wir entwickeln und liefern Bauteile für alle wichtigen Triebwerksreihen“, sagt Geschäftsführer Holger Cartsburg. Jüngstes Kind ist der Hochdruckverdichter als Herzstück für das neue Triebwerk XWB, das den neuen Langstrecken-Airbus A 350 antreibt. Das Geschäft mit dem Militär verliert angesichts des Erfolges der zivilen Flugmotoren an Bedeutung, doch immer noch wartet das Unternehmen beispielsweise Hubschrauberturbinen der Bundeswehr.

          Die rund 1300 Jobs in Oberursel sind Cartsburg zufolge sicher, auch wenn derzeit keine Neueinstellungen geplant seien. Rolls-Royce verfügte nach eigenen Angaben Ende Juni über einen Auftragsbestand im Wert von 69,2 Milliarden britischen Pfund (80,1 Mrd Euro). Nachwuchssorgen drücken den Oberurseler Chef nicht. Der Name Rolls-Royce und der Hi-Tech-Glamour der Flugzeugindustrie begeistert angehende Facharbeiter genauso wie Ingenieurstudenten.

          Quelle: LHE

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