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Veröffentlicht: 18.06.2013, 23:22 Uhr

Fluglärmindex für Rhein-Main Manche Zahlen deuten sogar auf Entlastung

Das Forum Flughafen und Region präsentiert seinen Fluglärmindex. Die Stadt Offenbach ist demnach mit Abstand am stärksten betroffen. Anderswo soll es aber leiser geworden sein.

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© dpa Ansichtssache: Zahlen zum Fluglärm sind das eine, subjektive Empfindungen etwas anderes

Das neue Vier-Bahnen-System hat nach dem Ausbau des Frankfurter Flughafens die Lärmbelastung in der Region und sogar innerhalb der Grenzen einiger Kommunen zum Teil erheblich verändert. Diesen weitverbreiteten Eindruck bestätigt eine neue Berechnung des „Frankfurter Index“. Danach ist im Jahr 2012, das heißt nach Inbetriebnahme der neuen Landebahn, in der Region im Vergleich zu 2007 die Zahl derer um fünf Prozent und damit auf fast 95.000 Menschen gestiegen, die sich durch Fluglärm hochgradig belästigt fühlen. In den Jahren zuvor war die Zahl noch zurückgegangen, was mit dem Einbruch der Konjunktur, aber auch mit einem veränderten, in der Summe leiseren „Mix“ der in Frankfurt eingesetzten Flugzeuge erklärt wird.

Helmut Schwan Folgen:

Der „Fluglärmindex“ berücksichtigt rund 30 Städte und Gemeinden, in denen die Menschen tagsüber einem Dauerschallpegel von mindestens 53 Dezibel (A) ausgesetzt sind, und setzt die Zahl der Anwohner in Bezug zu dem Grad ihrer subjektiven Betroffenheit. Einfacher gesagt: Der Index ist dort am höchsten, wo es laut ist und die Gebiete dicht besiedelt sind. Nachts ist die Zahl der „Aufwachreaktionen“ das wichtigste Kriterium.

Woher der Wind weht

Das Forum Flughafen und Region, das den Dialog zwischen den Anrainerkommunen und der Luftverkehrswirtschaft aufrechterhalten soll, lässt den Index regelmäßig neu vom Darmstädter Öko-Institut berechnen. Allerdings beruht das Verfahren noch auf Werten aus den Jahren 2004 und 2005; damals waren die Anwohner in rund 30 Kommunen gefragt worden, wie sehr sie sich vom Fluglärm beeinträchtigt fühlen. Neue Zahlen wird erst die großangelegte Studie zu Verkehrslärm namens Norah Anfang 2015 liefern.

Wie sich der Fluglärm verteilt, hängt bekanntlich sehr davon ab, woher der Wind weht. Westbetrieb, das heißt, Landen und Starten gegen den Wind aus Westen, mit der entsprechend starken Belastung der östlich des Flughafens gelegenen Gebiete herrschte in den sechs Jahren konstant zu drei Vierteln des Jahres; nur in den Jahren 2008 und 2009 war zu einem Drittel Ostbetrieb angesagt.

Wie relativ eine Entlastung laut Index ist, zeigt das Beispiel Raunheim. Von 2010 bis 2012 ging er von 7,13 auf 6,41 Punkte (ein Punkt entspricht rund 900 Hochbelasteten) zurück. Damit liegt die Kommune freilich immer noch im vorderen Drittel, ganz zu schweigen von dem Lärm, der unmittelbar unter den Einflugschneisen herrscht. Auf den ersten Blick paradox wirkt das Ergebnis für Flörsheim, das unter dem Aspekt Lärm als einer der größten Verlierer des Ausbaus gilt. In der Summe ist der Index seit 2010 von 8,00 auf 7,42 gesunken - was verschweigt, wie sehr die nördlichen Stadtteile seit Herbst 2011 unter den Anflügen auf die Nordwestbahn zu leiden haben.

Kaum noch Landungen auf nördlicher Bahn

Im Osten des Flughafens ist nach dieser Berechnungsmethode Hanau (Indexwert nahe null) der große Gewinner des neuen Flughafensystems, weil die nördliche der Parallelbahnen (nun Centerbahn genannt) kaum noch zu Landungen genutzt wird. Was Offenbachs Politiker seit langem beklagen, bekräftigen die neuesten Zahlen: Der Index ist von 23 auf mehr als 32 noch oben geschnellt, der absolute Spitzenwert der Region. Weil nun die südlichen Stadtteile Frankfurts in der Endanfluglinie der neuen Landebahn liegen, hat sich der Wert von 2011 auf das Folgejahr mit 14,8 mehr als verdreifacht.

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Nachts ist es nach dem Ausbau leiser, das lässt sich auch anhand des Lärmindex nicht leugnen. Die von den Gerichten verordnete, nur durch Ausnahmen unterbrochene Betriebsruhe zwischen 23 und 5 Uhr schlägt sich darin nieder. Hochgerechnet wurde die Zahl der im Schlaflabor bei Überflügen ermittelten zusätzlichen Aufwachreaktionen. Während danach 2007 in der Region der Schlaf der Bürger noch fast 400000 Mal gestört wurde, waren es 2011 rund 290.000 und 2012 etwas mehr als 236.000 Mal.

Schrei! mich!! nicht!?! an!!!

Von Eva-Maria Magel

Außer Beiträgen in Social Media werden auch E-Mails mit reichlich Interpunktion garniert. Der Einsatz von Frage- und Ausrufungszeichen erhöht sich jährlich um grob geschätzt 1000 Prozent. Mehr 1 2

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