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Veröffentlicht: 03.02.2013, 17:20 Uhr

Fluglärmgegner Der Aufstand der Bürger geht weiter

Sie sehen sich nicht als Flughafengegner. Sie zählen auch nicht zu denen, die seit Jahren gegen den Ausbau in Frankfurt kämpfen. Doch seit die vierte Piste in Betrieb ist, protestieren auch Frauen und Männer der bürgerlichen Mitte.

von , Frankfurt
© von Siebenthal, Jakob Immer noch lärmgeplagt: der Niederräder Jochen Krauß.

Das böse Erwachen kam mit der Kanzlerin. Unmittelbar nachdem Angela Merkel am 21.Oktober 2011 zur Eröffnung der vierten Bahn des Frankfurter Flughafens im Regierungsjet eingeflogen war, begann der Betrieb mit vier Bahnen und um 1,4Kilometer nach Norden verschobenen Anflügen. Seither ist in Flörsheim, Niederrad, Oberrad, am Lerchesberg und in den anderen Orten unter den neuen Endanfluglinien nichts mehr, wie es war.

Jochen Remmert Folgen:

Vor einem Jahr überwog der Schock. Der ist gewichen, die Empörung nicht. Denn der Fluglärm ist seither für die, deren Wohnungen, Häuser und Gärten unter den Anfluglinien liegen, zu einem bestimmenden Teil ihres Lebens geworden. Das gilt auch für die drei Niederräder Helmut Mader, Simone Heinrich und Jochen Krauß. Ausgesucht haben die drei sich das so wenig wie die anderen Neubetroffenen. Der Flugbetrieb ist an sie herangerückt, nicht umgekehrt.

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Arbeitet nicht mehr für Flughafenklinik

Heinrich, Krauß und Mader sind dem etablierten Frankfurter Bürgertum zuzurechnen - beruflich, wirtschaftlich, auch privat. Mader ist pensionierter Banker mit erwachsenen Kindern, Heinrich studierte Politikwissenschaftlerin, die in Teilzeit arbeitet, um sich so mit ihrem Mann, einem Klinikarzt, um ihre heute vierjährigen Zwillingsbuben kümmern zu können. Die Schwiegereltern, alteingesessene Niederräder, helfen dabei.

Krauß ist Unfallchirurg und betreibt mit einem Kollegen eine Praxis in Sachsenhausen. Er wohnt ebenfalls mit Frau und zwei Töchtern in dem fast kleinstädtischen Stadtteil. Seinen Nebenjob als Bereitschaftsarzt der Flughafenklinik hat er vor gut einem Jahr hingeworfen. Er habe nicht mehr für ein Unternehmen arbeiten wollen, das derart rücksichtslos mit Menschen umgehe und das den Fluglärm direkt in sein Zuhause und das seiner Familie gebracht habe, sagte er damals.

Sohn eines Fluglotsen

Das vergangene Jahr hat ihn eher bestärkt denn besänftigt. Fraport wolle „die Sache durchzuziehen“. Mit Aktionen wie „Ja zu Fra“ versuche der Flughafenbetreiber offensichtlich, seine eigenen Leute bei der Stange zu halten. An die tatsächlich Betroffenen könne sich eine solche „Show“ nicht richten, sagt Krauß.

Keiner der drei Protestierer hat sich je als Flughafengegner gesehen, sie tun das bis heute nicht. Krauß ist Sohn eines Fluglotsen, Mader war berufsbedingt Vielflieger, schätzt die Nähe zum Flughafen auch heute noch, Heinrich ebenso. Lärmschutzfenster haben alle drei in ihre Häuser einbauen lassen, lange bevor von dem Programm „Passiver Schallschutz“ die Rede war. Sie haben es auf eigene Kosten getan, weil ihnen klar war, dass die Flugzeuge oft in Hörweite von Niederrad zur Landung ansetzen. Dass die Maschinen aber noch einmal knapp anderthalb Kilometer näher kommen würden, damit hatte keiner von ihnen gerechnet.

Sie hätten es schon viel früher wissen müssen

Vielbeschäftigt sind alle drei, interessiert, gut informiert - inzwischen besonders über Fluglärm und über Wege der politischen Teilhabe außerhalb der Wahlkabine. Denn vor etwas mehr als einem Jahr haben sie damit begonnen, sich in der „Bürgerinitiative Eintracht gegen Fluglärm - Niederräder im Protest“ zu organisieren.

Keiner von ihnen bestreitet, dass man es lange vor dem Oktober 2011 hätte wissen und sich schon früher gegen den Ausbau hätte engagieren können. So, wie es beispielsweise die Bürgerinitiative Sachsenhausen seit fast 15Jahren tut. „Aber es ist nun einmal oft so beim Menschen, dass erst die persönliche Betroffenheit ein echtes Problembewusstsein entstehen lässt“, gibt Mader selbstkritisch zu.

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