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Flughafen-Streit „Gespräche, aber bisher keine Entscheidungen“

 ·  Seit der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts gegen Nachtflüge in Frankfurt keimt am Flughafen Hahn angesichts von sinkenden Passagierzahlen die Hoffnung, Geschäft von Rhein-Main anziehen zu können.

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Der Regenschauer, der bei 13 Grad auf die Fluggäste vor der Ryanair-Boeing 737/800 niedergeht, macht deren Entscheidung, nach Fuerteventura zu fliegen, noch plausibler. Rasch sind die Urlauber eingestiegen, das Flugzeug mit einem Schlepper über das nasse Rollfeld zum Taxiway geschoben. Alles hat funktioniert, der Flieger ist startklar. Nur Rentner Dieter Simon, der fast täglich den Flugverkehr auf dem Flughafen Hahn im Hunsrück beobachtet und offenbar lieber Passagiere zählt, als Kreuzworträtsel zu lösen, scheint nicht zufrieden: „109, das sind 80 zu wenig, da passen 189 rein“, raunt er auf der Besucherterrasse.

Der Mann weiß, wovon er spricht. Die Boeing der irischen Billigfluglinie ist mit kunstlederbezogenen Sitzen ausgestattet, die nicht klappbar und so eng montiert sind, dass tatsächlich 189 Passagiere hineinpassen. Die Rechnung mit einigen sehr billigen, etlichen nicht ganz so günstigen und einigen gar nicht billigen Tickets geht bei Ryanair aber nur dann auf, wenn die Airline ihre Maschinen immer halbwegs voll bekommt. Bisher hat sich die Verbindung von Hahn nach Fuerteventura aber alles in allem offensichtlich gerechnet, denn Ryanair-Chef Michael O’Leary ist dafür bekannt, dass er nicht fackelt und eine Verbindung streicht, wenn sie nicht abwirft, was er von ihr erwartet.

„Hier finden Gespräche statt“

Das hat O’Leary auch den Flughafen Hahn schon schmerzhaft spüren lassen. Nicht zuletzt deshalb hofft man bei der Frankfurt-Hahn Flughafen GmbH davon profitieren zu können, dass es beim großen Nachbarn in Frankfurt auf Dauer keine Nachtflüge mehr geben wird. Theoretisch könnte das sowohl das Frachtgeschäft als auch die Ferienfliegerei auf dem Hahn befeuern. Geschäftsführer Wolfgang Pollety hält sich aber bedeckt: „Hier finden Gespräche statt. Konkrete Entscheidungen liegen noch nicht vor.“

Unlängst hatte Polletys Kollege Jörg Schumacher, Sprecher der Geschäftsleitung, im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ausgeführt, dass man beispielsweise der vom Frankfurter Nachtflugverbot stark betroffenen Lufthansa Cargo AG reichlich Nachtflugmöglichkeiten, eine vollständige Logistik und alle Arten technischer Wartungsdienstleistungen bis zum Triebwerkswechsel bieten könnte. Die Kranichlinie zeigte sich bisher allerdings nicht interessiert - abgesehen von streikbedingten Engpässen in Frankfurt und im Fall der Lufthansa-Fliegerschule, die den Hunsrückflughafen zum Trainieren nutzt.

„Wir haben hier ja eine ganze Menge Passagiere verloren“

In der Gastronomie halten sich die Hoffnungen auf mehr Geschäft in Hahn seit dem Frankfurt-Urteil des Bundesverwaltungsgericht in Leipzig allerdings in Grenzen. „Wir haben hier ja eine ganze Menge Passagiere verloren. Das muss man erst einmal wieder aufholen“, gibt eine Bedienung in einem Bistro zu bedenken.

Nicht verlorengegangen sind die jungen Fluggäste, die am Rand der Hallen kauern und den ganz billigen Flügen entgegendösen. Ansonsten aber musste der ehemalige Militärflughafen tatsächlich im vergangenen Jahr einen Passagierrückgang um 17 Prozent auf gut 2,89 Millionen Fluggäste hinnehmen. Der Höchststand vor der Finanz- und Wirtschaftskrise lag im Jahr 2007 sogar bei mehr als vier Millionen Passagieren.

„Hier haben wir ein Plus von 7,97 Millionen Euro erzielt“

Den Rückgang von 2010 auf 2011 schreibt die Unternehmensleitung der seit Januar 2011 geltenden Luftverkehrsabgabe zu. Als Reaktion darauf hatte Hauptkunde Ryanair nämlich kurzerhand das Flugangebot aus dem Hunsrück erheblich eingeschränkt. Die Verluste bei den Passagieren habe man 2011 aber durch die Fracht ausgleichen können, führte Pollety weiter aus. Das Eigenaufkommen bei der Fracht, also die Transitfracht nicht gerechnet, sei um mehr als ein Drittel gestiegen.

Überhaupt war das Jahr 2011 gewissermaßen ein Frachtjahr für den Flughafen Hahn: 286.416 Tonnen (Eigenaufkommen plus Transit) bedeuten Rekord und eine Steigerung im Vorjahresvergleich um ein Viertel. Auch das wirtschaftliche Ergebnis war 2011 besser als im Jahr davor: Das operative Ergebnis konnte den Angaben zufolge fast verdoppelt werden. „Hier haben wir ein Plus von 7,97 Millionen Euro erzielt. Im Vorjahr 2010 waren es noch 4,3 Millionen Euro“, teilte Pollety mit. Zur Umsatzentwicklung äußert sich das Unternehmen allerdings nicht, der Geschäftsführer gab jedoch zu, dass das Gesamtergebnis nach wie vor durch hohe Zinsen und Abschreibungen belastet wird, die den Investitionen der vergangenen Jahre geschuldet sind. Dadurch ergab sich 2011 auch ein Gesamtverlust von 10,6 Millionen Euro nach 10,9 Millionen Euro im Jahr 2010.

Immerhin hat die türkische Fluggesellschaft Sun Express, eine Tochter der Turkish Airlines und der Lufthansa, angekündigt, künftig auch Flüge vom Flughafen Hahn anbieten zu wollen. Vom 23. Juni an soll es eine Direktverbindung nach Izmir an der türkischen Ägäisküste geben. Die drittgrößte Stadt der Türkei ist die Metropole einer stark vom Tourismus geprägten Region, deshalb ist die Verbindung den Angaben zufolge zunächst auf die Urlaubssaison beschränkt und endet am 18. August wieder. Und die Frequenz hält sich auch in Grenzen: Sun-Express will die Strecke Hahn-Izmir einmal in der Woche bedienen: sonntags hin, samstags zurück.

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Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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