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Flughafen Kassel-Calden Wachstum nach dem Ausbau

 ·  Die Geschäftsführung hat große Pläne für den Flughafen Kassel-Calden: Binnen einer Dekade könnte der Flughafen eine Million Passagiere zählen. Bald soll das Angebot erhöht werden.

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Binnen einer Dekade könnte der Kasseler Flughafen eine Million Passagiere zählen. Das hat die Geschäftsführerin der Flughafen GmbH, Maria Muller, im Gespräch mit dieser Zeitung in Kassel geäußert. Wenn der erweiterte Flughafen im April eröffnet werde, erwarte sie im nächsten Jahr 100000 neue Passagiere durch den neuen Flugplan zusätzlich zu einigen zehntausend Geschäftsreisenden, die den Platz schon seit langem Jahr für Jahr nutzen. Der alte Flugplatz Kassel-Calden verzeichnet bislang etwa 35000 Flugbewegungen im Jahr.

Heute schon stehen nach Mullers Worten etwa 20 Abflüge in der Woche zu beliebten Ferienziele im Flugplan des Jahres 2013. Darunter sind Split in Kroatien, Palma de Mallorca, Fuerteventura, Teneriffa oder Antalya. Muller sagte: „Wir sind noch nicht ganz fertig mit dem Flugplan. Wir haben noch mehr vor. Wir melden uns aber erst, wenn es der Partner gestattet.“ In Rede standen in Kassel Ägypten oder Ziele in Nordafrika. Offenbar arbeitet die Geschäftsführung auch am Zustandekommen von einer Verbindung zu einem Luftdrehkreuz. Thorsten Amend-Schnaar von XL Airways sagte, „der eine oder andere Reiseveranstalter wird sich noch einschalten“.

Ein attraktiver Flugplatz

Jürgen Bongartz von Rewe-Touristik mit den Marken ITS, Jahn und Tjaereborg, sagte, sein Unternehmen freue sich über das zusätzliche Angebot eines Flughafens in Kassel. Im ersten Jahr des erweiterten Flughafens Kassel wolle allein Rewe „10000 Einsteiger produzieren“. Bongartz verwies auf die strategische Lage von Kassel, das in Hessen in Nachbarschaft zu Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Thüringen liege. Während der Hochsaison, die sich wegen der unterschiedlichen Ferienzeiten regional unterschiedlich verteile, sei der Flugplatz über einen langen Zeitraum im Jahr sehr attraktiv.

Bongartz sagte, er habe realistisch geplant. Wegen der neuen Planzahlen für Kassel habe sein Unternehmen an anderen Plätzen weniger Gäste eingeplant. Für Kassel spricht nach Frau Mullers Worten die Bequemlichkeit. Am Flughafen werde es - abgesehen von den Flächen vor dem Terminal - 750 gebührenfreie Parkplätze geben und Zubringerbusse vom ICE-Bahnhof Wilhelmshöhe. Ulrich Spengler von der Industrie- und Handelskammer Kassel verwies auf den Gleisanschluss für eine Straßenbahn- oder Regiotramverbindung, der in allen Planungen für den Ausbau des Flughafens Kassel-Calden von Beginn an bedacht worden sei. Doch der Flughafen und seine Infrastruktur sollten mit der Nachfrage wachsen, warb Spengler für Augenmaß.

Gesundes Wachstum und Realismus

Amend-Schnaar sagte, sein Unternehmen hätte gerne ein Flugzeug in Kassel stationiert. Das sei aber wegen des Nachtflugverbot dort nicht möglich. Muller sagte, die vier Nachtflüge, die möglich seien, wolle sie für spät ankommende Flugzeuge reservieren. Das bedeute zugleich eine Absage an Logistikflüge in der Nacht. Die Kläger gegen Nachtflüge hätten eben erreicht, dass der Flughafen von 22 bis 6Uhr keine Geschäfte machen könne. Muller warb um Geduld für ein gesundes Wachstum. Sie schloss Logistikverkehre nicht aus. Diese würden selbstverständlich auch am Tag abgewickelt. Aber die Logistikbranche sei konservativ. Sie werde abwarten, wie sich Kassel als Flughafen entwickeln werde. In fünf Jahren werde die Frage nach der Logistik abermals zu stellen sein. Zugleich mahnte sie Realismus an. Regionalflughäfen erwirtschafteten ebenso wie andere Infrastruktureinrichtungen, wie Bahnhöfe oder Nahverkehrssysteme, typischerweise keinen Gewinn.

Hessen sei beim Ausbau von Kassel-Calden einen einmaligen und klugen Weg gegangen. Das Land habe mit der Notifizierung durch die Europäische Union erreicht, dass der Flughafen in definierten Grenzen einen Pfad zum Erreichen eines wirtschaftlich ausgeglichenen Ergebnisses beschreiten werde. Es sei das Ziel, bis zum Jahr 2020 die prognostizierte Zahl von 640000 Passagieren zu erreichen, um damit eine schwarze Zahl schreiben zu können. Sie erwarte zunächst Verluste von drei bis fünf Millionen Euro im Jahr. Aus der Vereinbarung mit der EU leiteten sich jedoch Gebühren und Beiträge ab. Der Flughafen müsse mit jedem Passagier 10 bis 15 Euro erwirtschaften. Damit schieden Billigfluglinien, die nur einen Ertrag von einem bis sieben7 Euro je Passagier zuließen, aus, sofern sie nicht einen Dritten finden, der ihr Angebot subventioniere. Es gebe auch Angebote von Billigfluggesellschaften, keine Gebühren zu zahlen, wenn sie im Gegenzug eine Million Passagiere im Jahr zusicherten, die dann für touristische Nachfrage in der Zielregion sorgten. Wegen der politisch festgelegten Entscheidung gegen die Subventionierung von Billigfluglinien werde sie, Muller, in Diskussionsforen und aus der Bevölkerung durchaus als „arrogant“ beschimpft. Die von Hessen erreichte Notifizierung sei aber „eine saubere Sache, und sie öffnet den Billigairlines nicht Tür und Tor“. Mit seinen Gebühren und Beiträgen werde Kassel im Mittelfeld der Flughäfen wie Erfurt und Paderborn liegen. Kassel werde günstiger sein als Hamburg und Hannover, aber deutlich teurer als Dortmund oder Hahn.

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