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Flughafen Kassel-Calden eröffnet Erste Landung im eisigen Gegenwind

 ·  Die Kasseler mögen offenbar ihren Flughafen: Etwa 5000 Schaulustige waren zur Eröffnung gekommen. Die Diskussionen um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit gehen unterdessen weiter.

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Die Kasseler mögen offenbar ihren Flughafen. Etwa 5000 Schaulustige waren gekommen und harrten in großer Zahl im eisigen Wind am Info-Point aus, um den Starts und Landungen am Tag der Inbetriebnahme der Flughafenerweiterung zuzusehen. Im Festzelt waren etwa 700 geladene Gäste, und auch im Terminal waren viele, die den ersten Tag nicht versäumen wollten. Schon für den Probebetrieb der vergangenen Monate hatten sich 10000 Freiwillige gemeldet. In einem Airbus A 319 der Germania, die von Mai an von Kassel aus fliegen wird, landeten kurz nach 11 Uhr Gäste, die um 10.47 Uhr in Frankfurt gestartet waren, darunter Hessens Finanzminister Thomas Schäfer als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Kasseler Flughafengesellschaft. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Verkehrsminister Florian Rentsch (FDP) waren mit dem Auto gekommen.

Das wohlwollende Interesse in Calden einerseits und die schroffe Ablehnung, die die Investition in den Stellungnahmen der Gegner erfährt, andererseits sind bezeichnend für das Projekt. Letztere zweifeln am Sinn eines Flughafens in der Nähe von Hannover, Paderborn oder Frankfurt und warnen vor der Verschwendung von 271 Millionen Euro an Steuermitteln für die neue Bahn von 2500 Metern in Ost-West-Richtung. Die Befürworter, die sich in Nordhessen über die Parteigrenzen von SPD, CDU und FDP hinweg in einer ganz großen Koalition vereint haben, sehen dies anders: Kassel habe seit den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts einen Flugplatz und namhafte Luftfahrtindustrie.

Es hängt nicht von Mallorca oder Antalya ab

Der Platz mit seinen mehr als 700 Arbeitsplätzen in Unternehmen unmittelbar an der Piste müsse mit den Anforderungen der Zeit und denen der Unternehmen in der Region mitwachsen. Es gehe nicht um Ferienflieger. Die könnten zudem starten und landen. Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) sprach es aus: Es hänge nicht davon ab, wie häufig die Flugzeuge nach Mallorca oder Antalya starteten, sondern es gehe um die Dynamik der Entwicklung in Nordhessen. Der Flughafen sei wegen der wirtschaftlichen Entwicklung ausgebaut worden. Hilgen sagte: „Wir heben ab, aber wir sind nicht abgehoben.“

Nach Bouffiers Worten war der alte Platz mit seiner 1500-Meter-Bahn, die in Nord-Süd-Richtung gegen zwei Berge gerichtet war, „nicht mehr zukunftsfähig“. Der Flugplatz in Kassel wäre abgewickelt worden. Das sei die Alternative zur Erweiterung gewesen, zu deren Gunsten die Entscheidung gefallen sei, denn „ein starkes Nordhessen ist Teil eines starken Hessen“. Zudem sah Bouffier das Volumen von Passagieren und Fracht wachsen, während die großen Flughäfen an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit stießen. Für Hilgen wird der ausgebaute Flugplatz bis zum Jahr 2020 ein „nicht mehr wegzudenkender Faktor“ in der Region sein wie heute schon der ICE-Bahnhof. (cpm.)

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04.04.2013, 18:01 Uhr

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