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Ehrenamtliche Flüchtlingshilfe : Trainer, Lehrer und Begleiter

Eines der unterschiedlichen Projekte: Die Initiative „Teachers on the road“ bietet Geflüchteten Sprachkurse an . Bild: Norbert Müller

Immer mehr Flüchtlinge kommen auch nach Hessen - neben Unterkünften ist auch das Personal knapp. Doch viele Ehrenamtliche helfen in sehr unterschiedlichen Projekten. Was treibt die Helfer an, die Geflüchteten zu unterstützen.

          Ohne Sport wäre Giuseppe Conigliaro nicht da, wo er heute ist. Nicht nur der Fitness wegen, sondern weil er als Jugendlicher gelernt hat, gesunden Ehrgeiz zu entwickeln, und Spaß daran zu haben, Leistung zu zeigen. „Ohne das alles hätte ich mein Abitur nicht geschafft“, sagt der Sechsunddreißigjährige. Seit neun Jahren ist er Vertretungslehrer an einem Gymnasium in Maintal und studiert Sport und Italienisch auf Lehramt. Aber damit nicht genug: Er möchte das, was er gelernt hat, jungen Flüchtlingen vermitteln - als Trainer in einem Modellprojekt der Sportjugend Hessen, das es außer in Maintal noch in Egelsbach und in Butzbach gibt. Ziel ist, Sportvereine und Flüchtlinge zusammenzubringen. „Ich möchte Brücken bauen“, sagt Conigliaro.

          Stefan Toepfer

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Christine Mayer-Simon schätzt seinen Einsatz sehr. „Freizeitgestaltung ist eine von drei Säulen der Flüchtlingshilfe, die Ehrenamtliche leisten“, so die Sprecherin des Arbeitskreises Asyl in Maintal. Wichtig seien außerdem Deutschkurse und Beratungsangebote. Fast täglich melden sich bei ihr Bürger, die Flüchtlinge unterstützen wollen. Treffen können sie einander zum Beispiel in einem Café und in einer Fahrradwerkstatt. Paten begleiten Asylbewerber zu Behörden und zu Ärzten.

          Neues Projekt „Frankfurt hilft“

          Die Erfahrung, dass viele bereit sind, sich für Flüchtlinge einzusetzen, macht nicht nur Mayer-Simon. „Die Hilfsbereitschaft ist nach wie vor sehr groß“, sagt Dilek Akkaya. Sie soll gemeinsam mit ihrer Kollegin Anita Heise im Auftrag der Stadt die freiwillige Flüchtlingshilfe in Frankfurt koordinieren. Wiesbaden hat das Projekt „Willkommenskultur für Flüchtlinge“ ins Leben gerufen, um die vielen Hilfsangebote und Spenden besser steuern zu können. Dazu gibt es unter anderem ein Online-Formular, in dem Bürger angeben können, wie sie Flüchtlinge unterstützen möchten.

          Akkaya und Heise arbeiten noch am Aufbau des Projekts „Frankfurt hilft“, das das Sozialdezernat gemeinsam mit neun Stiftungen initiiert hat. Auf diesem Feld bewegen sich in Hessens größter Stadt viele Institutionen mit Ehrenamtserfahrung, etwa die Arbeiterwohlfahrt (Awo). Pilar Madariaga leitet die Freiwilligen-Agentur der Awo in Frankfurt und hat ein Projekt in der Flüchtlingshilfe auf die Beine gestellt. Zentrales Prinzip ist für sie, dass sich Freiwillige und Flüchtlinge auf Augenhöhe begegnen können. Rund 200 Ehrenamtliche wurden in dem Projekt seit November 2014 geschult. Zu Madariagas Prinzipien gehört es, Freiwillige meist in Gruppen einzusetzen, etwa in der Hausaufgabenhilfe.

          Nicht jede gut gemeinte Aktion hilft

          Auch Andreas Böss-Ostendorf, dem Koordinator der katholischen Stadtkirche für die Flüchtlingsarbeit, ist es wichtig, Helfer gut vorzubereiten. Die Kirche will ihre Schulungen von September an intensivieren, gemeinsam mit der Caritas und der katholisch-eritreischen Gemeinde, die viel für Flüchtlinge tut, die aus dem afrikanischen Land kommen. Manchmal sei der Hilfebedarf anders, als man es sich vorstelle, sagt Böss-Ostendorf. „Außerdem ist jeder Flüchtling ein Individuum.“

          Helfer genau zu informieren, halten er und Madariaga deshalb für unerlässlich - ein Anliegen, das auch Akkaya und Heise teilen. Genauso wie jenes, darauf zu achten, welchen Hilfebedarf Flüchtlinge oder Flüchtlingsunterkünfte haben, um darauf reagieren zu können. „Manches Angebot ist nicht sinnvoll, obwohl es einem Impuls entspringt, helfen zu wollen“, schildert Madariaga. „Zum Beispiel Kleidung spenden zu wollen oder Möbel.“ Hilfreich hingegen sind Patenschaftsprojekte für Flüchtlinge, wie sie die evangelische Kirche und die Caritas anbieten: Geschulte Freiwillige begleiten Flüchtlinge in deren Alltag.

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