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„Le Nozze di Figaro“ : Flüchtiger Anschein

  • -Aktualisiert am

Szene aus „Le Nozze di Figaro“: Xiaoyi Xu als Cherubino Bild: Copyright: Wolfgang Runkel

Dieser Mann liegt er am Hochzeitsmorgen im Bett seiner Susanna. Mozarts „Le Nozze di Figaro“ zeigt als Übernahme aus Köln am Staatstheater Darmstadt.

          Dieser Figaro würde überall eine hervorragende Figur machen: Als Erotikon mit perfekt durchtrainiertem Oberkörper liegt er am Hochzeitsmorgen im Bett seiner Susanna. Der Dienstherr der beiden, Graf Almaviva, darf während der quirligen Ouvertüre nur scheu auf die Schöne schauen, hat er doch selbst gerade das „ius primae noctis“, das feudale „Recht der ersten Nacht“, außer Kraft gesetzt. Bereits mit dieser Pantomime bleibt Emmanuelle Bastet in ihrer Inszenierung von Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Le Nozze di Figaro“ eng an der literarischen Vorlage, der Komödie „Der tolle Tag oder die Hochzeit des Figaro“ des Pierre Augustin Caron de Beaumarchais.

          Im vergangenen Mai hatte Bastets Neuinszenierung Premiere an der Oper Köln gefeiert und wurde nun am Staatstheater Darmstadt von dessen Ensemble übernommen, als Ersatz für eine zunächst angekündigte, zu Beginn dieser Spielzeit jedoch abgesagte Produktion der „Zauberflöte“. Nach einem ebenfalls aus Köln stammenden „Fliegenden Holländer“ bedeutete dieser „Figaro“ in der noch jungen Opernsaison bereits die zweite Darmstädter Musiktheaterpremiere, die eigentlich eine Übernahme zeigt. Schule machen sollte diese Reproduktion des Kreativen nicht, auch wenn sich die Ausstattung von Tim Northam nun für den schnellen Umzug gewiss anbot.

          Täuschungen und Verwicklungen

          Der Einheitsraum mit seinen mintgrün-weißen Wänden ist Salon und Garten, stellt Innen und Außen zugleich dar. Tapetentüren für schnelle Auftritte und Abgänge, eine Matratze auf dem Boden zu Beginn und später Spanische Wände geben der Szene ihrerseits einen flüchtigen Anschein. Das immerhin passt zu den permanenten Täuschungen und Verwicklungen des Librettos von Lorenzo Da Ponte und hat die Regisseurin womöglich dazu eingeladen, sich von Thesen und Tiefgang weitgehend frei zu halten. Denn fast immer geht es in der Inszenierung, die in Darmstadt Dirk Schmeding szenisch einstudiert hat, ziemlich wuselig zu. Das ermüdet auf Dauer ein wenig; Zeitlos zündet immerhin die skurrile Erkenntnis, dass Figaro der verlorene Sohn der gräflichen Bediensteten Marcellina (mit Grandezza: Katrin Gerstenberger) und Bartolo (schelmisch: Seokhoon Moon) ist. Georg Festl leiht der Titelfigur seinen noch jungen, nicht sehr opulenten, aber schön geschmeidig geführten Bass.

          Gewicht erfährt die Produktion in Darmstadt durch die Besetzung der Gräfin Almaviva sowie der Susanna, denn Katharina Persicke und Jana Baumeister übertreffen sich mit ihren technisch makellos und betörend ausdrucksvoll gestalteten Frauenporträts geradezu gegenseitig. Ein wenig neutraler, dabei treffend undurchsichtig bleibt in David Pichlmaiers Darstellung der Graf selbst. Wenn die lyrische Mezzosopranistin Xiaoyi Xu, die mit Leichtigkeit die Hosenrolle des Cherubino verkörpert, am Schluss der Oper plötzlich verlassen auf der Bühne zurückbleibt, leistet sich die Regie einen jener Knalleffekte, auf die in musikalischer Hinsicht das im erhöhten Graben spielende Staatsorchester Darmstadt unter der Leitung von Rubén Dubrovsky nur zu gerne zusteuert. Dass es dabei manchmal an Präzision und letzter Koordination zur Bühne mangelt, ist in Darmstadt eine seltene, nach der „Holländer“-Premiere aber auch nicht mehr ganz neue Erfahrung. Ein Pluspunkt: Am Hammerklavier sekundiert Giacomo Marignani mit würzigem und effektsicherem Spiel.

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