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Flirttipps für Senioren Bitte lächeln!

In einem Flirtkurs lernen Senioren, wie man freundlich auf andere Menschen zugeht. Das kostet zwar ein bisschen Überwindung, lohnt sich aber - egal in welchem Alter.

© Eilmes, Wolfgang Vergrößern Frauenüberschuss: Senioren bei den Praxisübungen im Flirtkurs.

Der Mann mit den mittellangen, grauen Haaren kann sich vor Komplimenten kaum retten. „Schöne Frisur.“ „Die Brille steht Ihnen super.“ „Für Ihr Alter sehen Sie aber noch gut aus.“ Eine nach der anderen stellt sich vor ihn, sagt ihm etwas Nettes und geht zum Nächsten. „Flirten am Fließband“ heißt die Übung. Den Inhalt beschreibt der Name recht gut. Zwei Kreise haben die Männer und Frauen gebildet, die zum Flirtkurs ins Gesundheitsamt gekommen sind. Die Leute der äußeren Reihe sind dran, Komplimente zu verteilen, aber nicht mehr als eins für jeden. „Keine Diskussionen“, ruft Kursleiterin Claudia Hohmann in ihr Mikrofon, wenn aus dem Komplimente-Schnellfeuer mal wieder ein längeres Gespräch zu werden droht.

Christian Palm Folgen:  

Die Zeit ist knapp im Auditorium des Gesundheitsamts an der Breiten Gasse. Nur anderthalb Stunden dauert der Kurs „Junge Liebe rostet nicht“. Das Fließband-Flirten ist der Höhepunkt des Nachmittags. Zuvor haben die Senioren gelernt, wie das geht mit dem Flirten. Nun sollen sie es ausprobieren. Die erste und mit Abstand wichtigste Regel: lächeln.

Lächeln als wirksamste aller Waffen

Werner Szeimis, der den Kurs mit seiner Kollegin Hohmann leitet, zitiert aus dem Buch „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“. Lächeln sei die wirksamste aller Waffen, heißt es da. Und damit die Senioren lernen, diese Waffe richtig einzusetzen, sollen sie erst einmal ihr Lächeln durch den Raum schicken. Sie schauen ihren Sitznachbarn an, sagen ihren Vornamen - und strahlen. Es sind deutlich mehr Hellas, Bertas, Helenes und Utas, die das Lächeln durch den Raum wandern lassen. Klaus, Wolfgang und Dieter sind in der Unterzahl. Frauen seien im Alter generell aktiver, sagt Szeimis. Zudem würden Männer im Schnitt nicht so alt. Darum betrage das Verhältnis von Frauen zu Männern in Kursen dieser Art meist 70 zu 30.

Als sie einen solchen Kurs zum ersten Mal angeboten habe, sei es den Teilnehmern noch peinlich gewesen, erinnert sich Szeimis. Heute sei es ganz natürlich, auch im hohen Alter noch neue Bekanntschaften zu machen. „Die alten Leute werden offener.“ Die Senioren müssen sich nur trauen. Denn bei manchem liegen die letzten Flirt-Erfahrungen schon Jahre oder Jahrzehnte zurück. Mittlerweile sind die Haare grau geworden, die Angst vor Zurückweisung ist gewachsen.

Ein nettes Gespräch kann auch ein Flirt sein

Hohmann und Szeimis arbeiten als Sexualpädagogen für den Verband „Pro Familia“ und deshalb meistens mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die Idee für die Kurse mit älteren Leuten hatten die Senioren selbst. Warum nicht, dachten Hohmann und Szeimis und motivieren seither die älteren Frauen und Männer mit den gleichen Übungen wie die Jungen zum Flirten. Nur, dass sie die Anweisungen, etwa zum Fließband-Flirten, für die Senioren öfter wiederholen und dabei etwas lauter sprechen müssen. Aber: „Verliebt ist verliebt, egal ob mit 15 oder mit 70 Jahren“, sagt Szeimis.

Doch beim Flirten geht es aus seiner Sicht nicht unbedingt um Liebe und Sex. Ein Flirt, das könne auch ein nettes Gespräch beim Bäcker oder auf der Straße sein. Nach dieser Lesart, bemerkt eine Frau verwundert, flirte sie ja ständig mit Frauen. Und einem älteren Herr fällt auf, dass er neulich heftig mit einer Studentin im Bus geflirtet habe. Hohmann und Szeimis geben ihre Kurse nicht, um aus Durchschnittstypen Casanovas zu machen. Sie sollen nur lernen, auf Menschen zuzugehen, sei es mit oder ohne Hintergedanken.

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Veröffentlicht: 18.01.2013, 15:00 Uhr

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Von Rainer Schulze

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