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Veröffentlicht: 22.06.2013, 17:01 Uhr

Flipper-Museum eröffnet Mit zwei Hebeln die Stahlkugel beherrschen

In Seligenstadt wird heute ein Flipper- und Arcade-Museum eröffnet. Der gemeinnützige Verein „For Amusement Only“ aus Rodenbach stellt dort alte Spielgeräte aus.

© Rüchel, Dieter Blinkt und macht Geräusche: einer der 70 Automaten des neuen Flipper-Museums in Seligenstadt.

Dem „Pinball Wizard“ hat die Musikgruppe „The Who“ Ende der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts gleich einen ganzen Rocksong gewidmet: Erzählt wird die Geschichte eines taubstummen und blinden Jungen, der sich als Zauberer am Flipperautomaten erweist. Damals gehörten die Geräte mit blinkenden Anzeigen und markanten akustischen Signalen zur Standardausstattung vieler Kneipen und Treffs. Das Spielprinzip war einfach: Es galt, eine polierte Stahlkugel mit Hilfe von zwei beweglichen Flipperhebeln auf einer leicht ansteigenden Spielfläche gegen sogenannte Bumper und andere Hindernisse krachen zu lassen und dabei möglichst viele Punkte zu sammeln. Geld war nicht zu gewinnen.

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Flipper-Fans gibt es auch heute noch: Anfang Juni wurde die Flipper-Weltmeisterschaft zum ersten Mal in Deutschland ausgetragen. 64Teilnehmer aus 20Nationen reisten zum sportlichen Wettkampf nach Echzell in der Wetterau. Ansonsten haben Computerspiele und Spielekonsolen den „Pinball Machines“ den Rang abgelaufen. Nur noch selten trifft man auf Spielgeräte mit Namen wie „Skipper“, „Black Knight“ oder „Theatre of Magic“.

Hydraulisch betriebenes Autorennspiel

Im Flipper- und Arcade-Museum, das heute (22. Juni 2013) in Seligenstadt eröffnet wird, ist das anders: Dort fühlt sich der Besucher nicht nur in die Boomzeit der Flipperautomaten zurückversetzt, sondern kann sich auch an elektronischen Arcade-Spielen erfreuen, die mit kleinen Steuerhebeln oder Lenkrädern ausgestattet sind und zu rasanten Rennfahrten am Bildschirm einladen. Beim hydraulisch betriebenen Autorennspiel neigt sich der Sitz, auf dem der Fahrer Platz genommen hat, je nach Fahrmanöver zur Seite. Beim pneumatisch betriebenen Aqua-Jet fährt der Spieler Wasserski und muss sich anstrengen, in Kurven das Gleichgewicht zu halten.

Flipper- und Arcade-Museum in Seligenstadt - das neue Museum mit 60 Flippern und 70 anderen Spielgeräten wird am Samstag eröffnet © Rüchel, Dieter Vergrößern Für Rennfahrer: Im Flipper- und Arcade-Museum in Seligenstadt können Autorennen gefahren werden.

In einem ehemaligen Möbelhaus an der Wilhelm-Leuschner-Straße, in dem zuletzt ein Unternehmen Beamer und Leinwände verkaufte, richtete der gemeinnützige Verein „For Amusement Only“ aus Rodenbach bei Hanau das neue Museum ein. Bislang war die Ausstellung in Rodenbach zu sehen. Das dortige Domizil wurde im Laufe der Zeit aber zu klein. Etwa 800 Quadratmeter stehen künftig in Seligenstadt zur Verfügung. Finanziert werden die Räume aus den Mitgliedsbeiträgen und den Eintrittsgeldern der Besucher. Mit vier Sammlern fing der Verein 2009 an; heute hat er 60 Mitglieder.

Etwa 70 Automaten von mechanisch bis modern

„Die Leute kommen ins Museum und sagen, genauso war es damals, als wir uns in der Kneipe oder im Kino getroffen haben, um eine Mark in den Flipper zu werfen“, sagt Marcus Blöß. Der 47Jahre alte Marineoffizier aus Görgeshausen im Westerwald trat im April 2012 dem Verein bei. Mit einem Flipperautomaten, den er und seine Frau sich vor Jahren kauften, fing bei ihm alles an. Auf der Suche nach weiteren Geräten kam Blöß, der in Koblenz stationiert ist, mit dem Verein in Kontakt. Etliche seiner Geräte sind im Museum zu bewundern.

Auch andere Mitglieder steuerten Apparate bei: Auf etwa 70 Flipper trifft der Besucher - vom frühen, rein elektromechanisch funktionierenden Gerät aus dem Jahr 1963 bis zum modernen Apparat, in dessen Inneren sich laut Blöß „ein kleiner Computer“ verbirgt. Sein Wissen über Flipperautomaten, die einst von Firmen wie Gottlieb, Bally und Williams in den Vereinigten Staaten von Amerika gefertigt wurden, gibt er gerne weiter. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, Spiel- und Unterhaltungsautomaten vor der Verschrottung zu bewahren, sie zu restaurieren und als wertvolle Zeitzeugen zu erhalten.

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Die Mitglieder kommen aus den unterschiedlichsten Berufen. Wartungstechniker sind ebenso dabei wie Handwerker. Mark Fugmann aus Hanau, 30Jahre alt und Vize-Vorstand des Vereins, ist Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung. Als er früher gemeinsam mit anderen im Jugendzentrum mit einem Nintendo-Apparat spielte und die Eingabegeräte („Gamepads“) ständig kaputtgingen, wurde sein Interesse an Technik geweckt. Bei der Suche nach stabileren „Control Panels“ in einer Spielothek erwarb er die ersten beiden Automaten, die aber erst noch zu reparieren waren. Fugmann befasst sich mit Arcade-Spielgeräten, von denen im Museum rund 50 zu erleben sind. „Donkey Kong“ und „Space Invaders“ gehören dazu. Zwei „Virtual Reality“-Apparate vermitteln einen Eindruck, wie die Hersteller schon in den neunziger Jahren versuchten, Spiele dreidimensional zu gestalten. Fast alle Geräte im Museum sind voll funktionsfähig.

Das Flipper- und Arcade-Museum, Wilhelm-Leuschner-Straße 6, ist heute, 22.06.2013, von 15 bis 22 Uhr und danach an jedem ersten Samstag im Monat von 15 bis 21 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen zehn Euro Eintritt (Familien 20 Euro, Jugendliche fünf Euro); die Besucher können an den auf „Freispiel“ eingestellten Apparaten ihr Geschick testen. Geldspielgeräte werden nicht ausgestellt; man grenze sich von den heutigen Spielhallen klar ab. Ein Aufkleber „For Amusement Only“ (Nur zum Vergnügen) prangte in den Vereinigten Staaten früher an Geräten, an denen kein Geldgewinn möglich war.

Informationen über den Verein gibt es im Internet unter www.for-amusement-only.de.

Quelle: F.A.Z.

 

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