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„Flaschenpost-Insel“ : Auf der Suche nach Heimat und Familie

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Geben erste Autogramme: die Hauptdarsteller Lara Winde, Teanna Weiss, Jan Niklas Thomson und Aurelio Pokorski (von links) Bild: Michael Kretzer

Der Wiesbadener Kinder-Kinofilm „Flaschenpost-Insel“ begeistert bei der Premiere. Nun fehlt noch eine Verleihfirma, damit der Streifen in ganz Deutschland in die Kinos kommt.

          Tosender Beifall, lauter Jubel und gellende Pfiffe: Der Wiesbadener Kinder-Kinofilm „Die Flaschenpost-Insel“ hat am Wochenende eine gelungene Premiere im Programmkino Caligari gefeiert. Mehr als 400 Zuschauer – überwiegend Familien – waren gekommen, um Schauspieler und Filmcrew zu erleben und den Film zu sehen. Damit ist das Projekt des gemeinnützigen Vereins Oscar aber noch nicht beendet. Der Film wird auf Kinderfilm-Festivals gezeigt und soll später nach Möglichkeit auch bundesweit in den Kinos laufen. „Wir hoffen, dass sich ein großer Verleih für den Film interessiert. Das ist unser Traum“, sagt Produzentin Corinna van Eijk.

          Drei Jahre hatte es vom Konzept bis zur Realisierung des 90-Minuten-Episodenfilms gedauert, für den mehr als 500Kinder aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet gecastet worden waren. In dem Film selbst spielen etwa 400 Komparsen mit – überwiegend Kinder und Teenager. Gedreht wurde daher fast ausschließlich in den Sommerferien des vergangenen Jahres an verschiedenen Orten in Wiesbaden und Gustavsburg. Möglich wurde das ehrenamtliche Projekt vor allem durch die Unterstützung zahlreicher Sponsoren und der Kinderdarsteller, die unentgeltlich vor der Kamera agierten. Ihr Lohn: eine unbezahlbare Erfahrung.

          Unbeeindruckt vom Trubel

          Die vier Hauptdarsteller gaben sich vor der Premiere ziemlich unbeeindruckt vom Trubel und genossen die ihnen geltende Aufmerksamkeit. „Am Anfang war es schwierig, aber dann haben wir uns an das Set gewöhnt“, sagt Teanna Weiss. Die elfjährige Wiesbadenerin spielt das Flüchtlingsmädchen Laini. „Es hat uns vor allem viel Spaß gemacht“, ergänzt die zwölfjährige Lara Winde. Die Taunussteinerin spielt als Babsi die Freundin von Laini und hilft ihr, ein mysteriöses Rätsel ihrer Vergangenheit zu lösen.

          Entspannt saßen die beiden noch kurz vor der Premiere im Foyer des Caligari, während um sie herum hektische Betriebsamkeit herrschte. „Wir sind Freundinnen geworden und treffen uns jetzt sehr oft mit unseren Familien bei Festen und anderen Anlässen“, sagt Lara und ihre Freundin Teanna nickt. Dann sprechen sie davon, wie bei den Dreharbeiten die Glasflasche der Flaschenpost am Rheinufer nach dem Wurf zerschellte, anstatt im Wasser zu treiben, und kriegen sich vor Lachen kaum noch ein.

          Geschickt verwobene Handlungsstränge

          Und schon sind sie in der Geschichte. Laini versucht nach dem Tod ihrer Eltern mit Hilfe eines Fotoalbums ein Rätsel aus ihrer Vergangenheit zu lösen. Michael (Aurelio Pokorski, 13 Jahre, aus Kronberg) ist ein Einzelgänger, der von seiner überfürsorglichen Mutter drangsaliert wird, und Paul (Jan Niklas Thomsen, 14 Jahre, aus Bad Homburg) lebt mit seinen Eltern in einer amerikanischen Kaserne. Er ist hochbegabt und will Deutschland, im Gegensatz zu seinem Vater, nicht verlassen. Alle sind auf der Suche nach Heimat und Familie.

          Die Handlungsstränge der drei Teenager sind geschickt ineinander verwoben. Der Film zeigt einfühlsam, wie Sprachlosigkeit in Familien überwunden werden kann und wie Freundschaften Hindernisse aus dem Weg räumen. Die Kameraführung ist dicht, und die von Jan Grenner komponierte Filmmusik unterstreicht die Atmosphäre. Dem 26 Jahre alten Regisseur Toni Kurtin ist es in seinem Spielfilmdebüt gelungen, die ernsten und anspruchsvollen Themen kindgerecht ins Bild zu setzen, ohne den Zeigefinger zu heben. Einige Szenen sind sogar urkomisch. Die Botschaft der „Flaschenpost-Insel“ ist klar: Was allein nicht gelingt, schafft das Team. Anderssein gehört dazu und muss kein Nachteil sein.

          Ein Oscar für die jugendlichen Darsteller

          Teamarbeit war auch der Film. „Ich bin überglücklich, die gesamte Crew heute hier zu sehen“, sagt Regisseur Kurtin. „Es war ein richtiges Geschenk, mit kreativen Kindern zu arbeiten, die sich auch selbst einbringen konnten.“ Kurtin studiert „Zeitbasierte Medien“ an der Hochschule Mainz. Der 26 Jahre alte Regisseur arbeitete während der Dreharbeiten auch mit professionellen deutschen Schauspielern wie Phillip Bender, Alexander Koll, Margit Lieverz und Tanja Schleiff zusammen. Aber: Der Premierenabend gehörte den jugendlichen Darstellern, die nach der Vorführung ganz stilecht einen Oscar überreicht bekamen.

          Kein Wunder also, dass Teanna und Lara keinen Zweifel ließen: „Wir möchten Schauspielerinnen werden.“ Dafür lernen die beiden kräftig. Teanna tanzt Ballett und Hip-Hop, zudem spielt sie Geige. Lara übt klassischen Tanz und Schauspiel. Beide sind Schülerinnen der Wiesbadener Schauspielschule Scaramouche Academy, deren Leiterin die Produzentin van Eijk ist. Nach der Premiere zogen Schauspieler und Filmcrew ins Café und feierten gemeinsam die Premierenparty – nicht aber, ohne vorher Autogrammkarten zu signieren.

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