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Fintech Cashlink : Geld eintreiben leichtgemacht

Bild: Bettina Wolff

Das Frankfurter Fintech Cashlink vereinfacht Überweisungen unter Freunden.

          Die besten Ideen erwachsen manchmal aus den kleinsten Störfaktoren des Alltags. Die Geschichte von Cashlink ist dafür ein gutes Beispiel. Jeder hat vermutlich schon mal für Freunde Geld vorgelegt: für ein gemeinsames Geschenk, für Konzertkarten, für zwei Runden Getränke im Biergarten. Oftmals handelt es sich um kleinere Beträge, und oftmals ist es mühsam, das Geld wieder einzutreiben, denn die Zahlungsdisziplin ist auch unter Freunden häufig schwach ausgeprägt. Richtig unangenehm wird es, wenn man sie daran erinnern muss, doch noch die acht Euro für den Kinobesuch vor Wochen überweisen zu müssen. Der Empfänger dieser SMS fühlt sich dann als unzuverlässiger Knauserer, der Sender als pedantischer Pfennigfuchser.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Michael Duttlinger kennt das. „Wir hatten immer wieder Probleme, Geld für gemeinsame Aktivitäten wie Ausflüge oder Geburtstage zurückzubekommen“, sagt er. „Wir“, das sind er und drei Freunde, die im Februar vergangenen Jahres als Studenten des Karlsruher Instituts für Technologie die Idee hatten, ein eigenes Unternehmen zu gründen.

          Ohne TAN-Nummer und Konto-Login

          Der neue Service soll das Senden und Empfangen von Geld erleichtern. Wer Geld vorgelegt hat, verschickt an seine Freunde einen Cashlink, der sich ohne App im Internet erstellen lässt und neben dem Betreff natürlich den Betrag enthält. Die Kumpels klicken auf den Link, geben Namen, Mailadresse und Kontonummer ein und können so das Geld ohne TAN-Nummer und ohne Konto-Login überweisen, auch vom Tablet und vom Smartphone aus.

          An ihrer ursprünglichen Idee haben die Gründer bis heute nichts geändert. Nur der Weg zum Start des Produkts Mitte Februar dieses Jahres verlief anders als geplant. „Mit dem ein oder anderen Problem haben wir einfach nicht in dieser Form gerechnet“, sagt Duttlinger. Zum Beispiel habe man nicht geahnt, welche regulatorischen Anforderungen auf sie zukommen würden, zum Beispiel mit Blick auf die Zahlungsverkehranforderungen. Inzwischen verfügt Cashlink über eine Lizenz der Bankenaufsicht Bafin und verspricht seinen Kunden „höchste Sicherheitsstandards“ – schließlich seien die Deutschen in Sachen Finanzen ein sehr vorsichtiges Volk.

          Die Idee, Überweisungen unter Freunden zu vereinfachen, hatten auch andere, Cringle, Paypal und Lendster zum Beispiel. Doch während die Mitbewerber meist auf Apps setzen und von Kunden eine Registrierung einfordern, lässt sich Cashlink aus dem Internetbrowser heraus und ohne Anmeldung nutzen, Bankdaten werden nicht ausgetauscht. Wer größere Summen transferieren oder den Dienst zu kommerziellen Zwecken verwendet, der muss allerdings seine Daten hinterlassen. Die Überweisungen erledigt für Cashlink die Berliner Solaris Bank. Lange hatten sich die jungen Unternehmer an den großen Häusern orientiert, berichtet Duttlinger. Doch dort seien die internen Entscheidungsprozesse nicht auf Fintechs ausgelegt, die kleiner, flexibler und schneller als große Institute handeln können.

          Noch haben Duttlinger und seine Kollegen mit der Idee kein Geld verdient. „Ohne unsere Familien hätten wir es bis hierher nicht geschafft.“ Immerhin ist das Unternehmen mit den derzeit neun Mitarbeitern mietfrei im Fintech-Hub der Deutschen Börse untergekommen. Derzeit befinde man sich kurz vor dem Abschluss einer Finanzierungsrunde. Das dabei erlöste Geld soll zur Weiterentwicklung des Dienstes und zu Marketingzwecken genutzt werden. Der Markt sei riesig, sagt Duttlinger – in Dänemark zum Beispiel nutze etwa jeder zweite Bürger bereits einen vergleichbaren Service.

          Mittelfristig will sich Cashlink als Partner von Internet-Marktplätzen etablieren und damit Geld verdienen. Wer auf einem solchen Marktplatz Produkte verkauft, könnte dann einen Cashlink verschicken, so dass eine schnelle Zahlung und somit eine zügige Lieferung ermöglicht würde. Cashlink, so lautet der Plan, würde dann durch eine Provision an jeder Transaktion mitverdienen.

          Doch so weit ist es noch nicht. Derzeit zählt das Start-up rund 1700 Nutzer, etwa 5000 Cashlinks wurden bisher verschickt. Das sind noch überschaubare Werte, wenn man bedenkt, dass die Fintechs Masse brauchen, um zu überleben. Eines jedoch haben die Gründer erreicht: Am Anfang seien sie mit ihrer Idee belächelt worden, erzählt Duttlinger. „Doch diese Zeiten sind vorbei.“

          Quelle: F.A.Z.

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