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Film „Die Liebe und Viktor“ Noch mehr „Low Budget“ geht nicht

Der Frankfurter Schauspieler Isaak Dentler sieht jetzt endlich seinen Film: Am Sonntag läuft „Die Liebe und Viktor“ im Orfeos Erben.

© Klein Bukarest Film Isaak Dentler, im Hauptberuf am Schauspiel Frankfurt engagiert, als Otto in „Die Liebe und Viktor“

Dass ein Hauptdarsteller den eigenen Film auch fünf Jahre nach der Premiere nicht gesehen hat, ist eine kuriose Sache. In der Reihe der Kuriositäten, aus denen sich Patrick Banushs Film „Die Liebe und Viktor“ zusammensetzt, fällt dieser Umstand aber auch nicht weiter auf. Viktor (Hendrik von Bültzingslöwen), ein ziemlich labiler und eher verstrahlter Mittzwanziger, haust bei seiner Mutter am Prenzlauer Berg in Berlin und glaubt wissenschaftlich beweisen zu können, dass es die Liebe nicht gibt. Sein Bemühen um Ausrottung einer globalen Illusion hängt nicht unwesentlich damit zusammen, dass er sieben Jahre zuvor von Klara (Stephanie Stremler) verlassen wurde. Die hat inzwischen eine Art Karriere gemacht: tritt sie doch in einem Baumarkt-Demo-Video für Kanalpumpen auf. Immerhin, ihr Film läuft mit 300 Kopien in Deutschland.

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Das kann Patrick Banush von seinem Erstling nicht behaupten. Aber ansonsten ist „Die Liebe und Viktor“, gedreht ohne jegliche Fördergelder mit einem Budget von 10000 Euro, wider alle Wahrscheinlichkeiten ein ziemlich erfolgreicher Film geworden. Seit fünf Jahren, nach einer großen Premiere im Berliner Babylon-Kino, tourt die hübsche, lakonische Independent-Komödie durch Off- und Programmkinos, demnächst zeigt ihn das Goethe-Institut in Kanada. Nur einer hat ihn noch nicht gesehen: Isaak Dentler, seit 2009 Ensemblemitglied am Schauspiel Frankfurt.

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Film an zehn Tagen gedreht

Dentler spielt die zweite Hauptrolle, Viktors Freund Otto, der erst versucht, Viktor von seinem Vorhaben abzubringen, um schließlich selbst zum Liebes-Zweifler zu werden. Wie er haben auch die Kollegen, unter ihnen Rolf Zacher als Don Quichotte und Samuel Finzi als verrückter Psychiater im Grunde umsonst gespielt und auch noch allerhand Handlangerdienste am Set übernommen. Banushs erster Spielfilm, der in nur zehn Tagen im Sommer 2008 gedreht wurde, ist so Very-Low-Budget, dass es einerseits erstaunlich ist, dass es ihn überhaupt gibt. Andererseits zeigt er, dass man mit viel Enthusiasmus doch recht weit kommen kann. „Dann muss es zwischenmenschlich gutgehen“, sagt Isaak Dentler.

Das tat es offenbar, denn er und Banush sind Freunde geworden über dem Projekt. Und das ist letztlich auch der Grund, warum Dentler den Film noch nie gesehen hat. Eine DVD hat er nie bekommen: „Patrick hat immer gesagt: ,Den schauen wir mal zusammen an‘“, so Dentler, nie hat es geklappt. Beide hatten zu viele Projekte, Dentler ist, vor allem zu Beginn seines Frankfurter Engagements, als „Vorstellungskönig“ in vielen Produktionen des Spielplans aufgetreten; außerdem hat der Familienalltag in der neuen Stadt Zeit in Anspruch genommen. Derzeit ist Dentler in den Proben zu „Draußen vor der Tür“, das am 14.September zum Saisonauftakt in den Kammerspielen Premiere hat.

Ein ungewöhnliches Casting

Zuvor aber ist es so weit: Dentler kann mit dem Regisseur und vor Publikum endlich die verpasste Premiere nachholen. Damit es ordentlich voll wird in der - vorerst - einzigen Frankfurter Vorstellung, will Banush, aus Berlin angereist, schon heute seine Erfahrungen in der Selbstvermarktung als „lebender Trailer“ testen und notfalls Zuschauer persönlich ins Kino locken. Mit einer nächtlichen Tour durch die Kneipen hat er auch Dentler, damals Ensemblemitglied in Gießen, „gecastet“: Der hatte zuvor den Kinofilm „Weißt was geil wär“ gedreht und in einigen Hochschulfilmen mitgewirkt. „Dass jemand mit einem fertiggeschriebenen Drehbuch am Bühnenausgang wartet, ist mir bis dato noch nicht passiert“, sagt Dentler.

In Berlin hat Banush mittlerweile ein „Campingplatzkino“ gegründet, das vor allem in Berlin Filme zeigt, die ebenso wie „Die Liebe und Viktor“ fast ohne Förderung und mit einfachsten Mitteln gedreht wurden. Obwohl, mutmaßt Dentler, auch Patrick Banush wohl nicht nein sagen würde, böte ihm jemand Geld für ein neues Projekt. Denn zwei weitere Filme um Viktor und Otto hat Banush längst fertig geschrieben.

„Die Liebe und Viktor“ läuft am Sonntag um 17 Uhr im Frankfurter Kino Orfeos Erben.

Quelle: F.A.Z.

 
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