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Veröffentlicht: 01.10.2014, 10:04 Uhr

ARD-Film „Die Auserwählten“ Odenwaldschule wieder ausgeladen

Heute zeigt die ARD den Spielfilm „Die Auserwählten“, in dem der sexuelle Missbrauch an der Odenwaldschule thematisiert wird. An der anschließenden Diskussion nimmt kein Schulvertreter teil.

von , Heppenheim
© ddp Aus den siebziger Jahren: das Goethehaus der Odenwaldschule in Ober-Hambach bei Heppenheim.

Die Odenwaldschule kann heute nicht Stellung nehmen, wenn in der ARD der Film „Die Auserwählten“ gezeigt wird und anschließend in der Talkshow „Anne Will“ über das Thema Kindsmissbrauch diskutiert wird. Der „Runde Tisch Odenwaldschule“ bedauert, dass ein Vertreter der Schule aus „tagesaktuellen Gründen“ wieder ausgeladen worden sei. Damit könne die Schule weder auf ihr Präventionskonzept hinweisen, noch könne ein Eltern- oder Schülervertreter über das Leben an der heutigen Odenwaldschule berichten. Denn die Schule sei nicht mehr dieselbe wie in den siebziger und achtziger Jahren.

Werner Breunig Folgen:

Die „einfache und selbstverständlich klingende Feststellung“ müsse getroffen werden aus Verantwortung für die Schüler, die die Odenwaldschule heute besuchten und morgen besuchen wollten. Denn es müsse befürchtet werden, dass mit dem Film „Die Auserwählten“ und möglicherweise auch durch die Diskussion an dem ARD-Themenabend die heutige Schule in ein falsches Licht gerückt werde.

Schule will Missbrauch aufarbeiten

Der „Runde Tisch Odenwaldschule“ findet es allerdings überaus wichtig, den sexuellen Missbrauch von Kindern zu thematisieren. Ein Fernsehfilm, der eine Geschichte erzähle, die sich an einer wahren Begebenheit orientiere, sei ein geeignetes Medium, darauf hinzuweisen, dass alle aufgefordert seien, nicht wegzusehen, sondern sich gegen das Verbrechen zu wenden. Allerdings müssten auch die Wirkungen eines solchen Films auf die heute noch lebenden Betroffenen bedacht werden. Sie hätten als Opfer nicht nur Anspruch auf Gehör, sondern auch auf Anerkennung des ihnen angetanen Leids durch Aufklärung und Aufarbeitung der Missbrauchsfälle. Dieser Aufgabe und Verantwortung werde sich die Odenwaldschule weiterhin stellen, teilt der „Runde Tisch“ mit.

Die Schule habe den Mut gehabt, die Entstehung des Filmes zu unterstützen. Auch dies sei ein Beleg dafür, dass sie versuche, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten. Zwei unabhängige Juristinnen hatten im Dezember 2010 im Auftrag der Odenwaldschule einen Bericht vorgelegt und darin 132 Opfer von sexuellem Missbrauch in dem privaten Internat in den siebziger und achtziger Jahren erwähnt.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten

Am vergangenen Donnerstag wurde der Film „Die Auswählten“ von Christoph Röhl auch an der Odenwaldschule gezeigt. Die Diskussionsbeiträge der Schüler zeigten nach Angabe der Schule, dass der Film aufrüttele, aber auch kontrovers beurteilt werde.

Der „Runde Tisch Odenwaldschule“ setzt sich für den dauerhaften Erhalt der Schule ein. Ihm gehören Vertreter der früheren Schüler und des Fördervereins an, der Eltern, der Opferorganisation „Glasbrechen“, des Trägervereins und künftig auch der Mitarbeiter der Schule. Begleitet wird der „Runde Tisch“ von der Aufsichtsbehörde durch den Kreisbeigeordneten Matthias Schimpf (Die Grünen).

Die Aufsichtsbehörden im Landratsamt und im hessischen Sozial- sowie Kultusministerium hatten der Schule kürzlich eine Betriebserlaubnis für dieses Schuljahr erteilt. Wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten soll über eine unbefristete Erlaubnis erst nach dem Jahreswechsel gesprochen werden. Auch wird der Schule nahegelegt, ihre Organisationsform zu ändern.

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