http://www.faz.net/-gzg-7uk4n

ARD-Film „Die Auserwählten“ : Odenwaldschule wieder ausgeladen

Aus den siebziger Jahren: das Goethehaus der Odenwaldschule in Ober-Hambach bei Heppenheim. Bild: ddp

Heute zeigt die ARD den Spielfilm „Die Auserwählten“, in dem der sexuelle Missbrauch an der Odenwaldschule thematisiert wird. An der anschließenden Diskussion nimmt kein Schulvertreter teil.

          Die Odenwaldschule kann heute nicht Stellung nehmen, wenn in der ARD der Film „Die Auserwählten“ gezeigt wird und anschließend in der Talkshow „Anne Will“ über das Thema Kindsmissbrauch diskutiert wird. Der „Runde Tisch Odenwaldschule“ bedauert, dass ein Vertreter der Schule aus „tagesaktuellen Gründen“ wieder ausgeladen worden sei. Damit könne die Schule weder auf ihr Präventionskonzept hinweisen, noch könne ein Eltern- oder Schülervertreter über das Leben an der heutigen Odenwaldschule berichten. Denn die Schule sei nicht mehr dieselbe wie in den siebziger und achtziger Jahren.

          Werner Breunig

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Landkreis Darmstadt-Dieburg.

          Die „einfache und selbstverständlich klingende Feststellung“ müsse getroffen werden aus Verantwortung für die Schüler, die die Odenwaldschule heute besuchten und morgen besuchen wollten. Denn es müsse befürchtet werden, dass mit dem Film „Die Auserwählten“ und möglicherweise auch durch die Diskussion an dem ARD-Themenabend die heutige Schule in ein falsches Licht gerückt werde.

          Schule will Missbrauch aufarbeiten

          Der „Runde Tisch Odenwaldschule“ findet es allerdings überaus wichtig, den sexuellen Missbrauch von Kindern zu thematisieren. Ein Fernsehfilm, der eine Geschichte erzähle, die sich an einer wahren Begebenheit orientiere, sei ein geeignetes Medium, darauf hinzuweisen, dass alle aufgefordert seien, nicht wegzusehen, sondern sich gegen das Verbrechen zu wenden. Allerdings müssten auch die Wirkungen eines solchen Films auf die heute noch lebenden Betroffenen bedacht werden. Sie hätten als Opfer nicht nur Anspruch auf Gehör, sondern auch auf Anerkennung des ihnen angetanen Leids durch Aufklärung und Aufarbeitung der Missbrauchsfälle. Dieser Aufgabe und Verantwortung werde sich die Odenwaldschule weiterhin stellen, teilt der „Runde Tisch“ mit.

          Die Schule habe den Mut gehabt, die Entstehung des Filmes zu unterstützen. Auch dies sei ein Beleg dafür, dass sie versuche, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten. Zwei unabhängige Juristinnen hatten im Dezember 2010 im Auftrag der Odenwaldschule einen Bericht vorgelegt und darin 132 Opfer von sexuellem Missbrauch in dem privaten Internat in den siebziger und achtziger Jahren erwähnt.

          Wirtschaftliche Schwierigkeiten

          Am vergangenen Donnerstag wurde der Film „Die Auswählten“ von Christoph Röhl auch an der Odenwaldschule gezeigt. Die Diskussionsbeiträge der Schüler zeigten nach Angabe der Schule, dass der Film aufrüttele, aber auch kontrovers beurteilt werde.

          Der „Runde Tisch Odenwaldschule“ setzt sich für den dauerhaften Erhalt der Schule ein. Ihm gehören Vertreter der früheren Schüler und des Fördervereins an, der Eltern, der Opferorganisation „Glasbrechen“, des Trägervereins und künftig auch der Mitarbeiter der Schule. Begleitet wird der „Runde Tisch“ von der Aufsichtsbehörde durch den Kreisbeigeordneten Matthias Schimpf (Die Grünen).

          Die Aufsichtsbehörden im Landratsamt und im hessischen Sozial- sowie Kultusministerium hatten der Schule kürzlich eine Betriebserlaubnis für dieses Schuljahr erteilt. Wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten soll über eine unbefristete Erlaubnis erst nach dem Jahreswechsel gesprochen werden. Auch wird der Schule nahegelegt, ihre Organisationsform zu ändern.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Katalonien-Krise geht in eine neue Runde Video-Seite öffnen

          Ultimatum verstrichen : Katalonien-Krise geht in eine neue Runde

          Der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont hat das Ultimatum der spanischen Zentralregierung bezüglich einer möglichen Unabhängigkeitserklärung verstreichen lassen. Am Samstag will der spanische Regierungschef Mariano Rajoy im Streit mit Katalonien die Entmachtung der Regionalregierung in Barcelona einleiten.

          Topmeldungen

          Telekom-Aktien verkaufen, um den Breitbandausbau zu finanzieren? Das fordern zumindest FDP und Grüne.

          Jamaika sucht Geldquellen : Verkauft der Bund die Telekom-Aktien?

          Um neue Ausgaben und Steuersenkungen zu finanzieren, suchen Politiker einer künftigen Jamaika-Koalition nach Geldquellen. Alleine mit Telekom- und Post-Anteilen ließen sich Milliarden generieren.

          Brexit-Verhandlungen : Ohne Qualen geht es nicht

          Theresa May flehte diese Woche in Berlin, Paris und Brüssel um Hilfe bei den Brexit-Verhandlungen. Die Europäer blieben hart. Aber sie gaben sich Mühe, nett zu sein.
          Für mehr Recht und Ordnung im eigenen Land: Macron will härter gegen kriminelle Ausländer vorgehen.

          Macrons Abschiebekurs : Mit harter Hand

          Der brutale Mord an zwei jungen Frauen durch einen illegalen Einwanderer erschüttert Frankreich. Nun plant Präsident Macron konsequenter bei der Abschiebung krimineller Ausländer durchzugreifen. Doch die Umsetzung gestaltet sich schwerer als gedacht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.