Home
http://www.faz.net/-gzg-72f8f
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Ferrero und der Sexismus Kampf ums rosa Ei

Mit rosa Überraschungseiern, die etwa Feenpüppchen in Miniröcken bergen, wollte der Süßwarenhersteller Ferrero bei Mädchen punkten. Doch erlebt er sein blaues Wunder. Es hagelt Proteste.

© Unternehmen Vergrößern Das rosa Ei, an dem sich viele stoßen

Mit rosa Überraschungseiern erlebt der Süßwarenhersteller Ferrero derzeit sein blaues Wunder. Denn was als nette Werbeidee gedacht war - Überraschungseier „nur für Mädchen“ -, führt seit der Markteinführung Anfang August zum medialen Proteststurm auf die Deutschlandzentrale des italienischen Konzerns in Frankfurt. Dem „Ei kotz gleich!“ der Frauenzeitschrift „Emma“ folgt nun die Grüne Jugend Hessen, ähnlich empört. Lisa Süß, deren frauenpolitische Sprecherin, schäumt geradezu in einer Mitteilung: „Die Ferrero-Werbung ist schlimm genug, weil sie sich direkt an Kinder richtet und ihnen mit der Werbung vorgibt, dass Mädchen eben niedliche, rosaverliebte Püppchen sein sollen - während Jungs das gleichzeitig nicht sein dürfen.“

Tim  Kanning Folgen:  

Ferrero hat den Sturm wohl geahnt und sich schon zur Markteinführung ein bisschen entschuldigt. In einer Mitteilung wurde umständlich erklärt, dass „Erkenntnisse der Marktforschung“ gezeigt hätten, dass „sich Mädchen heutzutage nicht mehr in nur eine Schublade stecken lassen. Pink und Ponyhof ist ihnen genauso wichtig wie Fußball und Frauenpower.“ Warum diese Erkenntnisse allerdings mit rosa Blümchen verzierte Mädchen-Eier zur Folge hatten, wird nicht ganz klar.

„In welchem Jahrhundert leben wir?!?!?!“

Natürlich gibt es auch bei den rosafarbenen Überraschungseiern eine Sonderserie. „In jedem siebten Ei“ finden sich zu allem Überfluss nun auch noch kleine Feenpüppchen, die - die Apokalypse nimmt ihren Lauf - in Miniröckchen mit Wespentaille und unverschämt langen Beinen daherkommen. Immerhin einen Quoten-Mann haben die Vermarkter den Feen mit in die Serie gepackt.

Mehr zum Thema

Auf der Facebook-Seite von Ferrero ist die Diskussion auch schon munter im Gang, auch wenn nicht alle Verfasser von Einträgen so wie die Grünen argumentieren. „Julia Kleene“ empört sich zwar gehörig: „In welchem Jahrhundert leben wir?!?!?!“ Dafür fragen zwei andere Nutzer und klingen, als meinten sie es ernst, wann denn endlich Ü-Eier für Jungs, „mit blau“, kommen.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Boko Haram Schülerinnen sollen nächste Woche freikommen

Boko Haram will offenbar die 200 entführten Mädchen Anfang der kommenden Woche freilassen. Die nigerianische Regierung teilte mit, sie tue alles, um die Vereinbarung mit Boko Haram zu erfüllen. Mehr

18.10.2014, 11:18 Uhr | Politik
Türkei bestellt deutschen Botschafter ein

Die Empörung über BND-Tätigkeiten in der Türkei ist groß. Das türkische Außenministerium hat den deutschen Botschafter zu den Spionagevorwürfen einbestellt. Mehr

19.08.2014, 10:03 Uhr | Politik
Mädchenschulen Besser lernen ohne Jungs

Sie gelten als altmodisch und exotisch. Zu Unrecht, klagen Schülerinnen, die sie besuchen. Ein anderes Klischee über Mädchenschulen stimmt allerdings - es hat mit Naturwissenschaften zu tun. Mehr Von Birgitta vom Lehn

22.10.2014, 05:00 Uhr | Beruf-Chance
Deutschland-Fans fliegen nach Brasilien

Unterstützung für Jogi Löw und seine Jungs: Wenige Tage vor dem ersten Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft reisen Fans aus Deutschland an - per Charter-Flug und mit vorsichtigem Optimismus. Mehr

14.06.2014, 21:24 Uhr | Sport
Großstadtblues Schlafen können wir in der U-Bahn

Tokio ist riesig, aber gut organisiert. Mit der Ginza-Linie kommt man durch die halbe Stadt von Shibuya nach Asakusa - Stadtteile, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Mehr Von Andrea Diener

31.10.2014, 16:51 Uhr | Reise
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 27.08.2012, 23:23 Uhr

In Grund und Boden

Von Tobias Rösmann

Kommunalpolitiker versuchen durch drastische Erhöhungen der Grundsteuer ihre Haushalte zu sanieren. Mit solider, berechenbarer Finanzpolitik hat das nichts zu tun. Mehr