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Eine Woche ohne Essen : Fasten, ein Neustart im Frühjahr

Hauptsache gesund: Für viele Menschen beginnt im Frühling die Zeit der bewussten Ernährung. Bild: Picture-Alliance

Die Fastenzeit nehmen viele Menschen zum Anlass, dem Winterspeck an den Kragen zu gehen. Manche belassen es nicht bei einer Diät, sondern verzichten für eine Weile ganz auf das Essen.

          Mit Beginn des Frühlings, wenn in der Natur alles anfängt zu wachsen, verspüren viele Menschen eine Aufbruchstimmung und den Wunsch nach Veränderung. Gläubige Christen verzichten in den Wochen vor Ostern auf Fleisch, Alkohol und andere Genussmittel. Aber auch Menschen, die mit Religion nicht viel anfangen können, beginnen eine Diät, um den Winterspeck loszuwerden – oder machen wieder regelmäßig Sport, um sich fit zu fühlen. Allen gemeinsam ist, dass sie sich von Gewohnheiten lösen wollen.

          Ingrid Karb

          Blattmacherin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Einen „Reset“ nennt das Manuela Flamm-ter Meer. Die 62 Jahre alte Naturwissenschaftlerin, die in Frankfurt lebt, arbeitet freiberuflich als Gesundheitstrainerin. Sie gibt Ernährungskurse und begleitet Menschen beim Fasten. Wer für eine begrenzte Zeit vollständig aufs Essen verzichten will, findet bei ihr Rat und Hilfe. Flamm-ter Meer ist ausgebildete Fastenleiterin für die sogenannte Buchinger-Methode, die am häufigsten in Seminaren und Kliniken angeboten wird. Dabei verzichten die Fastenden eine Woche lang auf feste Nahrung, trinken nur wenig Gemüsebrühe, Obst- und Gemüsesäfte sowie viel Tee und Wasser.

          Fasten gegen viele Krankheiten

          Im Frühjahr ist die Nachfrage besonders groß, wie Flamm-ter Meer sagt. Den Ratsuchenden geht es aber nicht um das Erreichen einer Bikinifigur. „Beim Fasten steht das Abnehmen nicht im Mittelpunkt.“ Sie wollten Abstand gewinnen, um über ihr Leben nachzudenken, suchten neue Impulse. „Wenn Essen und Verdauen sie nicht beschäftigen, haben sie Zeit für anderes.“

          Viele wollen damit auch ihrem Körper etwas Gutes tun, sich entgiften oder „entschlacken“. „Der Begriff ist völliger Humbug“, sagt Jürgen Stein, Gastroenterologe am Krankenhaus Sachsenhausen in Frankfurt. Im Körper gebe es keine Schlacken, die träten nur in der Metallverarbeitung auf. Giftige Substanzen würden nicht durch das Fasten ausgeschieden, das erledigten Leber und Niere andauernd. Stein lehnt Fasten gleichwohl nicht ab. In modifizierter Form, also wenn zusätzlich Eiweiß und wenige Kohlenhydrate aufgenommen würden, sei es ein guter Start, um die Ernährung komplett umzustellen. Das könne Übergewichtigen, Diabetikern, Rheumapatienten und Menschen mit Reizdarm helfen. Auch bei ungewollter Kinderlosigkeit werde es angewandt.

          Wenn der Körper an seine Reserven geht, wirkt sich das auf Stoffwechsel und Hormonhaushalt aus. Eine Folge ist, dass der Blutdruck sinkt. Die „Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung“ empfiehlt den freiwilligen Verzicht auf feste Nahrung bei einer Vielzahl von Krankheiten, vom Bluthochdruck über das metabolische Syndrom bis zu chronisch-entzündlichen Erkrankungen und psychosomatischen Störungen.

          Schwierige erste Fasten-Tage

          Dass beim Fasten Eiweißstoffe abgebaut und Fette verbrannt werden, könne aber auch negative Folgen für den Körper haben, warnen Stein und Ralf Jung, Internist und Diabetologe am Krankenhaus Sachsenhausen. Diabetikern des Typs I wird sogar vom Fasten abgeraten. Bei ihnen könne der Fettabbau dazu führen, dass der Stoffwechsel entgleise und der Körper übersäuert werde, was für sie lebensgefährlich sei, sagt Jung. Der Eiweißabbau wiederum könne die Muskeln schwinden lassen.

          Um das zu verhindern, sollten Fastende sich ausreichend körperlich bewegen. Katharina Lange aus Linsengericht bietet deshalb „Fastenwandern“ an. Die 45 Jahre alte Bankbetriebswirtin, die sich zur Fastenleiterin nach der Buchinger-Methode weitergebildet hat, organisiert unter dem Namen „Fastenzauber“ Gruppenseminare in Hotels und Einrichtungen in ganz Deutschland. Beim Fastenwandern soll die Bewegung an der Luft in der Natur nicht nur den Kreislauf ankurbeln und das körperliche Wohlbefinden steigern, sondern auch den Kopf frei machen, wie Lange sagt.

          „Wer zum ersten Mal fastet, sollte das in einer Gruppe und nicht berufsbegleitend machen“, sagt Flamm-ter Meer. Die Gruppe gebe den Teilnehmern Halt, sagt die Gesundheitstrainerin, die jedes Jahr im Frühjahr ein Seminar für Berufstätige in Frankfurt anbietet. In den ersten Tagen bereitet die Umstellung den Teilnehmern Schwierigkeiten. Nach Langes Worten sind sie dann gereizt und kribbelig, Kopfschmerzen können auftreten.

          Teilnehmen dürfen nur Gesunde

          In den Seminaren geben die Fastenleiterinnen praktische Tipps zum Beispiel zur Darmreinigung, die nach ihrer Erfahrung Begleiterscheinungen wie Hunger, Kreislaufschwäche und Kopfschmerzen mindert. Auch Themen wie gesunde Ernährung, Achtsamkeit und Entspannung werden besprochen. Nach zwei bis drei Tagen werden bei den Fastenden Glückshormone ausgeschüttet. Die Teilnehmer seien dann erstaunt über ihre eigenen Kräfte, berichtet Lange. Das stärke ihr Selbstvertrauen.

          Gefastet wird in der Regel nur sieben Tage, hinzu kommen zur Umstellung drei Entlastungstage davor und Aufbautage danach. Teilnehmen dürfen bei beiden Fastenleiterinnen nur Gesunde, aber weder Untergewichtige noch Schwangere. Wer eine chronische Erkrankung habe, auf Medikamente angewiesen sei oder psychische Schwierigkeiten habe, werde an eine Fastenklinik verwiesen, an der Ärzte die Behandlung überwachten. Katharina Lange sagt, bisher habe noch keiner ihrer Teilnehmer die Fastenkur abbrechen oder einen Arzt aufsuchen müssen.

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