http://www.faz.net/-gzg-76205
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 25.01.2013, 17:17 Uhr

Faserfirma aus Braunfels-Tiefenbach Gericht kippt vorläufiges Verbot für Woolrec-Produktion

Paukenschlag im Streit um die umstrittene Faserfirma Woolrec: Ein Gericht hat die Auflage gekippt, dass Woolrec vorläufig nicht produzieren darf. Die endgültige Entscheidung steht aber noch aus.

© dpa Die endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen: Woolrec will die Produktion bald wieder aufnehmen.

Die umstrittene Faserfirma Woolrec hat im Streit um ein vorläufiges Betriebsverbot einen Etappensieg errungen. Das Verwaltungsgericht Gießen gab einem Eilantrag des Unternehmens aus Braunfels-Tiefenbach gegen das Verbot des Regierungspräsidiums (RP) Gießen statt. Die Voraussetzungen dafür lägen nicht mehr vor, zudem sei ein vorläufiger Produktionsstopp nach inzwischen fast vier Monaten unverhältnismäßig, teilte das Gericht am Freitag mit. Woolrec hatte Abfälle gefährlicher künstlicher Mineralfasern verarbeitet.

Rein theoretisch könne die Firma nun wieder produzieren. Ob dies aber so wie vorher möglich sei, müsse man angesichts weiterer Klagen prüfen, sagte eine Sprecherin. Sie wies auch darauf hin, dass eine Entscheidung in der Hauptsache noch aussteht. Im Gegensatz zum RP zeigte sich ein Unternehmenssprecher zuversichtlich, dass die Produktion bald wieder aufgenommen wird.

„Entsetzt und verzweifelt“

Die Interessengemeinschaft Tiefenbach äußerte sich in einer Mitteilung „entsetzt und verzweifelt“ und forderte das RP auf, gegen die Entscheidung vorzugehen. Eine Beschwerde beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel hat aber keine aufschiebende Wirkung.

Seit Monaten gibt es in dem Ort Diskussionen wegen möglicher Schadstoffbelastungen durch das Unternehmen. Auf Anordnung des RP wurde der Betrieb schließlich im September geschlossen.

Bei dem Streit ging es auch um die unterschiedliche Bewertung von Boden- und Pflanzenproben aus der Umgebung der Firma. Das hessische Landeslabor hatte keine überhöhten Schadstoffwerte gesehen, ein von Bürgern beauftragter Gutachter dagegen eine „gefährlich hohe Dioxinbelastung“. Daraufhin wurde das Bundesinstitut für Risikobewertung eingeschaltet, das im Umfeld der Faserfirma aber Gesundheitsgefahren durch Schadstoffe in Obst und Gemüse für unwahrscheinlich hielt.

Suche nach neuer Produktionsstätte

Das RP teilte mit, wegen diverser Verfahren gegen die Firma sei nicht damit zu rechnen, dass diese „morgen die Produktion wieder aufnehmen kann. Woolrec bleibt vielmehr weiterhin geschlossen“. So habe das RP bauliche Veränderungen angeordnet, ohne die der Betrieb nicht beginnen könne.

Der Woolrec-Sprecher sagte dagegen: „Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass wir die Produktion bald wieder aufnehmen können.“ Dies gehe aber nicht von heute auf morgen, da Betriebsstoffe fehlten. Er betonte, die Firma werde an einen anderen Ort verlagert, sobald eine andere Produktionsstätte gefunden sei. Die IG-Tiefenbach beklagte, in dem Verfahren seien Gegengutachten nicht berücksichtigt worden.

Mehr zum Thema

Quelle: LHE

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Muslimische Strandmode Französisches Gericht hebt Burkini-Verbot auf

Der französische Staatsrat, das oberste Verwaltungsgericht des Landes, hat das Burkini-Verbot für illegal erklärt. Etwa 30 französische Kommunen hatten Ganzkörper-Badeanzüge für Musliminnen an ihren Stränden untersagt. Mehr Von Christian Schubert, Paris

26.08.2016, 15:15 Uhr | Politik
Wolfsburg VW einigt sich mit Lieferanten

Der Streit zwischen Volkswagen und zwei Lieferanten der Prevent-Gruppe ist nach einem Verhandlungsmarathon beigelegt. VW hat mitgeteilt, dass die betroffenen Standorte nun schrittweise die Wiederaufnahme der Produktion vorbereiten würden. Über weitere Inhalte der Einigung sei Stillschweigen vereinbart worden. Mehr

24.08.2016, 19:43 Uhr | Wirtschaft
Verschleierungs-Debatte Bouffier will keine übereilte Entscheidung über Burka-Verbot

Die Debatte über Vollverschleierung läuft nach Ansicht des hessischen Regierungschefs Bouffier teils zu hitzig. Er sagt im Sommerinterview des Hessischen Rundfunks, was er vorhat. Mehr

27.08.2016, 14:51 Uhr | Politik
Willkommenskultur In Portugal kommen zu wenige Flüchtlinge an

Anders als viele osteuropäische Staaten zeigt Portugal Solidarität in der Flüchtlingsfrage. Das Land will 10.500 Kriegsflüchtlinge aufnehmen und auch viele Portugiesen sind dafür aufgeschlossen. Bisher sind aber kaum Menschen gekommen. Mehr

25.08.2016, 18:11 Uhr | Politik
Badebekleidung Frankreichs Innenminister lehnt Burkini-Verbot ab

Frankreich streitet weiter über die Kleiderordnung am Strand. Innenminister Bernard Cazeneuve hat sich gegen ein gesetzliches Burkini-Verbot ausgesprochen. Er befürchtet eine Spaltung der Gesellschaft. Mehr

29.08.2016, 03:50 Uhr | Politik

Der Witz in Tüten

Von Matthias Trautsch

Was wäre der moderne Mensch ohne die Statistik. Nun gibt es auch ein Ranking über die Schultüte. Für die Hessen enthält sie eine gute, aber auch eine schlechte Nachricht. Oh Schreck! Mehr 1

Abonnieren Sie unsere Rhein-Main Newsletter

  • Newsletter auswählen

    Newsletter auswählen