Home
http://www.faz.net/-gzg-76205
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Faserfirma aus Braunfels-Tiefenbach Gericht kippt vorläufiges Verbot für Woolrec-Produktion

Paukenschlag im Streit um die umstrittene Faserfirma Woolrec: Ein Gericht hat die Auflage gekippt, dass Woolrec vorläufig nicht produzieren darf. Die endgültige Entscheidung steht aber noch aus.

© dpa Vergrößern Die endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen: Woolrec will die Produktion bald wieder aufnehmen.

Die umstrittene Faserfirma Woolrec hat im Streit um ein vorläufiges Betriebsverbot einen Etappensieg errungen. Das Verwaltungsgericht Gießen gab einem Eilantrag des Unternehmens aus Braunfels-Tiefenbach gegen das Verbot des Regierungspräsidiums (RP) Gießen statt. Die Voraussetzungen dafür lägen nicht mehr vor, zudem sei ein vorläufiger Produktionsstopp nach inzwischen fast vier Monaten unverhältnismäßig, teilte das Gericht am Freitag mit. Woolrec hatte Abfälle gefährlicher künstlicher Mineralfasern verarbeitet.

Rein theoretisch könne die Firma nun wieder produzieren. Ob dies aber so wie vorher möglich sei, müsse man angesichts weiterer Klagen prüfen, sagte eine Sprecherin. Sie wies auch darauf hin, dass eine Entscheidung in der Hauptsache noch aussteht. Im Gegensatz zum RP zeigte sich ein Unternehmenssprecher zuversichtlich, dass die Produktion bald wieder aufgenommen wird.

„Entsetzt und verzweifelt“

Die Interessengemeinschaft Tiefenbach äußerte sich in einer Mitteilung „entsetzt und verzweifelt“ und forderte das RP auf, gegen die Entscheidung vorzugehen. Eine Beschwerde beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel hat aber keine aufschiebende Wirkung.

Seit Monaten gibt es in dem Ort Diskussionen wegen möglicher Schadstoffbelastungen durch das Unternehmen. Auf Anordnung des RP wurde der Betrieb schließlich im September geschlossen.

Bei dem Streit ging es auch um die unterschiedliche Bewertung von Boden- und Pflanzenproben aus der Umgebung der Firma. Das hessische Landeslabor hatte keine überhöhten Schadstoffwerte gesehen, ein von Bürgern beauftragter Gutachter dagegen eine „gefährlich hohe Dioxinbelastung“. Daraufhin wurde das Bundesinstitut für Risikobewertung eingeschaltet, das im Umfeld der Faserfirma aber Gesundheitsgefahren durch Schadstoffe in Obst und Gemüse für unwahrscheinlich hielt.

Suche nach neuer Produktionsstätte

Das RP teilte mit, wegen diverser Verfahren gegen die Firma sei nicht damit zu rechnen, dass diese „morgen die Produktion wieder aufnehmen kann. Woolrec bleibt vielmehr weiterhin geschlossen“. So habe das RP bauliche Veränderungen angeordnet, ohne die der Betrieb nicht beginnen könne.

Der Woolrec-Sprecher sagte dagegen: „Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass wir die Produktion bald wieder aufnehmen können.“ Dies gehe aber nicht von heute auf morgen, da Betriebsstoffe fehlten. Er betonte, die Firma werde an einen anderen Ort verlagert, sobald eine andere Produktionsstätte gefunden sei. Die IG-Tiefenbach beklagte, in dem Verfahren seien Gegengutachten nicht berücksichtigt worden.

Mehr zum Thema

Quelle: LHE

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kinderporno-Prozess Verfahren gegen Edathy wird vertagt

Endet der Kinderporno-Prozess gegen den früheren SPD-Abgeordneten Sebastian Edathy schon, bevor er richtig begonnen hat? Die Verteidigung forderte dies, das Gericht wies den Antrag zunächst zurück. Doch über einen solchen Schritt gegen eine Geldauflage wurde schon gesprochen. Mehr Von Reinhard Bingener, Verden, und Eckart Lohse, Berlin

23.02.2015, 10:14 Uhr | Politik
Frankfurt Gericht hebt Verbot von Taxidienst Uber vorerst auf

Das Gericht hält es zwar weiterhin für rechtswidrig, dass die Firma Uber Beförderungswünsche an Privatfahrer vermittelt, allerdings fehlt es an dem notwendigen Eilbedürfnis, da die Antragstellerin Taxi Deutschland schon frühzeitig von eventuellen Rechtsverstößen Kenntnis hatte, aber nichts unternahm. Mehr

08.12.2014, 15:32 Uhr | Wirtschaft
Landwirtschaft Agrarminister will den Schredder abschaffen

21 Millionen männliche Küken werden Jahr für Jahr nach dem Schlüpfen geschreddert oder vergast. Sie können keine Eier legen – und sind damit für Geflügelzüchter nutzlos. Die Regierung will dem nun ein Ende setzen. Mehr

22.02.2015, 14:48 Uhr | Wirtschaft
Entscheidung gefallen Bundesverfassungsgericht kippt Erbschaftsteuer-Regelung

Das Gericht hält die bisherigen Vorschriften für unvereinbar mit dem Grundgesetz. Mehr

19.02.2015, 10:17 Uhr | Politik
Mittelstandsanleihen-Ticker Eyemaxx will Dividende zahlen

Nach guten Zahlen will Eyemaxx nun Dividende zahlen. Der Versicherer Enterprise Holdings übernimmt die Schadensabwicklung selbst und will damit massiv Kosten sparen. Mehr

03.03.2015, 16:46 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 25.01.2013, 17:17 Uhr

Drum prüfe das T3 - aber nicht ewig

Von Jochen Remmert

Liegt Schilda in Hessen? Zumindest der Zwist um das geplante Terminal 3 am Frankfurter Flughafen legt diesen Schluss nahe. Zweck der Überprüfung der Fraport-Prüfgutachten war es vor allem, dem Minister einen geordneten Rückzug von der Position zu ermöglichen. Mehr 2 20