http://www.faz.net/-gzg-78cpi
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 12.04.2013, 16:30 Uhr

Fahrgäste in Bus und Bahn Sechs bis acht Prozent fahren schwarz

Wie viele Fahrgäste in Frankfurts Bussen und Bahnen ohne Ticket unterwegs sind, weiß niemand genau. Der Anteil der Leute ohne Fahrausweis dürfte Schätzungen zufolge bei sechs bis acht Prozent liegen.

von
© dpa Den Verkehrsbetrieben entgehen jährliche mehrere Millionen Euro durch Schwarzfahrer.

Wie viele Fahrgäste in Frankfurts Bussen und Bahnen ohne Ticket unterwegs sind, weiß niemand genau. Von denen, die kontrolliert werden, haben 3,3 bis 3,5 Prozent keinen Fahrschein. Es gibt aber offenbar eine Menge hartnäckiger Schwarzfahrer, die sich so geschickt anstellen, dass sie nie erwischt werden. Der tatsächliche Anteil der Leute ohne Fahrausweis dürfte Schätzungen zufolge bei sechs bis acht Prozent, also doppelt so hoch liegen.

Hans Riebsamen Folgen:

Einige der Schwarzfahrer sind kühle Rechner. Er fahre immer ohne Fahrkarte, hat vor kurzem ein Fahrgast berichtet. Das gehe vielleicht zwanzig Mal gut. Beim einundzwanzigsten Mal werde er kontrolliert und zahle anstandslos das „erhöhte Beförderungsentgelt“. Für ihn lohne sich das, sagte der Mann. Das könnte sich ändern. Denn Schwarzfahrer müssen vermutlich demnächst höhere Strafen zahlen. Nicht mehr wie bisher 40, sondern 60Euro. So haben es die Verkehrsminister jetzt auf ihrer Konferenz in Flensburg beschlossen. Nun muss nur noch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) den Beschluss in Gesetzesform bringen.

Zwölf Millionen Euro Verlust

Bei der städtischen Nahverkehrsgesellschaft Traffiq, die für die Kontrollen von Fahrscheinen in U-Bahnen, Trams und Bussen zuständig ist, findet der Beschluss Beifall. Die Abschreckung durch ein erhöhtes Beförderungsentgelt von 40Euro funktioniere nicht mehr so gut, glaubt man dort. Ansonsten gibt sich die Traffiq beim Thema Schwarzfahren schweigsam. Wie viele Kontrolleure sein Unternehmen ausschwärmen lässt, will der Sprecher nicht verraten. Und genaue Zahlen über das Schwarzfahren lägen ihm derzeit auch nicht vor, sagt er.

Die bisher letzten offiziellen Daten stammen aus dem Jahr 2008 und sind von der Verkehrsgesellschaft Frankfurt erhoben worden. Damals waren unter den 1,9 Million kontrollierten Fahrgästen etwa 56.000 Schwarzfahrer. Ihre Verluste schätzte die Verkehrsgesellschaft damals auf etwa zwölf Millionen Euro.

Höhere Buße für Wiederholungstäter gefordert

Zeitweise galt es vor allem unter jungen Leuten geradezu als Sport, ohne Ticket zu fahren und die Kontrolleure zu narren. Sie wurden in ihrem Tun sogar von dem Sender Planetradio unterstützt. Die Moderatoren gaben stündlich bekannt, wo in den U-Bahnen gerade kontrolliert werde. Sogar auf der Internetseite konnte man den „Kontroletti-Alarm“ nachlesen. Dieser Service für Schwarzfahrer wurde mittlerweile eingestellt.

Nicht alle Schwarzfahrer sind notorische Gesetzesbrecher. Viele haben einfach ihre Monatskarte zuhause vergessen oder sitzen aus Versehen in der ersten statt in der zweiten Klasse. Wirklichen Schaden richten nach Angaben der Verkehrsunternehmen vor allem die notorischen Ticket-Verweigerer an. Deshalb hat der Verband Deutscher Verkehrsunternehmer für Wiederholungstäter ein Bußgeld von 120 Euro gefordert. So weit wollte die Verkehrsministerkonferenz aber nicht gehen.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Großer Verdi-Warnstreik Streik In Hessen wird morgen gestreikt

Morgen wird in Hessen gestreikt. Nur wann und wo ist nicht klar. Es werden Arbeitsniederlegungen am Flughafen, bei Kitas und der Müllabfuhr erwartet. Mehr

26.04.2016, 07:11 Uhr | Rhein-Main
Berlin Dobrindt beklagt unbefriedigendes Betriebsergebnis bei der Bahn

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt forderte die Bahn auf, nach Möglichkeiten zu suchen, wie sie künftig Investitionen besser selbst stemmen könne. Ihm zufolge soll die Bahn bis Herbst ein entsprechendes Konzept vorlegen. Mehr

13.04.2016, 18:58 Uhr | Wirtschaft
Gewalt in Bahnhöfen Die Bahn registriert mehr Angriffe auf Mitarbeiter

1200 Bahnmitarbeiter sind im vergangenen Jahr von Reisenden angegriffen worden. Die Aggression steige, sagt der Sicherheitschef des Unternehmens. Mehr Von Thiemo Heeg

25.04.2016, 12:29 Uhr | Gesellschaft
Ohne Sprit Milliarden-Programm für E-Autos

Ab Mai soll es 4.000 Euro Prämie beim Kauf eines Elektro-Fahrzeugs geben. Darauf verständigten sich in der Nacht zum Mittwoch Bundesregierung und Autoindustrie. 600 Millionen Euro will der Bund dafür aufwenden. Die andere Hälfte schießen die Autobauer dazu. Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie, verteidigte das Paket. Mehr

28.04.2016, 18:33 Uhr | Politik
Öffentlicher Nahverkehr U6 und U7 lange unterbrochen

Aufgrund eines Stellwerkswechsels werden die beiden Linien ab Samstag für zwei Wochen gesperrt. Die VGF bietet einen Ersatzverkehr an. Mehr Von Hans Riebsamen, Frankfurt

03.05.2016, 08:01 Uhr | Rhein-Main

Stolz und Risikobereitschaft

Von Matthias Alexander

Nach der Kommunalwahl in Frankfurt liegt Schwarz-Grün in Trümmern. In den Koalitionsverhandlungen gibt die SPD den Ton an. Das ist keine gute Ausgangssituation für die drängenden Aufgaben einer wachsenden Stadt. Mehr 0

Abonnieren Sie unsere Rhein-Main Newsletter

  • Newsletter auswählen

    Newsletter auswählen