Home
http://www.faz.net/-gzg-78cpi
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Fahrgäste in Bus und Bahn Sechs bis acht Prozent fahren schwarz

Wie viele Fahrgäste in Frankfurts Bussen und Bahnen ohne Ticket unterwegs sind, weiß niemand genau. Der Anteil der Leute ohne Fahrausweis dürfte Schätzungen zufolge bei sechs bis acht Prozent liegen.

© dpa Vergrößern Den Verkehrsbetrieben entgehen jährliche mehrere Millionen Euro durch Schwarzfahrer.

Wie viele Fahrgäste in Frankfurts Bussen und Bahnen ohne Ticket unterwegs sind, weiß niemand genau. Von denen, die kontrolliert werden, haben 3,3 bis 3,5 Prozent keinen Fahrschein. Es gibt aber offenbar eine Menge hartnäckiger Schwarzfahrer, die sich so geschickt anstellen, dass sie nie erwischt werden. Der tatsächliche Anteil der Leute ohne Fahrausweis dürfte Schätzungen zufolge bei sechs bis acht Prozent, also doppelt so hoch liegen.

Hans Riebsamen Folgen:

Einige der Schwarzfahrer sind kühle Rechner. Er fahre immer ohne Fahrkarte, hat vor kurzem ein Fahrgast berichtet. Das gehe vielleicht zwanzig Mal gut. Beim einundzwanzigsten Mal werde er kontrolliert und zahle anstandslos das „erhöhte Beförderungsentgelt“. Für ihn lohne sich das, sagte der Mann. Das könnte sich ändern. Denn Schwarzfahrer müssen vermutlich demnächst höhere Strafen zahlen. Nicht mehr wie bisher 40, sondern 60Euro. So haben es die Verkehrsminister jetzt auf ihrer Konferenz in Flensburg beschlossen. Nun muss nur noch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) den Beschluss in Gesetzesform bringen.

Zwölf Millionen Euro Verlust

Bei der städtischen Nahverkehrsgesellschaft Traffiq, die für die Kontrollen von Fahrscheinen in U-Bahnen, Trams und Bussen zuständig ist, findet der Beschluss Beifall. Die Abschreckung durch ein erhöhtes Beförderungsentgelt von 40Euro funktioniere nicht mehr so gut, glaubt man dort. Ansonsten gibt sich die Traffiq beim Thema Schwarzfahren schweigsam. Wie viele Kontrolleure sein Unternehmen ausschwärmen lässt, will der Sprecher nicht verraten. Und genaue Zahlen über das Schwarzfahren lägen ihm derzeit auch nicht vor, sagt er.

Die bisher letzten offiziellen Daten stammen aus dem Jahr 2008 und sind von der Verkehrsgesellschaft Frankfurt erhoben worden. Damals waren unter den 1,9 Million kontrollierten Fahrgästen etwa 56.000 Schwarzfahrer. Ihre Verluste schätzte die Verkehrsgesellschaft damals auf etwa zwölf Millionen Euro.

Höhere Buße für Wiederholungstäter gefordert

Zeitweise galt es vor allem unter jungen Leuten geradezu als Sport, ohne Ticket zu fahren und die Kontrolleure zu narren. Sie wurden in ihrem Tun sogar von dem Sender Planetradio unterstützt. Die Moderatoren gaben stündlich bekannt, wo in den U-Bahnen gerade kontrolliert werde. Sogar auf der Internetseite konnte man den „Kontroletti-Alarm“ nachlesen. Dieser Service für Schwarzfahrer wurde mittlerweile eingestellt.

Nicht alle Schwarzfahrer sind notorische Gesetzesbrecher. Viele haben einfach ihre Monatskarte zuhause vergessen oder sitzen aus Versehen in der ersten statt in der zweiten Klasse. Wirklichen Schaden richten nach Angaben der Verkehrsunternehmen vor allem die notorischen Ticket-Verweigerer an. Deshalb hat der Verband Deutscher Verkehrsunternehmer für Wiederholungstäter ein Bußgeld von 120 Euro gefordert. So weit wollte die Verkehrsministerkonferenz aber nicht gehen.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Verkehrsdezernent Stefan Majer Die Ehrlichen zahlen die Zeche

Die Einnahmeverluste durch Schwarzfahrer sind hoch. Künftig müssen sie mit einer Strafe von 60 Euro statt wie bisher mit 40 rechnen, sagt Frankfurts Verkehrsdezernent Stefan Majer im Interview. Mehr

26.05.2015, 06:01 Uhr | Rhein-Main
Völkermord 103 Jahre alte Armenierin erzählt von ihrer Flucht

Am 24. April jährt sich der Beginn der Massendeportation der Armenier durch das Osmanische Reich zum hundertsten Mal. Schätzungen zufolge waren dabei 1,5 Millionen Armenier ums Leben gekommen. Silvard Atajyan erinnert sich. Mehr

23.04.2015, 11:12 Uhr | Politik
S6 Bahn baut Strecke nach Bad Vilbel aus

Für 323 Millionen Euro will die Deutsche Bahn die Verbindung von Frankfurt nach Bad Vilbel um zwei Gleise erweitern. Bisher kommt es dort immer wieder zu Wartezeiten. Mehr

15.05.2015, 15:36 Uhr | Rhein-Main
100 Jahre danach Armenien erinnert an Beginn des Völkermordes

In der armenischen Hauptstadt Eriwan hat am Freitagvormittag die offizielle Zeremonie begonnen, mit der das Land an den Beginn des Völkermordes vor 100 Jahren erinnert. Nach Schätzungen wurden bei Massakern und Deportationen damals bis zu eineinhalb Millionen Menschen umgebracht. Mehr

24.04.2015, 12:14 Uhr | Politik
Formel 1 Verschmähte Liebe

VW hat keine Lust auf einen Einstieg ins schnellste Fahrgeschäft der Welt. Die Formel 1 hat ihren Anteil daran, denn Ecclestones Strategiekommission tritt auf der Stelle. Mehr Von Anno Hecker, Monaco

21.05.2015, 16:36 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 12.04.2013, 16:30 Uhr

Der Aufpreis der U-Bahn

Von Hans Riebsamen

Eine U-Bahn-Strecke soll das Europaviertel in Frankfurt besser anbinden. Der Bau wird teurer und laut Plan erst 2022 fertig. Doch ein wichtiges Gesetz läuft bald aus, das bedeutet ein enormes Risiko für das Land Hessen. Mehr 2 3