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F.A.Z.-Leser helfen Zu viele blaue Flecken

 ·  Kindergärtnerinnen sind beunruhigt, weil ein Junge mit Blutergüssen übersät ist. Wird er geschlagen?

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Jonas kennt keine Angst. Er sei ein richtiger Draufgänger, berichtet seine Mutter Kathrin den Ärzten der Universitätskinderklinik (alle Namen geändert). Beim Rennen, Spielen und Klettern falle der Dreijährige schon einmal hin oder stoße sich irgendwo. Seit er laufen könne, hole er sich oft blaue Flecken. Wegen der vielen Blutergüsse auf Jonas’ Armen und Beinen hat sich die Familie nun zur Untersuchung in der Klinik entschlossen. Angeregt hatte dies Jonas’ Kindergärtnerin. So viele blaue Flecken habe sonst keiner in ihrer Gruppe, hatte sie den Eltern gesagt - dabei seien alle „wilde Kerle“. Diese Worte beunruhigten die Mutter und den Vater. Auch weil darin ein unausgesprochener Vorwurf mitschwang: der Verdacht der Kindsmisshandlung.

Seit einem halben Jahr besucht Jonas einen Kindergarten im Frankfurter Norden. Im Sommer waren den Erzieherinnen die vielen Blutergüsse aufgefallen. Tatsächlich befürchteten sie, dass Jonas Gewalt angetan wird. Und zwar regelmäßig, denn in dem halben Jahr kamen ständig neue Flecken hinzu. Beim Abholen sprachen sie die Eltern auf die Blutergüsse an - und erhielten dieselbe Antwort wie die Ärzte. Doch die Kindergärtnerin ließ sich davon nicht beruhigen. Sie holte sich Rat beim Kinder- und Jugendschutztelefon der Stadt. Das Jugendamt kannte die Familie nicht. Doch riet man der Erzieherin, die Eltern zunächst zu einer Untersuchung an der Universitätskinderklinik zu überreden, wo die Ärzte in Zusammenarbeit mit Kollegen der medizinischen Kinderschutzambulanz die Ursachen abklären könnten.

Eine Psychologin spielt mit ihm Alltagssituationen nach

Tatsächlich entdecken die Ärzte viele Blutergüsse unterschiedlichen Alters auf Jonas’ Haut. Doch außer ihrer Vielzahl ist daran nichts ungewöhnlich. Sie sitzen an Stellen, an denen sich Kinder beim Fallen oder Spielen schnell anstoßen: der Stirn, den Schienbeinen und den Außenseiten der Arme. Die von den Eltern geschilderten Vorfälle erscheinen den Ärzten plausibel. Dennoch schauen sie genauer hin und nehmen Jonas Blut ab. Um andere Verletzungen auszuschließen, wird der Junge zudem geröngt. Die Bilder geben keinerlei Hinweise auf akute oder verheilte Brüche.

Eine Psychologin wird hinzugezogen. Sie spricht mit dem Kind und seinen Eltern. Ihrer Einschätzung nach hat sich Jonas altersgerecht entwickelt. Sie sieht keinerlei Hinweise auf Vernachlässigung oder eine Traumatisierung. Jonas ist im Gespräch mit ihr offen und zugänglich. Mit Figuren aus einer Puppenstube spielt sie mit ihm Alltagssituationen nach. Die Eltern sind dabei immer anwesend. So kann die Psychologin die Interaktion zwischen ihnen und dem Kind beobachten. Auch hier ist nichts ungewöhnlich.

Auch der Kindergarten wird informiert

Auffälligkeiten haben sich dagegen bei der Blutuntersuchung ergeben. Die Ärzte vermuten eine Gerinnungsstörung und machen weitere Tests. Am Ende sind sie sich sicher, dass es sich um das Willebrand-Jürgens-Syndrom handelt, eine angeborene erhöhte Blutungsneigung. Die Krankheit kann zu großflächigen Blutergüssen, Gelenkeinblutungen oder Nasenbluten führen. Wenn die Symptome nicht sehr stark sind, wird sie oft gar nicht erkannt.

Da sie jedoch bei Operationen oder Unfällen zu Komplikationen führen kann, bekommt Jonas einen Notfallausweis. Seine Eltern werden über die seltene Krankheit aufgeklärt und zur Weiterbehandlung an die Gerinnungsambulanz des Klinikums überwiesen. Dort geben die Ärzte ihnen auch Notfallmedikamente mit.

Über die Diagnose informieren die Eltern auch den Kindergarten. Die Erzieherinnen werden darüber aufgeklärt, was sie beachten müssen, falls sich Jonas im Kindergarten verletzt. Einerseits beunruhigt sie die Blutungsneigung von Jonas. Sie sind aber auch erleichtert zu hören, dass die blauen Flecken nicht von Misshandlungen herrühren. Auch die Ärzte der medizinischen Kinderschutzambulanz unter Leitung von Matthias Kieslich sind froh, dass der Verdacht entkräftet werden konnte. Das ist leider nur selten der Fall - meist bestätigt sich die Vermutung. Damit sich die Ärzte genügend Zeit nehmen können, die betroffenen Kinder genau zu untersuchen, sammelt diese Zeitung Spenden. Mit dem Geld soll die Einrichtung langfristig gesichert und sogar noch ausgebaut werden.

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