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F.A.Z.-Leser helfen Greifen kann Julien bisher nur mit links

 ·  Julien Eyres ist Spastiker. Sein Therapiekalender ist voll. Geholfen wird dem Siebzehnjährigen auch im Klinikum Höchst.

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Er fiebert jedes Mal mit, wenn seine Mannschaft spielt, die Eintracht. Julien ist ein Vollblut-Fan: Ein Foto von Ioannis Amanatidis hat er als Hintergrundbild auf seinem Computer, den er gut bedienen kann, und er hat einen Rollstuhl mit Eintracht-Adlern auf den Rädern und dem Sitz. Damit war er auch schon im Stadion in Frankfurt, und es schreckt ihn nicht, wenn nur noch im Fanblock des Gegners Plätze für Rollstuhlfahrer frei sind. Das Ergebnis des vergangenen Wochenendes hat Julien gefreut - mit 2:1 hatte Frankfurt Mainz besiegt.

Begeistern kann sich der sympathische Siebzehnjährige auch für Harry Potter, ein Poster in seinem Zimmer zeigt es. Den neuen Kinofilm mit dem Zauberhelden hat er schon gesehen, im Kino in Neu-Anspach. In dem Taunusstädtchen wohnt Julien auch, gemeinsam mit seinem drei Jahre älteren Bruder, der eine Ausbildung zum Sozialpädagogen macht, und seinen Eltern.

„Man wächst in die Pflege hinein“

Etwa 16 Jahre ist es her, als Monika und William Eyres klar wurde, dass Julien krank ist, spastisch gelähmt. Ein Sauerstoffmangel hatte das Gehirn des viel zu früh, in der 28. Schwangerschaftswoche, zur Welt gekommenen Kindes geschädigt. Die Familie musste ihr Leben neu organisieren, sich auf Julien einstellen. „Man wächst in die Pflege hinein“, sagt William Eyres, der nicht mehr berufstätig ist und deswegen etwas mehr Zeit für Julien hat als seine Frau. Aus dem Wohnzimmer im Haus der Familie ist Juliens Zimmer geworden, weil es das größte ist.

Zwei Operationen hat Julien schon hinter sich. Für eine sind seine Eltern und er vor zwölf Jahren sogar in die Vereinigten Staaten gereist. Die große Hoffnung, die mit diesem Eingriff verbunden war, erfüllte sich aber nicht: dass er laufen lernt. Trotzdem steht zu Hause ein Steh-Trainer neben dem Esstisch. Sooft es geht, wird er genutzt, damit Julien seine Beine und die Hüften belasten lernt, seinen Gleichgewichtssinn schult und seine Muskulatur stärkt.

Seit einiger Zeit macht sich Julien regelmäßig auf den Weg nach Frankfurt, in das städtische Klinikum Höchst. Von den neurologisch geschulten Kinderärzten am Sozialpädiatrischen Zentrum wird er mit Botulinumtoxin behandelt, sein Zustand laufend kontrolliert. Ziel der Behandlung mit dem Nervengift ist, dass sich seine Muskeln entkrampfen, vor allem die im rechten Arm. Alle drei bis vier Monate bekommt er Spritzen. „Er kann den rechten Arm jetzt strecken, das ist um einiges besser geworden“, sagt William Eyres. Seine Frau und er hoffen, dass ihr Sohn eines Tages auch seine rechte Hand benutzen wird, die noch sehr verkrampft ist. Greifen kann er nur mit der linken Hand.

Beweglichkeit ebenso wie Sprachfähigkeit trainiert

Um Kinder und Jugendliche wie Julien besser fördern zu können, soll mit Hilfe von Spenden unserer Leser in einem ehemaligen Operationssaal der Klinik ein Trainingsraum für Spastiker eingerichtet werden. Dort könnten die betroffenen Kinder und Jugendlichen nach einer Einführung auch selbständig trainieren. Die Erfahrung der Fachleute ist, dass gerade Jugendliche in der Pubertät unabhängiger von Therapeuten werden wollen. Für das Training sollen unter anderem Sportgeräte gekauft werden, die zur Stärkung der Beinmuskulatur beitragen. Aber auch die Arme lassen sich an Hand-Ergometern oder auf Rüttelplatten, die für die Raumfahrt konzipiert wurden, trainieren.

Tatsächlich hat auch Julien einen vollen Therapiekalender, nur am Mittwoch gibt es keine Stunden. Für die Übungen muss er allerdings nicht bis nach Höchst fahren, sondern kann im Taunus bleiben. Trainiert wird seine Beweglichkeit ebenso wie seine Sprachfähigkeit. Absolvieren muss Julien die Therapiesitzungen nach der Schule, die um 8.15 Uhr beginnt und um 15 Uhr zu Ende ist. Der Malteser Hilfsdienst bringt ihn jeden Tag dorthin, in einem größeren Rollstuhl. In ihm hat er mehr Halt als in jenem mit dem Eintracht-Adler. Dieser wiederum passt aber besser in das Auto der Eltern, wenn sie mit ihrem Sohn unterwegs sind.

Berufliche Schule für Körperbehinderte als Ziel

Zurzeit bereitet sich Julien in der Oberurseler Hans-Thoma-Schule auf den qualifizierten Hauptschulabschluss vor; im April soll es so weit sein. Und später? Dann wird Julien vermutlich in das Antoniushaus nach Hochheim ziehen. Dort kann er wohnen und die Edith-Stein-Schule besuchen, eine Berufliche Schule für Körperbehinderte, Fachrichtung Wirtschaft und Verwaltung. Julien macht keinen Hehl daraus, dass ihm der Gedanke an einen möglichen Umzug nicht gefällt. Doch seine Eltern möchten, dass er selbständiger wird.

Was sein Hobby angeht, dürfte er derzeit vor allem an die nächsten Spiele der Eintracht denken, vor allem an das übernächste, wenn Tabellenführer Dortmund an den Main kommt. Für einen Besuch im Stadion ist es zu kalt, aber es gibt ja noch die Sportsbar eines Freundes in Neu-Anspach, in die er und sein Vater öfter gehen, um sich Spiele anzusehen. Dort wird Julien auch am 18. Dezember sein und mit „seiner“ Mannschaft mitfiebern - wie jeder andere Fan auch.

Hier können Sie spenden: Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ und die „Frankfurter Allgemeine / Rhein-Main-Zeitung“ bitten um Spenden, die spastisch gelähmten Kindern und Jugendlichen im Klinikum Frankfurt-Höchst und Erdbebenopfern in Haiti zugutekommen. Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“ bitte auf die Konten: - Nummer 11 57 11 bei der Frankfurter Volksbank (BLZ 501 900 00) - Nummer 97 80 00 bei der Frankfurter Sparkasse (BLZ 500 502 01) Die Namen der Spender werden in der Zeitung veröffentlicht. Selbstverständlich wird auch der Wunsch respektiert, auf eine Namensnennung zu verzichten. Spenden können steuerlich abgesetzt werden. Allen Spendern wird, sofern die vollständige Adresse angegeben ist, eine Spendenquittung zugeschickt.

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Jahrgang 1965, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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