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F.A.Z.-Leser helfen Essen muss die Zweijährige erst lernen

 ·  Familie Bender macht sich Sorgen um ihr Pflegekind. Die Eltern wenden sich an die Kinderschutzambulanz, um zu klären, warum sich das Mädchen nicht richtig entwickelt.

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Das Leben mit ihrem neuen Familienmitglied ist für die Benders (alle Namen wurden aus Datenschutzgründen geändert) anstrengender, als sie gedacht hatten. Mutter Angelika Bender hatte erwartet, dass das zweieinhalb Jahre alte Pflegekind Jenny sie vormittags, während ihre beiden Töchter Hannah und Lisa in der Schule sind, völlig in Beschlag nehmen würde. Schließlich hat sie dies schon zwei Mal mit den inzwischen acht und sechs Jahre alten Mädchen erlebt. Doch Jenny ist anders.

Nach dem Wecken und Anziehen der Kleinen gilt es, die erste Hürde zu überwinden: die Treppe. Jedes Mal, wenn Angelika Bender mit der Zweieinhalbjährigen nach unten gehen will, beginnt diese, fürchterlich zu weinen. Ängstlich klammert sie sich an ihre Pflegemutter, während diese sie in die Küche trägt. Jenny hat Angst vor der Höhe - und vor jeder Treppe.

Unbeholfen beißt sie ein Stückchen ab

In der Küche macht die 38 Jahre alte Mutter ein Marmeladenbrot. Dann nimmt sie neben dem Mädchen Platz und hält ihr das Brot an den Mund. Unbeholfen beißt die Kleine ein Stückchen ab, Kauen und Schlucken scheinen eine Ewigkeit zu dauern. Dabei hat sie schon große Fortschritte gemacht. Als das Mädchen vor acht Wochen in das Haus der Benders kam, konnte sie gar nicht alleine essen, hatte keinerlei Übung im Abbeißen und wusste mit den meisten Lebensmitteln nichts anzufangen.

Das war nicht das Einzige, was die Familie seltsam fand. Auch ihr unbeholfenes Laufen, fast wie bei einer Einjährigen, fiel auf. Ebenso ihr geringer Wortschatz. Jenny bringt nur einzelne, unzusammenhängende Wörter über die Lippen. Beim Spielen lässt sie sich schnell ablenken, allein der Fernseher zieht sie völlig in den Bann.

Und Jenny ist sehr, sehr ängstlich. Nicht nur an der Treppe weint sie, auch im Dunkeln fürchtet sie sich. Dabei hat sie sich schon ganz gut eingelebt. Sie schmust viel mit allen Familienmitgliedern, sagt "Mama" und "Papa" zu den Pflegeeltern.

Dass Jenny zunächst mehr Zuwendung benötigen würde als die beiden eigenen Töchter, war der Familie von Anfang an klar gewesen. Allerdings hatten die Benders erwartet, dass das zweieinhalb Jahres alte Kind schon viel selbständiger sein würde.

„Inadäquate Versorgung durch Mutter“

Als die Kleine vor acht Wochen zu ihnen kam, wirkte sie ungepflegt und hatte Blutergüsse am Rücken und am Po. Vom Jugendamt erfuhren die Benders nur, dass Jenny "wegen inadäquater Versorgung durch die alleinerziehende Mutter" in Obhut genommen wurde. Jennys leibliche Mutter sei psychisch krank, hieß es weiter. Der Vater habe nie mit den beiden zusammengelebt. Der amerikanische Soldat kehrte schon bald nach Jennys Geburt nach Amerika zurück.

Weil sie sich Sorgen um Jenny machen, wenden sich die Benders noch einmal an das Jugendamt. Dort schildern sie der zuständigen Mitarbeiterin den Zustand des Kindes. Sie vermuten, dass die Kleine misshandelt wurde, was ihre Ängste erklären könnte. Außerdem befürchten sie, dass sie behindert ist. Das Jugendamt beschließt, Jenny in der Medizinischen Kinderschutzambulanz an der Uniklinik in Frankfurt vorzustellen, um mögliche Spätschäden einer Misshandlung abzuklären. Die Jugendamtsmitarbeiter sind froh, dass es diese Einrichtung seit November 2010 gibt. Diese Zeitung sammelt Spenden, damit das Angebot noch ausgebaut werden kann. Wegen der vielen Anfragen ist das Team inzwischen schon auf fünf Ärzte erweitert worden.

Die Kinderärztin Nathalie Schmitz untersucht Jenny sehr genau. Hinweise für eine Misshandlung kann sie nicht entdecken: keine Narben, keine früheren Verletzungen. Allerdings ist das Mädchen sehr klein für sein Alter; misst nur gut 80 Zentimeter. Auch der Kopfumfang ist mit 44 Zentimetern geringer als bei Gleichaltrigen. Der Ärztin fallen zudem einige Merkmale im Gesicht des Kindes auf, die weder Jugendamtsmitarbeiter noch die Pflegeeltern bisher registriert haben. Jenny hat eine vorstehende Stirn, ein flaches Gesicht, einen weiten Augenabstand, aber sehr kleine Augen, einen breiten Nasenrücken und eine Augenfalte daneben, eine schmale Oberlippe und einen leicht zurückgezogenen Unterkiefer. Es handelt sich dabei um sogenannte Dismorphiezeichen, Fehlbildungen, die bei Alkoholmissbrauch in der Schwangerschaft entstehen. Derart geschädigte Föten leiden als Kinder häufig an Entwicklungsstörungen, wachsen und lernen langsamer. Das könnte auch auf Jenny zutreffen.

Erstuntersuchung in der Klinik

Allerdings will Nathalie Schmitz sichergehen, dass Jenny nicht an einer Krankheit, die behandelt werden muss, leidet. Doch die MRT-Aufnahme des Kopfes, die Chromosomen-Untersuchung und zahlreiche Bluttests sind unauffällig. Damit können eine Hirnschädigung, ein Gen-Defekt oder eine angeborene Stoffwechselerkrankung ausgeschlossen werden.

Seit der Erstuntersuchung in der Klinik hat Jenny zudem schon große Fortschritte gemacht. Sie isst inzwischen alleine mit einem Löffel und spricht schon viel mehr Worte. Die Aufmerksamkeit, die ihr die Familie schenkt, tut ihr gut. Die Ärzte schließen daraus, dass ein Großteil der Entwicklungsstörungen auf die mangelnde Förderung durch die psychisch kranke Mutter zurückzuführen ist. Wahrscheinlich habe das Kind früher viel Zeit vor dem Fernseher verbracht.

Aufgrund des vermuteten "fetalen Alkoholsyndroms" soll die Zweieinhalbjährige zusätzliche Unterstützung von Therapeuten erhalten. Ein Förderplan mit Terminen beim Ergotherapeuten und einer Logopädin wird entwickelt. Außerdem erhält das Jugendamt von den Ärzten der Kinderschutzambulanz einen Bericht, der dem Familiengericht vorgelegt werden kann. Darin sind die deutlichen Anzeichen für die Vernachlässigung durch die leibliche Mutter festgehalten. Damit wird Jenny nun wohl langfristig in der Pflegefamilie bleiben können, die das Kind inzwischen mit seiner offenen und anhänglichen Art ins Herz geschlossen hat. Vor allem den beiden großen Schwestern Hannah und Lisa wäre ein Abschied von ihrer Spielgefährtin doch sehr schwergefallen.

Spenden für das Projekt "F.A.Z.-Leser helfen" Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" und die "Frankfurter Allgemeine / Rhein-Main-Zeitung" bitten um Spenden, die der Kinderschutzambulanz der Frankfurter Uni-Klinik und der Hilfe für Krebskranke in Äthiopien zugute kommen. Spenden für das Projekt "F.A.Z.- Leser helfen" bitte auf die Konten: - Nummer 11 57 11 bei der Frankfurter Volksbank (BLZ 501 900 00) - Nummer 97 80 00 bei der Frankfurter Sparkasse (BLZ 500 502 01) Die Namen der Spender werden in der Zeitung veröffentlicht. Selbstverständlich wird auch der Wunsch respektiert, auf eine Namensnennung zu verzichten. Spenden können steuerlich abgesetzt werden. Allen Spendern wird, sofern die vollständige Adresse angegeben ist, eine Spendenquittung zugeschickt.

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