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F.A.Z.-Leser helfen Eine Kindheit voller Arbeit

Über weite Strecken ziehen sich am Ufer des Ganges in Indien die Brickfields entlang, auf denen Ziegelsteine produziert werden. Viele Kinder arbeiten dort.

© Eilmes, Wolfgang Vergrößern Schwere Lasten müssen die Kinder in den Brickfields auf ihren schmalen Schultern tragen - oder auf ihren Köpfen

Kinder in Deutschland wünschen sich manchmal, nicht zur Schule gehen zu müssen. Die Mädchen und Jungen, von denen hier die Rede ist, wären froh, wenn sie überhaupt eine Schule besuchen könnten. Nur eine Nacht lang dauert ein Flug von Frankfurt nach Kalkutta, aber es ist ein Flug in eine andere Welt. Nicht allen Kindern geht es schlecht in Indien, aber diejenigen, die mit ihren Eltern auf den „Brickfields“ in der Nähe dieser großen Stadt leben, müssen schon früh hart arbeiten. Brickfields, das heißt Ziegel-Felder, und wenn man sich die Fotos anschaut, versteht man sofort, warum sich diese Gegend nahe dem Fluss, der Ganges heißt, so nennt. Dort werden aus Uferschlamm Ziegelsteine hergestellt. Das ist nicht besonders kompliziert: Der Matsch wird in einer Holzkiste zu einem Stein geformt, er trocknet ein paar Tage in der Sonne, dann wird er in unterirdischen Öfen gebrannt. Später baut man in Kalkutta damit Häuser.

F.A.Z. Leser helfen - Der Verein Pro Interplast aus Seligenstadt soll mit  Mitteln aus der Leser-Spendenaktion  fürr seine medizinische und humanitäre Hilfe im indischen Kalkutta unterstützt werden. © Eilmes, Wolfgang Vergrößern Kinder transportieren Lehm für Ziegel auf den Brickfields von Kalkutta

Manfred  Köhler Folgen:

Das ist eine harte Arbeit. Die Beschäftigten kommen aus dem armen Hinterland Kalkuttas, sie hocken den ganzen Tag und formen Steine. Und auch die Kinder müssen mitarbeiten: Sie fahren den Uferschlamm mit der Schubkarre zu ihren Eltern, und immer am Nachmittag tragen sie die getrockneten Ziegelsteine auf dem Kopf zu den Brennöfen. Dutzende Mädchen und Jungen laufen dort hin und her.

Kinder in diesem Alter sollen nicht arbeiten. Sie sollen zur Schule gehen, und sie sollen spielen. Es ist auch für ihren Körper überhaupt nicht gesund, wenn sie schwere Schubkarren schieben oder sich Steine auf den Kopf laden. Aber die Kinder hat niemand gefragt, ob sie das wollen. Ihre Eltern sind arm, und auch mit dieser Arbeit verdienen sie nicht so viel Geld, dass sie ihre Kinder zur Schule schicken können. Im Gegenteil: Das Geld, das die Kinder mitverdienen, wird dringend benötigt.

F.A.Z. Leser helfen - Der Verein Pro Interplast aus Seligenstadt soll mit  Mitteln aus der Leser-Spendenaktion  fürr seine medizinische und humanitäre Hilfe im indischen Kalkutta unterstützt werden. © Eilmes, Wolfgang Vergrößern Für die Lehmziegel erhalten die Mädchen Bezahlchips - für ein paar Hände voll bekommen sie wenige Cent

Man wird traurig, wenn man sieht, wie hier gearbeitet wird. Und man kann nicht einmal die Hoffnung haben, dass sich dies alles rasch ändert. Aber es gibt doch Hilfsorganisationen, die das Leben wenigstens für einen kleinen Teil der Kinder auf den riesigen Brickfields etwas erträglicher machen. Dazu zählt die Hilfsorganisation „Pro Interplast Seligenstadt“. Sie beteiligt sich zum Beispiel an den Kosten von Impfungen. Denn einfach zum Arzt gehen können die Erwachsenen und die Kinder auf den Brickfields nicht. Wer geimpft ist, bekommt aber bestimmte Krankheiten nicht. So retten diese Impfungen so manches Leben. Es gibt auch ganz, ganz einfache Schulen am Rande der Brickfields. Kinder in Deutschland können sich gar nicht vorstellen, wie einfach sich Unterricht organisieren lässt. Es reicht eine Ecke auf einem Hof, in der man einen Teppich auslegt, auf dem die Mädchen und Jungen sitzen. Viel lernen sie dort nicht. Ab sie kennen dann wenigstens die Buchstaben und die Zahlen und können ein bisschen rechnen. Das ist wichtig, wenn die Kinder später einmal einkaufen gehen. Mathematik ist schon manchmal anstrengend. Aber wer überhaupt nicht rechnen kann, wer nicht einmal die Zahlen kennt, der wird leicht übers Ohr gehauen.

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Es ist eine ziemlich brutale Welt, die der Brickfields in der Nähe von Kalkutta. Wer dort als Deutscher steht, kann gar nicht glauben, dass Menschen so arm sein können. Ein bisschen tröstet es, dass es Hilfsorganisationen wie „Pro Interplast“ gibt, die das Leben dort zumindest ein wenig erträglicher machen. Diese Zeitung bittet die Leser in diesem Jahr um Spenden unter anderem für diesen Verein. Die Mädchen und Jungen auf den Brickfields wissen das nicht. Aber wenn sie wüssten, dass man im fernen Deutschland an sie denkt, wäre ihre Freude sicherlich groß.

Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und die Frankfurter Allgemeine/ Rhein-Main-Zeitung bitten um Spenden, die dem Hospiz „Känguru“ in Wiesbaden, dem Verein „Flüsterpost“ in
Mainz und „Pro Interplast Seligenstadt“ für Hilfe im indischen Kalkutta zugutekommen.

Spenden für das Projekt „F.A.Z.- Leser helfen“ bitte auf
die Konten:

Nummer 11 57 11 bei der Frankfurter Volksbank (BLZ 501 900 00)  oder

Nummer 97 80 00 bei der Frankfurter Sparkasse (BLZ 500 502 01).

Die Namen der Spender werden in der Zeitung veröffentlicht.  Selbstverständlich wird auch der Wunsch respektiert, auf eine Namensnennung zu verzichten. Spenden können steuerlich abgesetzt werden. Sofern die vollständige Adresse angegeben ist, wird eine Spendenquittung zugeschickt.

Quelle: F.A.Z.

 
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