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F.A.Z.-Leser helfen Die Hoffnung auf medizinische Hilfe ist riesengroß

Wenn die Krebsärzte für Kinder an der Uniklinik in Addis Abeba ihre Sprechstunde haben, ist der Andrang stark. Die Patienten kommen aus ganz Äthiopien.

© Jung, Hannes Vergrößern Warten auf den Kinderarzt: Patienten und ihre Angehörigen im Flur des Black Lion Hospitals in Addis Abeba.

Der Flur ist voll mit Kindern. Manche sind noch so klein, dass sie von ihren Eltern getragen werden müssen. Geduldig warten sie, bis sie endlich an der Reihe sind und zu einem der vier Ärzte im Sprechzimmer vorgelassen werden. Sie sitzen an Tischen, auf denen die Krankenakten liegen - zumindest für jene Patienten, die einen Termin für eine Folgeuntersuchung haben. Für die anderen, die zum ersten Mal ins Black Lion Hospital kommen, wird eine neue Akte angelegt.

Das Hospital ist die Universitätsklinik von Addis Abeba. Die vier Ärzte gehören zur Kinderkrebsstation. Jeden Dienstag haben sie ihre Sprechstunde, untersuchen die kleinen Patienten, um zu entscheiden, ob sie stationär aufgenommen oder weiter ambulant behandelt werden, ob neue Bluttests erforderlich sind oder andere Diagnosen anstehen. Die Hoffnung auf Hilfe ist riesengroß, denn das Krankenhaus ist in Äthiopien das einzige mit Ärzten und einer eigenen Station für krebskranke Kinder. So ist es kein Wunder, dass die Familien aus dem ganzen großen Land in die Hauptstadt kommen.

Der Junge hat Bauchschmerzen

Den Ärzten stehen nicht alle jene Untersuchungsmöglichkeiten für krebskranke Kinder zur Verfügung, die es in einem deutschen Krankenhaus gibt. Trotzdem machen sie ihre Arbeit gewissenhaft, gehen auf jedes Kind, die Eltern oder andere Verwandten ein - auch wenn der Andrang groß ist.

Einer der Ärzte ist Tamine Wondie. Vor ihm sitzt ein zwölf Jahre alter Junge. Er hat Bauchschmerzen. „Hat er Fieber, schwitzt er?“, fragt er die Mutter. Nachdem er sein Herz abgehört und den Bauchraum abgetastet hat, kommt er vorerst zu dem Schluss, dass der Junge nicht an Krebs, sondern an einer anderen Erkrankung leidet. „Er muss eine Blutprobe machen lassen.“

F.A.Z.-Leser helfen - Die Stiftung Leben mit Krebs hat mit Spenden der F.A.Z.-Leser für an Krebs erkrankte Menschen im äthiopischen Addis Abeba ein Haus gebaut. Es soll jetzt erweitert und außerdem ein Bestrahlungsgerät angeschafft werden.   © Jung, Hannes Vergrößern Tamine Wondie hört einer anderen Familie aufmerksam zu.

Die Mutter und ihre Tochter haben wenigstens ein Dach über dem Kopf

Genau wegen einer solchen Probe ist ein viereinhalb Jahre alter Junge mit seinem Vater schon den ganzen Tag in der Klinik. Sie warten auf einen Termin. Nun sind sie aber zunächst bei Tamine Wondie. Die Wange und der Nacken des Kindes sind geschwollen. „Das sind Nebenwirkungen der Chemotherapie, die noch tolerabel sind“, sagt der Arzt. Das Kind hat Lymphdrüsenkrebs. Er will die Familie in drei Monaten wiedersehen. „Wenn er Schmerzen hat, kommen Sie schon am nächsten Dienstag wieder“, mahnt er den Vater. Der nächste Patient in der Reihe ist ein neun Jahre altes Mädchen. „Meine Tochter hat gestern Fieber gehabt und konnte nicht zur Schule gehen“, schildert die Mutter. Wondie kennt das Mädchen. Es hat Leukämie und war vor gut vier Monaten schon einmal im Krankenhaus. Eigentlich wollte er sie wieder stationär aufnehmen für eine Chemotherapie, doch dafür ist ein neuer Bluttest erforderlich. Sie wird abermals zur Sprechstunde kommen müssen.

Die Mutter und ihre Tochter haben wenigstens ein Dach über dem Kopf, denn sie stammen aus Addis Abeba - anders als viele andere Patienten und deren Angehörige, die von weither kommen. Sie müssen sehen, wo sie unterkommen. Glücklich, wer Verwandte in der Hauptstadt hat. Andere haben es schwerer, müssen sogar draußen schlafen oder im Krankenhaus, wenn ihre Kinder denn einen Platz in der Kinderkrebsstation bekommen. Geld für eine Pension haben sie nicht.

Sie sind auf Unterstützung angewiesen

Damit es mehr Platz für krebskranke Kinder und Erwachsene sowie für deren Angehörige gibt, bittet diese Zeitung um Spenden für den Ausbau des „Cancer Home“, eines Patientenwohnheims in der Stadt, das von einer Stiftung betrieben wird. Außerdem soll die Kinderkrebsstation des Black Lion Hospitals renoviert werden, um die Hygiene für die kleinen Patienten zu verbessern. Nicht zuletzt soll ein Bestrahlungsgerät angeschafft werden, mit dessen Hilfe Frauen mit Gebärmutterhalskrebs viel besser behandelt werden können. So unglaublich es klingt: Nicht nur die Station für krebskranke Kinder im Black Lion Hospital ist die einzige ihrer Art im ganzen Land, sondern auch jene für erwachsene Tumorpatienten. Nur wer genug Geld hat, kann sich im Ausland behandeln lassen.

Nicht wenige Patienten setzen ihre Hoffnung nicht nur auf die Medizin, sondern auch auf Wasser, das nach ihrer Überzeugung Heilkraft hat - Erwachsene wie Kinder. An mehreren Stellen im Land gibt es solche Quellen, etwa hoch oben auf dem Berg Entoto bei Addis Abeba. Aber auch im Norden Äthiopiens gehen die Menschen zu solchen Quellen. Aus der Region Gojam ist ein acht Jahre altes Mädchen mit seinem Vater in die Sprechstunde gekommen und sitzt am Tisch von Tamine Wondie. Auch diese Familie glaubt an die Kraft jenes Wassers - aber sie gehen eben auch zum Arzt. Das Mädchen ist seit einem Jahr krank und hat noch drei Chemotherapie-Zyklen vor sich.

Tamine Wondie und seine Kollegen in der Klinik tun so viel sie können, sind aber auf Unterstützung angewiesen. Sie behandeln auch Haile Mikael. Der Zwölfjährige war ebenfalls in ihrer Sprechstunde und kommt nun regelmäßig in die Kinderkrebsstation zur Chemotherapie. Begleitet wird er von seiner 20 Jahre alten Schwester. „Ich habe die große Hoffnung, dass er ganz gesund wird“, sagt sie leise. Es ist diese Hoffnung, die alle Familien in der Klinik miteinander verbindet.

Quelle: F.A.Z.

 
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