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F.A.Z.-Leser helfen Das Überleben sichern - in den Armenvierteln Kalkuttas

 ·  Gut zwei Jahre ist es her, dass Leser dieser Zeitung Geld gespendet haben für eine Kinderstation der Ärzte für die Dritte Welt in Kalkutta. Jetzt ist sie eröffnet worden. Viele Mädchen und Jungen überleben nur dank dieser Hilfe.

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Mit einem Festakt ist vor wenigen Tagen die neue Kinderstation des Frankfurter Vereins Ärzte für die Dritte Welt in Kalkutta eröffnet worden. Damit ist das Geld, das die Leser dieser Zeitung im Winter 2009/2010 gespendet hatten, investiert. Alles in allem wurde ein Betrag von mehr als 200.000 Euro ausgegeben. Mit der neuen Station wird das Hilfsangebot für die Armen in den Slums von Kalkutta und der Nachbarstadt Howrah deutlich verbessert.

Die deutschen Ärzte, die dort abwechselnd für sechs Wochen ehrenamtlich Dienst tun, können sich in den einfachen Praxisräumen in den Armenvierteln nur kurz um die zahlreichen Patienten kümmern. Erscheint ihnen ein Kind unterernährt oder ist eine aufwendige Diagnose nötig, so bitten sie die Mütter, mit ihrem Nachwuchs in diese Kinderstation zu kommen, wo die Patienten dann zum Teil über Wochen bleiben. Die bisherige Einrichtung fand sich mitten in der Stadt in dicht bevölkerten Wohnviertel und war ausgesprochen beengt. Die neue Kinderstation liegt hingegen am Stadtrand; dort ist es leiser, und die Kinder können auch im Freien spielen. Zudem stehen nun 28statt 18 Plätze zur Verfügung. Errichtet wurde die Kinderstation auf dem Dach eines einfachen Krankenhauses, indem ebenfalls Kinder behandelt werden, die zum Beispiel an Tuberkulose leiden, eine in dieser Region weit verbreitete Krankheit. Im gleichen Stockwerk wie die Kinderstation wurde auch eine Wohnung für die deutschen Ärzte errichtet, die dort für sechs Wochen leben und arbeiten.

Es werden Millionen Menschen sein, die in Armut leben

Der Verein Ärzte für die Dritte Welt hat sein Hilfsangebot in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut. Seit seiner Gründung 1983 waren 5500 Mal deutsche Ärzte in Slums dieser Welt im Einsatz. Jahr für Jahr gehen etwa 300 Ärzte ehrenamtlich auf die Reise. Kalkutta ist dabei nur einer von zehn Standorten. 1999 hatte diese Zeitung ihre Leser schon einmal um Unterstützung für den Verein gebeten, damals für seine Arbeit in der kenianischen Hauptstadt Nairobi und in Manila, Hauptstadt der Philippinen. Das jüngste Projekt des Vereins ist ein Krankenhaus in Sierra Leone. In Kalkutta entstanden zusätzlich zu den Ambulanzen in den Slums gemeinsam mit einem lokalen Partner weitere Einrichtungen, die sich vornehmlich um Tuberkulose-Patienten kümmern. Die Ärzte für die Dritte Welt kooperieren dafür mit einer lokalen Organisation, Howrah South Point, was auch für die neue Kinderstation gilt.

Wie viele Menschen in der Doppelstadt Kalkutta/Howrah in Armut leben, vermag niemand zu sagen; es werden Millionen sein. Sie leben in völlig übervölkerten und engen Quartieren, die zumeist illegal errichtet wurden und im Monsun regelmäßig unter Wasser stehen. Der Regelfall ist, dass Familien mit mehreren Kindern in einem einzigen Raum leben, in dem auch noch gekocht wird, was nicht selten zu Brandverletzungen führt. Das fehlende Sonnenlicht in den stickigen Armenviertel zieht zudem einen Vitaminmangel nach sich. Die Wasserversorgung dieser Viertel ist abenteuerlich, die Stromversorgung fragil. Kinder gehen nicht zur Schule, weil dafür Gebühren fällig werden. Zudem müssen viele arbeiten.

Vier Zentel der Kinder sind unterernährt

Familienväter sind Tagelöhner oder Rikschafahrer, was ihnen nur ein niedriges und unstetig fließendes Einkommen beschert. Sie können sich keinen Besuch in den teuren Krankenhäusern leisten, sondern bestenfalls zu Quacksalbern gehen, die sich selbst medizinisches Wissen angeeignet haben. Die einfachen Ambulanzen der Ärzte für die Dritte Welt sind daher regelmäßig von mehr als 100 Patienten umlagert, manche nehmen eine lange Omnibus- oder Eisenbahnreise auf sich, um dorthin zu kommen, viele stellen sich schon in der Nacht an. Die Ärzte, die dort „German Doctors“ genannt werden, berichten, dass viele der erwachsenen Frauen, die ihre Kinder bringen, nicht einmal 35 Kilogramm wiegen.

Ungefähr vier Zehntel der Kinder in den Slums sind nach Angaben der Ärzte unterernährt, das mittlere Gewicht bei der Geburt liegt bei 2500 Gramm. Grundnahrungsmittel ist Reis, für Fleisch, Fisch, Eier oder Obst reicht kaum je das Geld. Die schwersten Fälle können in der neuen Kinderstation aufgepäppelt werden, zudem versucht das einheimische Personal den Müttern zu erklären, wie die Ernährung auch bei knappem Budget gesünder werden kann. Viele Kinder haben nur dank dieser Hilfe überlebt.

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