http://www.faz.net/-gzg-75cqv

F.A.Z.-Leser helfen : „Loslassen und vertrauen können“

Beistand: Die professionelle Pflege im Hospiz kann manches erleichtern, zumal dann, wenn die Sterbenden ihren Angehörigen trotzdem nahe sein können. Bild: dapd

Durch einen Schlaganfall nach einer schweren Tumor-Operation ist Anja T. zum Pflegefall geworden. Um ihre 15 und 18 Jahre alten Kinder nicht zu sehr zu belasten, ist sie ins Hospiz Advena in Wiesbaden gezogen, wo sie sich gut versorgt fühlt. Die Spenden unserer Leser helfen dabei, dass das Hospiz noch mehr für Familien tun kann.

          Auf dem Fensterbrett stehen zwei gerahmte Fotos, sie zeigen einen jungen Mann und ein Mädchen. An der Wand hängt ein Kalender für 2013. Vom Titelblatt strahlt den Betrachter ein Paar mittleren Alters an, eine lebenslustige Blondine umarmt von einem dunkelhaarigen, braungebrannten Mann. Licht und Kleidung zufolge ist die Aufnahme im Spätsommer entstanden. Dem Betrachter erschließt sich nicht auf den ersten Blick, dass es sich bei der Frau im Bett des Hospizzimmers und der auf dem Foto um dieselbe Person handelt. Kraftlos liegt Anja T. in der gelb-roten Bettwäsche; es fehlen das Strahlen und die leuchtenden Augen.

          Ingrid Karb

          Blattmacherin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vor etwa drei Wochen ist die Zweiundfünfzigjährige, deren Namen wir auf ihren Wunsch geändert haben, im Wiesbadener Hospiz Advena eingezogen. Nicht ihre schwere Krebserkrankung hat die Mutter zweier Jugendlicher derart niedergeworfen, sondern ein Schlaganfall in Folge der Operation zur Entfernung eines Tumors am Herzen. Seither ist sie halbseitig gelähmt, muss das Sprechen wieder erlernen. Ihr Mann Stefan, der viel Zeit an ihrer Seite verbringt, verständigt sich mit ihr über Händedruck, unterstützt sie beim Erzählen, vervollständigt ihre Sätze.

          Die erste „Nah-Tod-Erfahrung“

          Den Kalender habe seine Frau vor wenigen Wochen im Krankenhaus gestaltet, berichtet der Achtundvierzigjährige. Als die Familienwelt gerade erst angefangen hatte, aus den Fugen zu geraten. Nach ihrer ersten „Nah-Tod-Erfahrung“, wie Anja sagt. Vor acht Wochen brach Anja zusammen, als sie den Hund im Wald ausführte. Ein anderer Spaziergänger fand sie und rief den Krankenwagen. Sie sei schon weggetreten gewesen, aber irgendetwas habe sie zurückgeholt, berichtet Anja. „Es sollte noch nicht sein.“

          Ein Ödem am Herzen wurde gefunden, doch nach dessen Ursache forschten die Ärzte noch einige Wochen. Erst an der Uniklinik Mainz wurde mit der neuesten bildgebenden Technik der Tumor entdeckt und umgehend entfernt. Während der schweren Operation hätte sie auch sterben können, sagt Anja. Doch auch diese hat sie überstanden und wurde nach Hause entlassen. Allerdings mit dem Wissen, dass der Tumor schon gestreut hatte und sich Dutzende von Metastasen in der Lunge befanden.

          Die verbleibende Zeit nutzen

          Nachdem klar war, dass der Krebs von Anja nicht mehr heilbar ist, wollte das Ehepaar die verbleibende Zeit bestmöglich nutzen und mit der Familie noch viele schöne Dinge unternehmen. Weil die beiden nicht wussten, wie sie die schlimme Nachricht ihren 15 und 18 Jahren alten Kindern mitteilen sollten, suchten sie Rat beim Mainzer Verein Flüsterpost, der sich um Kinder krebskranker Eltern kümmert und in diesem Jahr auch von der Aktion „F.A.Z.-Leser helfen“ unterstützt wird. „Wir wollten nichts falsch machen“, sagt Stefan. Mit einer Sozialpädagogin des Vereins besprachen sie das Vorgehen.

          Doch dann kam der Schlaganfall. Das Gespräch musste kürzer ausfallen als geplant. Anja kam wieder ins Krankenhaus. Seither ist sie auf fremde Hilfe angewiesen. Ein ambulanter Dienst und die Familie hätten die Pflege zu Hause übernehmen können, doch das wollte die Mutter nicht. Sie sei ins Hospiz gegangen, damit die Kinder zu Hause weiter ein Stück Normalität hätten, sie nicht Rücksicht nehmen müssten und die Situation ständig vor Augen hätten. Außerdem wäre sie zu Hause auch viel alleine gewesen, wenn der Mann in der eigenen Firma und die Kinder in der Schule sind. Im Hospiz könne sie jederzeit jemanden rufen.

          Weitere Themen

          Die letzten echten Bauern Europas Video-Seite öffnen

          Siebenbürgen : Die letzten echten Bauern Europas

          Giftigen Schnaps, süße Büffelmilch und Weihrauch im Überfluss – im Zentrum Rumäniens hat sich das alte bäuerliche Leben bewahrt. Die Bauern versorgen die Kinder und Arbeiter in der Ferne mit Nahrung und Heimat. Anders wollen sie gar nicht leben.

          Havanna trauert Video-Seite öffnen

          Nach Flugzeugabsturz auf Kuba : Havanna trauert

          Familien und Freunde warten vor dem forensischen Institut, um die Opfer des Flugzeugabsturzes auf Kuba zu identifizieren. Kurz nach dem Start am Freitag stürzte die Maschine ab, 110 Menschen starben.

          Topmeldungen

          John McCain : Hymne auf Amerika

          In seinen Memoiren erinnert sich der todkranke Senator John McCain an Meilensteine seines Lebens. Den Amerikanern legt er ans Herz, nicht in Nationalismus abzugleiten. Auch Donald Trump hat er was zu sagen.

          Fastenbrechen : Warten, bis die Sonne untergeht

          Der Fastenmonat Ramadan hat angefangen. In der Zeit steht nicht der Verzicht, sondern die innere Einkehr im Fokus. Zu Besuch bei einer muslimischen Familie.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.