http://www.faz.net/-gzg-746gt

F.A.Z.-Leser helfen : Genauere Navigation im Gehirn

  • -Aktualisiert am

Der Kernspintomograph macht binnen Minuten Dutzende Bilder des Gehirn, die für die Navigation während der Operation nötig sind Bild: Eilmes, Wolfgang

Führend in der Neurochirurgie: An der Universitätsklinik kommt ein neues Gerät zum Einsatz, das die Tumorentfernung verbessert. Voraussetzung dafür war ein Prototyp, den unsere Leser mitfinanziert haben.

          Es riecht nach Desinfektionsmitteln. Der Kopf des Patienten liegt zwischen zwei Magnetspulen. Innerhalb weniger Minuten entstehen gestochen scharfe Bilder, der Tumor ist deutlich zu erkennen. Auf dem Bildschirm findet sich nun eine Art Karte, mit deren Hilfe sich der Chirurg bei der Operation orientiert. Am Ende werden neue Bilder gemacht und mit den vorherigen verglichen. So kann festgestellt werden, ob das schädliche Gewebe tatsächlich restlos entfernt wurde. Falls nicht, kann weiter operiert werden - ohne den Patienten der Belastung einer weiteren Operation auszusetzen.

          In Europa gibt es nur drei solcher Geräte, das einzige in Deutschland steht an der Universitätsklinik Frankfurt. Der Prototyp wurde 2004 von der Aktion „F.A.Z.-Leser helfen“ mitfinanziert. Das Pole-Star N20 kam bei 350 Hirnoperationen zum Einsatz, international anerkannte Studien wurden ermöglicht. Ein Ergebnis veröffentlichte die Fachzeitschrift Lancet Oncology im Oktober. Die Studie zeigt: Patienten, die mit Hilfe des N20 operiert wurden, haben eine höhere Lebenserwartung, da der Tumor häufiger restlos entfernt werden konnte als in der Vergleichsgruppe. Der Hersteller Medtronic verkauft die Geräte mittlerweile weltweit, unter anderem nach China und Thailand.

          Er habe „unkonzentriert und komisch“ gewirkt

          Das Team für die Forschung mit dem N20 leitete Christian Senft, der Klinikdirektor Volker Seifert heute bei der Operation assistiert. „Das N20 war sozusagen der erste Daimler“, sagt Senft. Einzigartig sei es, aber technisch ausbaufähig. Daher hat Medtronic nach acht Jahren nun ein Nachfolgegerät entwickelt, das N30. Es wurde vor zwei Wochen in Frankfurt aufgestellt. Die Bildqualität hat sich verbessert. Nun können auch ehemals schwer sichtbare bösartige Tumore erkannt werden. Das hilft besonders bei Operationen von Kindern. Zudem ist es leichter und beweglicher als der Vorgänger, was Zeit und Personal spart.

          Herbert Greif (Name geändert), der mit dem neuen Gerät operiert wird, bekam die Diagnose erst fünf Tage vor dem Eingriff. „Ein Schock“, sagt seine Frau. Bis vor drei Wochen hatte der 70 Jahre alte Rentner noch in einer Steuerkanzlei gearbeitet. Auf einmal nahm seine Lesefähigkeit ab, er habe „unkonzentriert und komisch“ gewirkt. Der Hausarzt ging zunächst von einem Schlaganfall aus. Schließlich wurde er doch zur Magnetresonanztomographie geschickt - mit folgenreicher Diagnose: ein bösartiger Tumor an der linken Schläfe. Dort befindet sich das Sprachzentrum, Fehler bei der Operation hätten drastische Folgen für seine Erinnerungs-, Sprach- und Lesefähigkeit. Durch das neue Gerät werde das Risiko minimiert, sagt Seifert. Greif hofft, dass er nach der Operation wieder lesen und schreiben kann. Er muss die Zeit nutzen, denn es ist wahrscheinlich, dass der Tumor zurückkommt.

          Weitere Themen

          Der goldene Schnitt

          Adipositaschirurgie : Der goldene Schnitt

          Fettleibigen durch eine OP beim Abnehmen zu helfen, zahlt sich aus: Fast alle Organe erholen sich. Trotzdem macht es ihnen die Bürokratie hierzulande schwer.

          Kritische Lage für Flüchtlingskinder aus Burma Video-Seite öffnen

          Unicef warnt : Kritische Lage für Flüchtlingskinder aus Burma

          Die Lage für Flüchtlingskinder aus Burma ist nach Einschätzung des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen Unicef kritisch. Fast 340.000 Rohingya-Kinder lebten unter armseligen Bedingungen in Lagern in Bangladesch, ohne ausreichend Nahrung, sauberes Wasser und medizinischer Hilfe, teilte Unicef am Donnerstag mit.

          Topmeldungen

          Hier gibt ein Dolmetscher des Bamf zu Testzwecken eine arabische Sprachprobe ab.

          F.A.Z. exklusiv : Wenn der Dialekt die wahre Herkunft verrät

          Was tun, wenn Asylbewerber keinen gültigen Ausweis haben? Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge setzt nach eigener Auskunft weltweit einzigartige biometrische Sprachsoftware ein. Sie soll die Herkunft von Asylbewerbern eindeutig ermitteln.

          F.A.Z. exklusiv : Der FC Bayern wächst mit neuen Rekorden

          „Mia san immer reicher“: Sportlich kämpft das Münchner Fußballunternehmen um Anschluss. Wirtschaftlich hält man mit den Großen der Branche in Europa mit. Das zeigen die neuesten Zahlen.

          Artenvielfalt : „Das Problem sind die Monokulturen“

          Ausgeräumte Landschaften und einige Herbizide schaden Insekten, dabei sind die Tiere wichtig für die Landwirtschaft. Ein Gespräch mit Agrarökologe Teja Tscharntke von der Universität Göttingen zum Insektensterben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.