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F.A.Z.-Leser helfen Genauere Navigation im Gehirn

Führend in der Neurochirurgie: An der Universitätsklinik kommt ein neues Gerät zum Einsatz, das die Tumorentfernung verbessert. Voraussetzung dafür war ein Prototyp, den unsere Leser mitfinanziert haben.

© Eilmes, Wolfgang Genauere Navigation im Gehirn

Es riecht nach Desinfektionsmitteln. Der Kopf des Patienten liegt zwischen zwei Magnetspulen. Innerhalb weniger Minuten entstehen gestochen scharfe Bilder, der Tumor ist deutlich zu erkennen. Auf dem Bildschirm findet sich nun eine Art Karte, mit deren Hilfe sich der Chirurg bei der Operation orientiert. Am Ende werden neue Bilder gemacht und mit den vorherigen verglichen. So kann festgestellt werden, ob das schädliche Gewebe tatsächlich restlos entfernt wurde. Falls nicht, kann weiter operiert werden - ohne den Patienten der Belastung einer weiteren Operation auszusetzen.

In Europa gibt es nur drei solcher Geräte, das einzige in Deutschland steht an der Universitätsklinik Frankfurt. Der Prototyp wurde 2004 von der Aktion „F.A.Z.-Leser helfen“ mitfinanziert. Das Pole-Star N20 kam bei 350 Hirnoperationen zum Einsatz, international anerkannte Studien wurden ermöglicht. Ein Ergebnis veröffentlichte die Fachzeitschrift Lancet Oncology im Oktober. Die Studie zeigt: Patienten, die mit Hilfe des N20 operiert wurden, haben eine höhere Lebenserwartung, da der Tumor häufiger restlos entfernt werden konnte als in der Vergleichsgruppe. Der Hersteller Medtronic verkauft die Geräte mittlerweile weltweit, unter anderem nach China und Thailand.

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Er habe „unkonzentriert und komisch“ gewirkt

Das Team für die Forschung mit dem N20 leitete Christian Senft, der Klinikdirektor Volker Seifert heute bei der Operation assistiert. „Das N20 war sozusagen der erste Daimler“, sagt Senft. Einzigartig sei es, aber technisch ausbaufähig. Daher hat Medtronic nach acht Jahren nun ein Nachfolgegerät entwickelt, das N30. Es wurde vor zwei Wochen in Frankfurt aufgestellt. Die Bildqualität hat sich verbessert. Nun können auch ehemals schwer sichtbare bösartige Tumore erkannt werden. Das hilft besonders bei Operationen von Kindern. Zudem ist es leichter und beweglicher als der Vorgänger, was Zeit und Personal spart.

Herbert Greif (Name geändert), der mit dem neuen Gerät operiert wird, bekam die Diagnose erst fünf Tage vor dem Eingriff. „Ein Schock“, sagt seine Frau. Bis vor drei Wochen hatte der 70 Jahre alte Rentner noch in einer Steuerkanzlei gearbeitet. Auf einmal nahm seine Lesefähigkeit ab, er habe „unkonzentriert und komisch“ gewirkt. Der Hausarzt ging zunächst von einem Schlaganfall aus. Schließlich wurde er doch zur Magnetresonanztomographie geschickt - mit folgenreicher Diagnose: ein bösartiger Tumor an der linken Schläfe. Dort befindet sich das Sprachzentrum, Fehler bei der Operation hätten drastische Folgen für seine Erinnerungs-, Sprach- und Lesefähigkeit. Durch das neue Gerät werde das Risiko minimiert, sagt Seifert. Greif hofft, dass er nach der Operation wieder lesen und schreiben kann. Er muss die Zeit nutzen, denn es ist wahrscheinlich, dass der Tumor zurückkommt.

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