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F.A.Z-Leser helfen Erinnerungen an die letzten Tage der Mutter

Für Familien mit kleinen Kindern ist Abschiednehmen vor dem Tod besonders schwer. Ein neues Hospiz in Wiesbaden soll die Bedürfnisse der Kinder stärker berücksichtigen.

© Eilmes, Wolfgang Begleitet Sterbende und Angehörige bei der Bewältigung ihrer Trauer: Seelsorgerin Heide Bitto.

„Deine Mutter freut sich immer, wenn Du kommst. Am liebsten hätte sie Dich den ganzen Tag da.“ Diese Aussage hat Seelsorgerin Heide Bitto in einem Tagebuch festgehalten. Es ist für die Tochter einer früheren Bewohnerin des Hospizes Advena in Wiesbaden gedacht. Das Mädchen war noch im Kindergarten, als ihre Mutter unheilbar an Krebs erkrankte. Die Kleine kam regelmäßig zu Besuchen ins Hospiz, blieb allerdings niemals lange. Auf dem Spielplatz nebenan konnte sie sich zwar austoben. Doch lieber ging das Mädchen mit Vater oder Großeltern ins Schwimmbad, zu Straßenfesten oder machte Ausflüge. „Kinder haben ihre eigenen Bedürfnisse“, weiß die 66 Jahre alte Seelsorgerin. „Sie wollen nicht immer bei den sterbenden Eltern sein.“ Für sie gehe das Leben weiter.

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Dass manche Angehörige ihre Kinder aus der Angst, die Situation belaste sie, nicht ins Hospiz mitnähmen, findet Bitto allerdings verkehrt. Auch Kinder müssten Zeit haben, um Abschied zu nehmen. Sie würden meist viel unbefangener mit den Sterbenden umgehen. Sie wünsche sich mehr Kinder im Hospiz, sagt Bitto, und dass auch Enkelkinder, Neffen oder Nichten zu Besuch kämen.

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„Wir müssen Sterben als Teil des Lebens annehmen“

Ein neues Angebot des Vereins IFB, der das Hospiz Advena gemeinsam mit der Caritas leitet, will nun angehörige Kinder stärker in die Hospizarbeit einbeziehen. Im Januar soll ebenfalls im Stadtteil Erbenheim ein Haus für junge Erwachsene entstehen, das Hospiz Känguru. Dort gibt es für die Familien nicht nur eine Gemeinschaftsküche, sondern auch Spielzimmer und Räume, in denen die Kinder von Sozialarbeitern betreut werden können. Mit Hilfe von Spenden der F.A.Z.-Leser sollen die Räume renoviert und neu möbliert werden.

Im Hospiz Advena liege das Durchschnittsalter der Bewohner bei etwa 70 Jahren, berichtet Leiter Lothar Lorenz. Im vergangenen Jahr seien fast 250 Menschen dort gestorben. Viele kämen nur wenige Tage vor ihrem Tod ins Hospiz. Jüngere verbrächten dagegen meist eine längere Zeit dort. Im Hospiz Känguru solle ihnen ein „normales Familienleben“ ermöglicht werden, mit gemeinsamem Kochen, Essen und Spielen. Die Zeit des Abschiednehmens solle für alle Mitglieder so angenehm wie möglich sein, das Hospiz für die Kinder „nicht negativ besetzt“ sein.

„Ich hatte noch so viel vor“

„Wir müssen Sterben als Teil des Lebens annehmen“, sagt Seelsorgerin Bitto, die nach Berufserfahrungen als Industriekauffrau ein Theologiestudium absolviert hat. Über die Trauerarbeit in der Kirchengemeinde kam sie zur Sterbebegleitung. Im Hospiz könne sie die Sterbenden und ihre Angehörigen beim Abschiednehmen besser unterstützen. Das sei eine sinnvolle und erfüllende Aufgabe. Sie lasse sich dabei auf Freude und auf Trauer ein: „Ich halte es mit den Angehörigen aus.“ Nach sieben Jahren ehrenamtlichen Engagements ist sie inzwischen im achten Jahr hauptamtlich für die Wiesbadener Hospizgesellschaft tätig. Bitto bildet neue Helfer aus und koordiniert die Unterstützung der 35 Ehrenamtlichen im Hospiz.

Am schwierigsten ist die Arbeit für die Helfer, wenn Sterbende sagen: „Ich hatte noch so viel vor“ oder gar „Ich habe noch nicht gelebt“. Wenn Menschen noch Wünsche hätten, bemühten sie sich, diese zu erfüllen, sagt Bitto. Auch die Begleitung einer jungen Familie, in der Vater oder Mutter sterben müssen, ist eine Herausforderung. So hatte eine Kollegin nach dem Tod der jungen Mutter, die sie über Monate begleitet hatte, eine Auszeit benötigt. Die Dankbarkeit der Sterbenden und der Angehörigen, denen sie auch nach dem Tod beistehe, gebe ihr jedoch Kraft, berichtet Bitto. Oftmals kämen diese Monate oder Jahre später noch einmal zu Besuch.

Irgendwann werde auch die Tochter, die als Kindergartenkind im Hospiz ein und aus ging, wiederkommen. „Wenn sie größer ist, wird sie Fragen stellen“, meint Bitto. Sie werde nach ihren Wurzeln suchen, wissen wollen, wie ihre Mutter ihre letzten Tage verbracht habe. Angeregt durch Henning Mankells Buch „Ich sterbe, aber die Erinnerung lebt“, habe sie für die Kinder jeden Tag ein paar Sätze am Computer eingetragen: Das entstandene Tagebuch solle den Angehörigen helfen, sich an die gemeinsame Zeit zu erinnern.

Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und die Frankfurter Allgemeine/ Rhein-Main-Zeitung bitten um Spenden, die dem Hospiz „Känguru“ in Wiesbaden, dem Verein „Flüsterpost“ in
Mainz und „Pro Interplast Seligenstadt“ für Hilfe im indischen Kalkutta zugutekommen.

Spenden für das Projekt „F.A.Z.- Leser helfen“ bitte auf
die Konten: 

Nummer 11 57 11 bei der Frankfurter Volksbank (BLZ 501 900 00)  oder

Nummer 97 80 00 bei der Frankfurter Sparkasse (BLZ 500 502 01).

Die Namen der Spender werden in der Zeitung veröffentlicht.  Selbstverständlich wird auch der Wunsch respektiert, auf eine Namensnennung zu verzichten. Spenden können steuerlich abgesetzt werden. Sofern die vollständige Adresse angegeben ist, wird eine Spendenquittung zugeschickt.

Quelle: F.A.Z.

 
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