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EZB-Neubau in Frankfurt : Das macht Eindruck

Sitzungssaal: In dieser Runde wird künftig europäische Währungspolitik betrieben. Bild: Fricke, Helmut

Kurz vor dem Einzug zeigt die Europäische Zentralbank ihren neuen Sitz. Die Mitarbeiter erwarten herrliche Ausblicke, rasende Aufzüge und eine hypermoderne Kantine.

          Dem Wasserfall fehlt noch das Wasser. Links und rechts einer Treppe, die in der Großmarkthalle zum neuen Konferenzzentrum führt, soll in einigen Tagen über zwei breite, schräge Flächen das Wasser plätschern. Das passt ganz gut ins Bild. Denn das Innere der Großmarkthalle wirkt, als habe ein reißender Strom diese Landschaft geformt.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wer die Großmarkthalle betritt, reibt sich unweigerlich die Augen. Kaum eine Linie läuft hier senkrecht oder horizontal. Wände neigen sich über den Besuchern, als wollten sie stürzen und brechen. In bizarr geformten Einbauten stecken unter dem Tonnengewölbe Konferenzsäle, die Kantine und das Pressezentrum. Von großen Metallträgern getragen und mit strukturiertem Glas verkleidet. Das macht Eindruck. Der Fußboden aus Terrazzo passt gut zum Industriecharakter der Halle und des Ostends. Dieses Bild setzt sich fort: Auf vielen anderen Flächen, auch im benachbarten Hochhaus, läuft man auf glattgeschliffenem Beton.

          Bauabteilung schon vor Monaten eingezogen

          Wer sich staunend fragt, in welchem Film er hier gelandet ist, dem hilft eine Tafel auf die Sprünge. „Europäische Zentralbank“ steht dort in 25 Sprachen. Die Kantine selbst ist ein Ort des Fortschritts und der Rückbesinnung zugleich. Das Design ist hypermodern, über den Esstischen schwebt eine Zwischendecke aus Beton mit biomorph geformten Löchern. Darüber, dass nur biologisch einwandfrei produzierte Produkte in den Speisen zu finden sind, informiert ein Tafel. Und auch über den beiden Essensausgaben gibt es schriftliche Entscheidungshilfe: „authentic and natural“ oder „light and healthy“.

          Ausgerechnet aus dem Saal der Pressekonferenz über dem Eingang zur Großmarkthalle hat man eine vergleichsweise schlechte Aussicht. Der Blick aus dem „Fenster zur Stadt“ geht aufs nahe Ostend und nicht auf die ferne Skyline.

          Die ersten Mitarbeiter werden ihr neues Domizil in zwei Wochen betreten. Am ersten Novemberwochenende beginnt der Umzug aus der Innenstadt ins Ostend. Allerdings ist die Bauabteilung schon seit einigen Monaten im Kopfbau der Großmarkthalle untergebracht. Und das Projektbüro hat sich im Hochhaus schon eingerichtet. Sein Chef ist Thomas Rinderspacher. Der stets gelassene Projektleiter wirkt mit seiner Arbeit zufrieden. „Sie sehen hier sehr schön das 21. Jahrhundert neben dem 20. Jahrhundert“, doziert er in der Großmarkthalle.

          Parkplatz und Pförtnerhaus fehlen noch

          Fertig ist seine Mannschaft allerdings noch nicht. Der Besucherparkplatz an der Sonnemannstraße wird noch angelegt, das Pförtnerhäuschen, das ein waghalsiges Flugdach trägt, ist noch im Bau. Auch die Außenanlage wird noch gestaltet. Von außen betrachtet sind zwei Dinge nicht überzeugend: Der Verbindungsriegel, der das Hochhaus mit der Halle verknüpft und sie gleichsam durchschneidet, wirkt massiver als erwartet. Statt ihn komplett mit Glas zu verkleiden, entschieden sich die Architekten teilweise für Aluminiumbleche. Und auch die umlaufenden Fensterbänder, die anstelle von Backsteinbrüstungen eingesetzt wurden, um mehr Licht ins Innere der Halle zu lassen, stören den Rhythmus der Fassade. Grundsätzlich blieb das Erscheinungsbild der Halle allerdings erhalten.

          In den Konferenzsälen hängen die Beamer schon unter der Decke. Auf dem Boden liegt blau-grauer Teppich mit gewöhnungsbedürftigem Muster. Die Atmosphäre soll darunter nicht leiden. „Hier wird hart und lange gearbeitet. Wir mussten die Säle so herrichten, dass man sich hier zehn Stunden lang wohl fühlt“, sagt Rinderspacher.

          Kosten des Neubaus erst Ende 2015 klar

          Über einen „Loop“ genannten Verbindungstrakt betritt man das Hochhaus und steht in einem fast 50 Meter hohen Atrium zwischen den beiden Doppeltürmen. Die Aufzüge werden über einen Touchscreen gerufen. Rasant, mit einer Geschwindigkeit von sechs Metern pro Sekunde, rast der Lift nach oben und durchstößt die Decke zum darüber liegenden, ähnlich hohen Atrium. Vor den Fenstern steigt der Boden um etwa eineinhalb Meter an. Auf diesen erhöhten Flächen, die einem gestrandeten Walfisch ähneln, stehen direkt am Fenster Stehtische. Wer mag, kann hier im Stehen arbeiten und die Aussicht genießen. Von den Verbindungsetagen zwischen den Türmen gelangt man in die Bürotrakte. Weil die Wände zum Flur aus Glas sind, dringt das Tageslicht bis in die bunt gestalteten kleinen Küchennischen auf dem Gang. Die Fenster werden noch geputzt, aber in den Büros steht schon alles zur Arbeit bereit: schlichte Möbel, hellgrauer Teppichboden. Auf Rinderspachers Büros stapeln sich Baupläne, auf einem steht ein Modell.

          Auch der Architekt Frank Stepper vom Büro Coop Himmelb(l)au ist „stolz“ auf das Erreichte. Im Ratssaal im 41. Stock des Neubaus erklärt er das mit Hilfe von Aluminiumlamellen gestaltete Bild an der Decke, unter der sich zweimal im Monat die Präsidenten der Zentralbanken zu ihren Sitzungen treffen. „Wir sehen darin keine dunklen Wolken, sondern Europa“, sagt er. Präsident Mario Draghi kann die herrliche Aussicht auf die Skyline während der Sitzungen nicht genießen: Er nimmt mit dem Blick zur Tür Platz.

          Wie viel das alles gekostet hat, soll spätestens Anfang 2016 feststehen, wenn die Schlussrechnung vorliegt. Bisher bleibt die EZB bei der Prognose von 2012: 1,2 Milliarden Euro, inklusive Grundstück, Planung und Bau. Das ist zwar viel mehr als die noch bei Baubeginn genannte Summe von 850 Millionen. Aber im Vergleich zu anderen Großprojekten wie der Elbphilharmonie und dem Berliner Flughafen hält sich die Steigerung noch in Grenzen.

          Quelle: F.A.Z.

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