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Exotische Getränke : Der Aromensucher

Hat das Büro in Frankfurt, lebt mit Frau und Töchtern im Taunus, reist viel und gerne: Kniepert in seinen Firmenräumen. Bild: Wonge Bergmann

Mangostan, Kolanuss und Yuzu: Vor 14 Jahren hat sich Ingo Kniepert als Lieferant von Exotika für die Getränkeindustrie selbständig gemacht. Der Anfang war nicht leicht, heute gehen die Geschäfte des Frankfurter Unternehmens gut.

          Kunden, die bei Ingo Kniepert klingeln, lässt er in seinem Besprechungszimmer gerne so Platz nehmen, dass sie dort in den verglasten Kühlschrank gucken können. Flaschen sind darin, Tetrapaks und Plastikbecher, abgefüllt von Kleinstproduzenten wie The drinking Ape, von Aufsteigern wie True Fruits oder von Größen der Lebensmittelbranche wie Danone und der Molkerei Bauer. Mindestens eine der in den Limonaden, Säften, Smoothies und Joghurts enthaltenen Zutaten hat Kniepert den Herstellern geliefert, für manche der Produkte haben seine Mitarbeiter die Rezepturen entwickelt. Für Knieperts Beruf hat ein privater TV-Sender, als der einmal über ihn berichtet hat, den Begriff Fruithunter benutzt. Ein erfundenes Wort, pseudo-englisch, glamouröser als die umständlich-korrekte Bezeichnung „Inhaber einer Firma, die Extrakte tropischer Früchte importiert“, die zudem noch den Nachteil hat, nicht einmal alles abzubilden, was Tropextrakt und das Tochterunternehmen Tpxdrinks tun.

          Pinke Guaven, die Früchte des Cupuaçu-Baumes und der Cashew-Apfel

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Amazonasbecken und die Anden, Brasilien, China, Vietnam: In Knieperts Terminkalender stehen die Fernwehziele dieser Erde, er bereist sie regelmäßig, weil dort wächst, was er importiert. Er arbeitet ohne Zwischenhändler, ist immer auf der Suche nach Früchten, die hierzulande noch unbekannt sind. Vor nicht allzu langer Zeit war er im Auftrag eines bayerischen Limonadenherstellers in Brasilien, mit der Aufgabe, für ein neues Produkt einen neuen Geschmack zu entdecken. Kniepert fand ihn in der Frucht Guanabana, nach Recherchen in Strandbars und auf lokalen Märkten und dem Besuch eines nur noch ein paar hundert Mitglieder zählenden Indianerstammes.

          Knieperts Reisen („ohne könnte ich nicht leben“) verlaufen mitunter abenteuerlich, auf unbefestigten Straßen. Seine Firmenräume im Frankfurter Ostend sind hell, weitläufig, unspektakulär: Büros und ein Labor auf einer Etage im fünften Stock des Gemini-Hauses an der Hanauer Landstraße. Der denkmalgeschützte Bau, entstanden um die Wende zum zwanzigsten Jahrhundert, war einmal das Verwaltungsgebäude einer Elektronikfirma. Neben dem Haus hat der Automobilbauer Audi eine Niederlassung, ein Kubus mit einer futuristisch silbernen Außenhaut. Die Europäische Zentralbank mit ihrem Glasturm, der sich ineinander verdreht in den Himmel schraubt, ist nicht weit. Noch näher ist die Metzgerei Gref-Völsings mit ihrem legendären Imbiss, in dem sich Krawattenträger und Bauarbeiter mittags auf die Füße treten und vor dem gerne mal ein Streifenwagen parkt, in zweiter Reihe, mit eingeschaltetem Warnblinker, auch Polizisten müssen essen.

          Bei Ingo Kniepert gibt es jetzt etwas zu trinken. Er stellt im Besprechungszimmer kleine Flaschen auf den Tisch, mit einfachen Etiketten. „Wie schmeckt Kalamansi“, steht auf einem, „Wie schmeckt Yuzu“ auf einem anderen. Was in den Flaschen ist, haben die Öcotrophologen und Getränketechniker im Labor nebenan zusammengemischt, Calamansi-Saft mit Ingwer zum Beispiel oder Yuzu-Saft mit Brombeeren. „So präsentieren wir möglichen Kunden, was man mit unserem Obst machen kann“, sagt Kniepert.

          Dass er Drachenfrüchte liebt und Pinke Guaven, die Früchte des Cupuaçu-Baumes („schmecken cremig und ein bisschen wie Litschi“) und den Cashew-Apfel, die Scheinfrucht des Cashew-Baumes, die sich zu Saft und Sirup verarbeiten lässt, ist Kniepert in die Wiege gelegt worden. Sein Großvater hat in den zwanziger Jahren mit Kaffee gehandelt, in New York, dann in Kolumbien.

          „Wir dachten, wir werden schnell reich“

          Kniepert ist in Mexiko geboren und in Brasilien aufgewachsen, wo es, wie er sagt, an jeder Straßenecke andere Früchte zu essen, andere Fruchtsäfte zu trinken gibt. Kniepert liebt das Land, in dem er lange gelebt hat. „Wenn ich heute nach São Paulo komme, mache ich im Hotelzimmer erst mal das Fenster ganz weit auf.“ Was andere vielleicht Lärm nennen, auch Gestank, ist für ihn einfach die Atmosphäre einer Metropole mit fast zwölf Millionen Einwohnern. Einen großen Teil seiner Schulzeit hat der blonde Anfangsvierziger in Brasilien verbracht, bevor er mit den Eltern in die Nähe von Frankfurt zog. Im Taunus machte er eine Ausbildung, arbeitete in der väterlichen Handelsfirma für chemische Produkte. Später nahm er an der Akademie für Welthandel ein berufsbegleitendes Studium auf, und 2002 wagte er, mit einem Partner, sich selbständig zu machen. „Die Idee war, Obst, das in unseren Breitengraden nicht wächst, zu importieren und dabei den Fokus auf natürliche Produkte zu legen“, erzählt er.

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