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European Business School (EBS) Müller verlässt Stiftungsvorstand der EBS

Weil die private Hochschule noch immer keinen Plan für den neuen Campus hat, kommt die Konkurrenz ins Spiel.

© dpa Vergrößern Gegenstand der Unruhen: Die private Elitehochschule European Business School (EBS).

Der Wiesbadener Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) zieht sich aus dem Stiftungsvorstand der European Business School (EBS) zurück. Das teilte er am Donnerstag in der Stadtverordnetenversammlung mit. Es könne sein, dass es Nachverhandlungen über den geplanten Bau des Campus im ehemaligen Wiesbadener Gerichtsviertel gebe, sagte Müller. „Damit nicht der leiseste Verdacht einer Interessenkollision aufkommt, habe ich mich entschlossen, den Vorstand der Stiftung zu verlassen.“ Der hessische Wirtschaftsminister Florian Rentsch (FDP) hatte den gleichen Schritt Mitte September getan. Sein Haus fördert das automobilwissenschaftliche Institut der EBS in diesem Jahr mit rund 300000 Euro. Die Stiftung ist Träger und Förderer der EBS. Ihr Vorstand nimmt die Gesellschaftsrechte an der privaten Hochschule wahr und beruft die Mitglieder des Aufsichtsrats.

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Wie berichtet, will die Stadt Wiesbaden zehn Millionen Euro zur Verfügung stellen, wenn die EBS an der Moritzstraße ihre Law School errichtet. Die Landesregierung sagte vertraglich zu, das denkmalgeschützte frühere Gerichtsgebäude für rund 20 Millionen Euro zu sanieren. Zudem verpflichtete sie sich, für 15 Millionen Euro eine Tiefgarage zu bauen.

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Der Investor ist aber bis heute nicht bekannt

Die EBS selbst will für weitere 35 Millionen Euro von einem Investor einen Neubau errichten lassen, um ihn dann zu mieten. Der Investor sollte schon vor mehr als einem Jahr vorgestellt werden, ist aber bis heute nicht bekannt. Nach wie vor wird über die schwierige finanzielle Lage der EBS spekuliert. Wenn die private Hochschule, deren Jurastudenten gegenwärtig noch in einer gemieteten Büroimmobilie lernen, bis zum Jahresende nicht die Voraussetzungen für den Neubau an der Moritzstraße schafft, kann die Landesregierung ihre vertraglichen Zusagen gemäß einer Heimfallklausel zurücknehmen. Auch die Stadt könnte ihre zehn Millionen Euro dann behalten. Müller hatte der EBS schon Anfang November ein öffentliches „Ultimatum“ gestellt und verlangt, dass sie sich bis Ende des Jahres festlegen müsse, ob sie den geplanten Campus tatsächlich bauen wolle. Der Forderung der Grünen, aus dem Stiftungsvorstand auszuscheiden, kam er aber damals noch nicht nach.

Bis vor einigen Wochen sei er noch sicher gewesen, dass der neue Campus so gebaut werde wie vereinbart, äußerte Müller. Darum habe er keinen Grund gesehen, sich aus dem Stiftungsvorstand zurückzuziehen. Inzwischen werde aber in der EBS darüber debattiert, ob man anstatt der geplanten großen Lösung eine kleine oder eine mittlere realisieren solle. Dies deute darauf hin, dass die Hochschule mit der Stadt und dem Land eventuell über eine Änderung der Pläne reden müsse. An diesen Verhandlungen wolle er auf jeden Fall als Oberbürgermeister teilnehmen, ohne sich dem Vorwurf der Befangenheit auszusetzen.

Es muss geklärt werden, „in exakt welcher Ausgestaltung der Campus realisiert wird“

Müller lobte die wissenschaftlichen Leistungen der EBS und wies auf den guten Ruf hin, den sie in der Hochschullandschaft genieße. Er bemängelte aber die Kommunikation und äußerte die Hoffnung, dass das allgemeine Rätselraten bald ein Ende habe. Wenn die EBS sich bis Ende Dezember nicht erkläre, müssten Stadt und Land darüber reden, was zu tun sei.

Rolf Cremer, der Präsident der EBS, reagierte auf Müllers Erklärung gestern mit der Versicherung, dass die EBS „weiterhin unverändert“ hinter dem Projekt stehe. „Der neue Universitätscampus an der Wiesbadener Moritzstraße wird kommen.“ Vor dem Hintergrund der aktuellen Studentenzahlen müsse aber noch geklärt werden, „in exakt welcher Ausgestaltung der Campus realisiert wird“. Klarheit erwarte man bis Mitte Dezember. Die Grünen im Landtag erinnerten daran, dass Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) noch im Kuratorium der Law School vertreten sei. Auch die SPD glaubt, dass das gesamte Projekt zusehends ins Schlingern gerate und dass nach Rentsch nun auch Müller die Flucht ergreife.

Tatsächlich werden dem Vernehmen nach seit einigen Wochen ernsthafte Überlegungen angestellt, in denen die EBS keine Rolle mehr spielt. Danach könnte beispielsweise die private Hochschule Fresenius die Immobilie in der Wiesbadener Innenstadt nutzen. Sie hat ihren Hauptsitz in Idstein. Dependancen wurden schrittweise in Köln, Hamburg, München und Frankfurt aufgebaut. Eine Sprecherin sagte gestern auf Anfrage, dass man in Wiesbaden „keine konkrete Option“ habe.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 23.11.2012, 19:04 Uhr

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