26.10.2003 · Punkt elf Uhr war es, als Bürgermeister Joachim Vandreike den Startschuß zum 22. Frankfurter Marathon abfeuerte. Die Topläufer an der Spitze jagten in einem Tempo los, als wären sie am Start eines 1000-Meter Sprints.
Punkt elf Uhr war es, als Bürgermeister Joachim Vandreike den Startschuß zum 22. Frankfurter Marathon abfeuerte. Die Topläufer an der Spitze jagten in einem Tempo los, als wären sie am Start eines 1000-Meter Sprints. Auf die professionellen Athleten folgten ambitionierte Amateure und schließlich die wohl eher spaßorientierte Fraktion in Asterix-Verkleidungen, mit Ballons um das Handgelenk oder in Konversationen vertieft.
Acht Minuten dauerte es, bis die 9399 "Marathonis" das Starttor passiert hatten. Da waren die Favoriten auch schon fast bei Kilometer drei angelangt. Das hohe Tempo hielten sie ein: Sieger Boaz Kimayo brach den Streckenrekord aus dem Jahr 2000. Nach nur zwei Stunden, neun Minuten und 28 Sekunden lief der Kenianer über den roten Teppich in der Festhalle. Jo Schindler, Leiter der Organisation, zeigte sich sehr zufrieden darüber, daß gleich zwei Läufer sein für dieses Jahr gestecktes Ziel erreicht hatten, die Marke von 2.10 Stunden zu unterbieten. Kimayo durfte zu den 12500 Euro Preisgeld 20000 Euro für den Zeitbonus kassieren. Die beste Frau, Luminita Zaituc aus Braunschweig, kam ebenfalls auf 12500 Euro. Ein Ereignis der schwindelerregenden Zahlen ist der Marathon nicht nur bei Preisgeldern und Zeiten: Mehr als 13000 Teilnehmer gingen an den Start. 33 Sportler legten die Distanz auf dem Hand-Bike, der sportlichen Variante des Rollstuhls, zurück. 1195 nahmen die Strecke mit Inline-Skates in Angriff. In der Disziplin Mini-Marathon bewältigten 813 Schüler und Jugendliche eine Distanz von 4,2 Kilometern. Für Kinder unter neun Jahren war am Samstag der 420 Meter lange "Struwwelpeterlauf" das Maß der Dinge gewesen. Insgesamt stand dem Organisationsteam, einer Gruppe von 23 Personen, ein Etat von 1,2 Millionen Euro zur Verfügung. 1500 freiwillige Helfer unterstützten den Ablauf. Sie waren unter anderem damit beschäftigt, 100000 Liter Getränke und 38200 Bananen zur Stärkung an die Sportler auszuteilen. 2000 Kilogramm Nudeln und 2000 Brezeln hatten die Teilnehmer bereits am Tag zuvor am Nudelfest und am Ende des Brezellaufs verspeist.
Damit die Läufer in Frankfurt am Ende nicht dasselbe Schicksal ereilte wie den Boten, der 490 vor Christus die Nachricht des Sieges der Athener über die Perser überbrachte, sorgte das Rote Kreuz mit 198 Sanitätern und acht Ärzten. Für den schlimmsten aller Fälle stand eine fahrbare Klinik bereit, sogar Operationen hätten vorgenommen werden können - was zum Glück nicht nötig war. 163 Sportler mußten behandelt werden, aber nur wegen Krämpfen oder Überlastung. Sechs Läufer wurden wegen Kreislaufproblemen in Krankenhäuser gebracht.
140 Polizisten sorgten dafür, daß trotz der Absperrungen kein Verkehrschaos ausbrach. Nur an der Theodor-Heuss-Allee kam es zu kleineren Behinderungen. Ungefähr 100000 Zuschauer standen an der Strecke Spalier und feuerten die Läufer an. Zahlreiche Sambagruppen und Cheerleaderformationen teilten sich mit dem Publikum die Unterstützungsarbeit. Wem es draußen zu kalt war, der wartete in der Festhalle auf die Ankömmlinge. Zwischen den Einlagen von Kunstturnern, Rock-'n'-Roll-Tänzern und Feuerjongleuren konnte dort das aktuelle Geschehen auf einer großen Leinwand mitverfolgt werden.
Am Ende begrüßten 8000 Zuschauer diejenigen, die es geschafft hatten und auf dem roten Teppich in die Halle einliefen. Zum ersten Mal hatten die Organisatoren dieses Jahr das Ziel des Marathons in die Festhalle gelegt. Die Stimmung sei viel besser gewesen als im Vorjahr, meinte Christel Diefenbach, die mit 44 Jahren ihren achten Marathon lief. Den roten Teppich fand sie auch gut, "man hat so eben ein Ziel vor Augen". "Einfach super" sei es gewesen, als er in der Halle das Ziel erreichte, schwärmte Torsten Gailus, doch nicht alle teilten seine Begeisterung. "Was die Stimmung betrifft, ist Frankfurt nichts im Vergleich mit Hamburg und Berlin", sagte Achim Schreiner. der wohl als Experte bezeichnet werden darf: Bereits zum 26. Mal hat er einen Marathon bestritten.
Hans Termors und sein Kollege aus Holland waren mit der Stimmung in Frankfurt aber ganz zufrieden. Die beiden schlürften ein Bier aus ihrer Heimat. Noch bevor sie geduscht hatten. BABAJALSCHA MEILI