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Euro Nur scheinbar wertlos: Bundesbank tauscht Gammelgeld

Zehn Jahre nach der Einführung des Euro-Bargelds schlummern noch Milliarden D-Mark versteckt in Deutschland. Tauchen sie wieder auf, sind sie oft kaputt, aber nicht verloren.

© dapd Vergrößern Die D-Mark ist noch immer beliebt, nicht nur in Sachsen-Anhalt, wie auf dem Foto zu sehen.

Denn auch beschädigtes Bargeld wird getauscht - im Nationalen Analysezentrum in Mainz. Der dunkle Fetzen ist kaum noch als Geldschein erkennbar. Feuchtigkeit und Pilze haben sich tief in den Stoff gefressen. „Das heißt aber nicht, dass er nichts mehr Wert ist“, sagt Frank Herzog. Behutsam legt der 45-Jährige mit den grau melierten Haaren und dem dunklen Pullover das, was von dem Geld noch übrig ist, unter ein Mikroskop. Mit einem feinen Messer beginnt er, Schmutz von den Rändern des braunen „50 D-Mark“-Scheins zu kratzen.

Bis zu 20 Jahre haben die Scheine in einer Sickergrube eines Bauernhofs gelegen, bevor sie entdeckt wurden. Damit sind sie aber nicht verloren. Denn was viele nicht wissen: Auch heute noch werden alte D-Mark-Bestände umgetauscht - selbst wenn sie stark beschädigt sind. Dafür zuständig sind Herzog und seine Kollegen im Nationalen Analysezentrum der Bundesbank in Mainz.

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145 Millionen D-Mark wurden im vergangenen Jahr eingetauscht

Gut zehn Jahre ist es her, dass der Euro als Bargeld eingeführt wurde. Aber noch immer schlummern laut Bundesbank rund 13,3 Milliarden D-Mark irgendwo auf der Welt. Insgesamt sollen etwa dreimal so viel Franc, Gulden, Lire, D-Mark und die anderen Vorgängerwährungen des Euro noch nicht getauscht worden sein, schätzt die EZB. Im vergangenen Jahr hat die Bundesbank alleine gewechselt. Nach Jahren taucht das Geld in Verstecken im Wandschrank, vergraben im Garten oder in einer Sickergrube wieder auf. Oft hat es über die Zeit sehr gelitten. 15 Mitarbeiter kümmern sich im Mainzer Analysezentrum um beschädigtes Bargeld. Es wird untersucht, gezählt und umgetauscht. Beschädigte Euro und D-Mark im Wert von 32,3 Millionen Euro wurden im Analysezentrum alleine 2011 bearbeitet.

Vorsichtig dreht Herzog den Geldklumpen auf eine Seite. Einige Scheine konnte er schon voneinander lösen. Aber ein Bündel hängt noch fest zusammen. „Wenn Geld feucht ist, verbindet es sich“, erklärt der Begutachter mit ruhiger Stimme. Er wirkt sehr still und zurückhaltend. Zu Wort meldet er sich eigentlich nur, wenn er etwas gefragt wird. Sonst geht er ruhig und routiniert seiner Arbeit in dem grauen Büro mit den großen Fenstern nach.

„Die bekomme ich nicht mehr ohne weiteres auseinander“

Sein Messer schiebt er langsam zwischen die Noten und beginnt es leicht zu drehen. Er möchte die einzelnen Seiten trennen, damit er sie zählen kann, aber sie lösen sich einfach nicht voneinander. Herzog erhöht den Druck und ein paar Fasern an der Seite splittern ab. „Die bekomme ich nicht mehr ohne weiteres auseinander“, gibt er sich fast geschlagen - aber er hat noch ein Ass im Ärmel.

Beschädigte Münzen und Scheine würden erstattet, wenn noch mehr als die Hälfte von ihrem Material übrig sei, erläutert der Leiter des Analysezentrums, Rainer Elm. Damit soll sichergestellt werden, dass sie nicht zweimal eingereicht werden. Ist allerdings mehr als die Hälfte vernichtet, kann es unter bestimmten Bedingungen trotzdem umgetauscht werden: „Das geht, wenn nachgewiesen werden kann, dass der Rest unwiederbringlich verloren ist“, erklärt Elm. Das sei aber nicht immer leicht zu belegen.

„Wegen der Fäden kann ich das Geld auch so zählen“

Hundebesitzer reichten oft zerrissene Scheine ein, weil ihre vierbeinigen Freund sie zerfetzt hatten, erzählt Elm. Eine Frau habe einen Geldfetzen mit entsprechender Begründung eingeschickt. „Das konnten wir aber nicht erstatten, weil das Stück zu klein war“, erklärt Elm. Zwei Wochen später sei der zweite Teil der Note eingeschickt worden. „Die Frau hat offensichtlich gewartet, bis der Hund den Rest verdaut hatte.“ Dann bekam sie das Geld erstattet.

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