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Euro Finance Week Banker warnen vor „Regulierungs-Tsunami“

Es ist wieder Euro Finance Week. Die Spitzenbanker der Stadt sprechen viel vom verlorenen Vertrauen und wie man es zurückgewinnen kann. Aber sie warnen auch vor zu viel und vor allem zu ungleicher Regulierung.

© Röth, Frank Vergrößern Bauen auf Vertrauen: Jürgen Fitschen (links) und Udo Steffens (rechts).

Ach, wenn Roland Koch doch noch in der Politik wäre. Der ehemalige hessische Ministerpräsident sei der letzte Politiker gewesen, der laut gesagt habe, Deutschland brauche eine global starke deutsche Bank, sagt Jürgen Fitschen. Heute muss der Ko-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank dafür kämpfen, dass das Haus nicht zerschlagen wird. Und dass nicht neue Regeln eingeführt werden, die nur die europäischen Banken für teures Geld umsetzen müssen, nicht aber die amerikanische oder chinesische Konkurrenz. „Kaum eine andere Industrie in Deutschland hat so um die Anerkennung der Bevölkerung zu kämpfen wie die Banken“, stöhnt er zur Eröffnung der Euro Finance Week im Congress-Center der Messe.

Tim  Kanning Folgen:  

Es ist eine Art Familientreffen. Einmal im Jahr kommen im Raum „Harmonie“ die Spitzen der Frankfurter Finanzindustrie zusammen und tauschen sich vor Publikum aus, was sie in den letzten zwölf Monaten alles gemacht und erlebt haben und was sie demnächst vorhaben. Von verlorenem Vertrauen der Kunden und wie man es wiedergewinnen könnte ist seit vier Jahren regelmäßig die Rede. Genutzt hat es offenbar wenig.

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Es gehe darum, „die Banken zu zähmen“

In diesem Jahr aber geht es auch viel darum, dass es die Aufsichtsbehörden ein wenig zu weit treiben. „An der Klippe eines regulatorischen Kollapses“ sieht Hans-Dieter Brenner, Chef der Landesbank Hessen-Thüringen, die Banken. Vor allem die kleinen Sparkassen könnten die „Flut nicht koordinierter Vorschläge“kaum noch bewältigen. Einen „Regulierungs-Tsunami“ sieht Wolfgang Kirsch vom genossenschaftlichen Spitzeninstitut DZ-Bank, den die kleinen Volks- und Raiffeisenbanken weder brauchten noch bezahlen könnten.

Und Fitschen mahnt, es könne nicht allein darum gehen, „die Banken zu zähmen“. Zivilisieren müsse man sie vielleicht ein wenig, aber auch im neuen regulatorischen Rahmen müssten Innovation und Effizienz möglich sein.

Sie sei schon „am Rande dessen, was eine Bank leisten kann“ 

Brenner und Kirsch kritisieren, dass die Wirkung der einzelnen Instrumente, der neuen Kapitalvorschriften, der Abgaben und Anforderungen an die Kundenberater noch gar nicht untersucht worden sei. Der DZ-Bank-Chef sagt, er wünsche sich dringend eine Gesamtanalyse. Er gehe davon aus, dass Volks- und Raiffeisenbanken angesichts des bürokratischen Aufwands und der hohen Kosten bald viele Zweigstellen schließen und Mitarbeiter entlassen dürften.

Das steht auch der UBS ins Haus. Die Schweizer Großbank hat schon angekündigt, dass sie 10 000 Stellen weltweit streichen wird. Deutschland-Chef Axel Hörger schimpft im Congress-Center ebenfalls auf die Regulierung. Sie sei schon jetzt „am Rande dessen, was eine Bank leisten kann“. Die Schweizer wollen sich nun wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren: Vermögensverwaltung und die Beratung von Unternehmen bei Fusionen, Übernahmen und Börsengängen.

Das Interesse des Kunden steht im Mittelpunkt

Auch die anderen Banker machen klar, dass sie sich wieder stärker auf das klassische Bankgeschäft mit Privatkunden und Mittelständlern konzentrieren wollen - auch wenn Brenner und Kirsch betonen, dass ihre Banken zusammen mit ihren jeweiligen Verbundpartnern davon ja nie weit weg gewesen seien. Brenner warnt aber zugleich davor, dass die neuen Kapitalvorschriften es immer schwieriger machten, länger laufende Kredite für Mittelständler zu refinanzieren.

Fitschen kommt dann noch einmal auf das verlorene Vertrauen zu sprechen. Er und sein Mit-Vorstandsvorsitzender Anshu Jain hatten zu ihrem Amtsantritt einen Kulturwandel angekündigt. Bei den Gehältern habe sich schon einiges getan, berichtet Fitschen. Doch das Vertrauen lasse sich nicht allein durch niedrigere Löhne zurückgewinnen. In der Deutschen Bank solle daher nun wieder die Maxime gelten, dass bei allem Handeln das Interesse des Kunden im Mittelpunkt stehe.

Dabei wolle sich die Bank nun auch wieder in Deutschland mehr anstrengen, sagt Fitschen. Und er sendet gleich eine sportliche Warnung an die Kollegen: „Herr Kirsch, Herr Brenner, Sie müssen sich warm anziehen.“

Quelle: F.A.Z.

 
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