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Eumetsat Ein Datenspeicher fürs Wetter

Eumetsat, die europäische Organisation für den Betrieb meteorologischer Satelliten, nimmt in Darmstadt ein neues Rechenzentrum in Betrieb.

© REUTERS Vergrößern Dank der geostationären Wettersatelliten alles im Blick: Die Wetterbilder von Eumetsat sollen Klarheit schaffen über die Wetterlage.

„Hessens Tor zum Weltall“, wie Darmstadt gerne von Politikern bezeichnet wird, wächst weiter. Gestern nahmen Vertreter des Bundes, des Landes und Oberbürgermeister Jochen Partsch (Die Grünen) an der Eröffnung eines neuen Rechenzentrums von Eumetsat teil. Der zwölf Millionen Euro teure Baukörper ist innerhalb eines Jahres in direkter Nachbarschaft zur Zentrale der internationalen Organisation entstanden, die seit 1986 in Darmstadt ansässig ist und seit 1995 ihren Standort unweit des Hauptbahnhofs und des Europäischen Weltraumkontrollzentrums der Esa hat. Eumetsat betreibt verschiedene Satelliten zur Wetter- und Klimabeobachtung und übermittelt die Daten an seine Partner. Zurzeit zählt die Organisation 26 europäische Staaten als Mitglieder und unterhält fünf Kooperationen. Auch der Deutsche Wetterdienst ist auf die in Darmstadt aufbereiteten Daten und Bilder aus dem All angewiesen.

Die Dimension des mehrstöckigen Rechenzentrums mit einer Netto-Geschossfläche von 3.200 Quadratmetern, wovon 1.000 Quadratmeter allein für die Unterbringung von Servern vorgesehen sind, veranschaulicht, welch ungeheure Datenmengen in Darmstadt rund um die Uhr bewältigt werden müssen. Dass der Neubau unvermeidlich war, hat Generaldirektor Alain Ratier gestern mit den wachsenden Aufgaben und den daraus resultierenden Sicherheitsanforderungen begründet. Im neuen Rechenzentrum seien nicht nur alle technischen Systeme untergebracht, die für die Steuerung der derzeit betriebenen Satelliten gebraucht würden. Es sei auch auf künftige Satellitenprogramme ausgelegt. Das Zentrum sei so konstruiert, dass in seiner Kernzone selbst im Falle eines Brandes weitergearbeitet werden könnte. Auch sonst haben die Architekten Ratier zufolge besonders auf die Ableitung von Wärme geachtet. Die von den Rechnern produzierte Hitze entweicht nicht als Abluft, sondern wird zum Heizen der benachbarten Bürobauten genutzt.

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Er will „nur das Beste tun“

Eumetsat betreibt gegenwärtig die geostationären Satelliten Meteosat 8 und 9, die zur sogenannten Zweiten Generation gehören, und Meteosat 7 aus der Ersten Generation. Auf einer polaren Umlaufbahn liefert Europas erster Wettersatellit Metop-A seit 2007 Daten zur Überwachung des Klimawandels Seit 2008 beobachtet außerdem Jason-2 die Ozeane der Erde. Noch in diesem Jahr soll ein weiterer Metop-Satellit von Kasachstan abheben, dessen Startphase wieder vom Raumfahrtkontrollzentrum der Esa gesteuert wird, sowie ein neuer Meteosat. Pläne für eine dritte Generation von Satelliten sind, wie der Staatssekretär aus dem Bundesministerium für Verkehr, Klaus-Dieter Scheurle, in Darmstadt sagte, zwar ausgearbeitet. Aber wegen der „Finanzprobleme einzelner Mitgliedstaaten“ stocke die Umsetzung. Scheurle versicherte, die Bundesregierung werde alles tun, damit die Gelder für die polarumlaufenden Systeme einen „festen Platz“ im Haushalt der Europäischen Union bekämen.

„Das Beste tun“ will der Bund mit Blick auf die weiteren Baupläne von Eumetsat. Die Organisation befinde sich auf einem deutlichen Expansionskurs, weshalb weitere 9.000 Quadratmeter an Baufläche benötigt würden, sagte der Staatssekretär. So gebe es dringenden Bedarf für ein weiteres Bürogebäude und eine neue Kantine. Auch die Stadt will Eumetsat dabei helfen, seine Infrastruktur auszubauen. Er sei erfreut über das Bekenntnis zum „Standort Darmstadt“ und zur Ankündigung von Neueinstellungen, sagte Partsch, der Eumetsat als „eines der wichtigsten Aushängeschilder der Stadt“ bezeichnete und auf die Tradition der „Wissenschaftsstadt“ Darmstadt verwies, die mit Deutschlands erster Flugzeugfabrik, der ersten Flugschule und dem ersten Lehrstuhl für Flugtechnik ein „Traditionsstandort“ auch für den Satellitenbetrieb sei.

Hessens Europaminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) erinnerte daran, dass das Land schon bei dem Grundstück für das Rechenzentrum geholfen habe. Dass überhaupt habe gebaut werden dürfen, sei einer „besonderen Leistung“ zu verdanken, die Scheurle zufolge darin bestand, das Areal an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben zu vermieten, die es dann wiederum Eumetsat zur Verfügung gestellt hat.

Quelle: F.A.Z.

 
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