Erziehermangel: Von Bewerbern zu Umworbenen - Rhein-Main - FAZ
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Erziehermangel : Von Bewerbern zu Umworbenen

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Aus Budapest: Hermina Horváth arbeitet seit August in der Ginnheimer Kita Deborah und betreut dort eineinhalb- bis dreijährige Kinder. Für sie singt die junge Frau nicht nur deutsche, sondern auch ungarische Kinderlieder. Bild: Eilmes, Wolfgang

Monatlich öffnen neue Krippen, um den Betreuungsanspruch der unter Dreijährigen zu erfüllen. Doch die Träger brauchen auch qualifiziertes Personal. Im Kampf um Mitarbeiter versuchen sie, attraktiver als die Konkurrenz zu sein.

          Dass Hermina Horváth aus Ungarn in einer Krippe in Ginnheim arbeitet, liegt an ihrem Mann und am Fachkräftemangel. Ihr Ehemann ist Programmierer. Er hatte schon lange den Wunsch, in Deutschland zu arbeiten. Im vergangenen Jahr fand er für seine Frau im Internet eine Stellenanzeige der Diakonie Frankfurt. Der evangelische Wohlfahrtsverband suchte Mitarbeiter für eine seiner Krippen - und in Frage dafür kamen auch Lehrerinnen wie Horváth. Die Fünfunddreißigjährige hat in Szombathely, im Westen Ungarns, auf Lehramt studiert und zwölf Jahre in einer Budapester Grundschule gearbeitet. Damit kann sie als pädagogische Fachkraft für Krippen anerkannt werden, wie es in Hessen seit Ende 2008 für Grund- und Förderschullehrer möglich ist.

          Für die Diakonie ist die Suche im Ausland eine Chance, dem Fachkräftemangel in Deutschland zu begegnen. Vor einem Jahr hat der Verband Christine Etterich eingestellt, die sich ausschließlich der Personalsuche widmet. Zu aufwendig war es geworden, das nebenher zu tun. Erzieher sind begehrt, weil von August an das Recht auf einen Krippenplatz für unter Dreijährige gilt und monatlich neue Kindertagesstätten öffnen. Im Jahr 2010 waren in Frankfurt fast 6000 Fachkräfte beschäftigt. Innerhalb der nächsten zwei Jahre werden nach den Berechnungen des hessischen Sozialministeriums etwa 1400 weitere benötigt. Auch nach 2016 soll der Bedarf steigen.

          Erzieherinnen aus dem Ausland

          Etterich hat inzwischen zwei Kolleginnen, die sie bei der Suche unterstützen. Eine Strategie ist, Kooperationen mit Fachschulen einzugehen, die Erzieherinnen oder Sozialpädagoginnen ausbilden. Die Diakonie hilft den Schulen, indem sie Praktikumsplätze anbietet, und kann die Nachwuchskräfte so von ihrer Arbeit überzeugen und an sich binden. Etterich wirbt außerdem im Internet, auch über soziale Netzwerke. Und eben im Ausland: In der Pflege hat die Diakonie gute Erfahrungen mit Kräften aus Ungarn gemacht, jetzt sucht sie dort nach Mitarbeitern für Kitas.

          Bisher sind fünf Ungarinnen zur Diakonie nach Frankfurt gekommen. Horváth ist das Musterbeispiel. Die Kita-Leitung schätzt sie für ihr freundliches Wesen, ihr Deutsch ist gut, sie und ihr Mann haben sich in Frankfurt eingelebt. Anerkannte Fachkraft ist sie noch nicht. Ihr Antrag läuft. Arbeiten darf sie aber schon - eine Ausnahme wegen des Erzieherinnenmangels.

          Berufsanerkennung ist hoher bürokratischer Aufwand

          Um den Status einer pädagogischen Fachkraft zu erhalten, musste Horváth zahlreiche Unterlagen bei den Behörden einreichen. Sie übersetzte das Studienbuch ihres Diploms, etwa 40 Seiten Fachjargon, aus dem Ungarischen ins Beamtendeutsch. Das musste sein, um zu belegen, wie viele Stunden sie welche Fächer belegt hat. Es geht darum, die Qualität ihres Abschlusses einschätzen zu können.

          Ob sie alle Unterlagen hat, prüft eine Mitarbeiterin aus Etterichs Team. Die Neuankömmlinge werden mit der deutschen Bürokratie nicht allein gelassen. Die Diakonie kümmert sich um Termine und begleitet die Anfänger bei Behördengängen: beim Bürgeramt melden, bei der Krankenkasse registrieren, ein Girokonto eröffnen - was man so tun muss, wenn man in ein neues Land zieht. Auch günstige Wohnungen werden vermittelt. Auf diese Weise sollen sich die Diakonie-Mitarbeiter willkommen fühlen.

          Werbeveranstaltung statt Vorstellungsgespräch

          Durch den Personalbedarf werden die wenigen Bewerber zu Umworbenen. Leiterinnen von Kindertagesstätten erzählen, sie hätten das Gefühl, dass es bei Vorstellungsgesprächen nicht mehr um das gegenseitige Kennenlernen gehe, sondern um eine Werbeveranstaltung für ihre eigene Kita. Die Tricks, mit denen man sich von der Konkurrenz abheben könne, seien jedoch nicht sehr zahlreich, sagt Cornelia Held. Sie ist Leiterin des Fachbereichs Jugend bei der Arbeiterwohlfahrt. Die Awo zahle Tarif, Mitarbeiter müssten aber nur 38,5 statt 40 Stunden wie in anderen Einrichtungen arbeiten. Als großer Träger könne sie ihren Mitarbeitern zudem ein Jobticket für das freie Fahren mit Bussen und Bahnen geben. Außerdem stelle die Awo auch günstige Wohnungen zur Verfügung. Die Stadt wirbt ebenfalls damit. Sie kooperiert dafür mit dem städtischen Wohnungskonzern ABG Holding.

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