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Erzieher : Dringend gesucht: männlich, kinderlieb, ausgebildet

  • -Aktualisiert am

Vaterfigur: Christopher Manz arbeitet als Erzieher in der Kita Europagarten in Frankfurt Bild: Wresch, Jonas

Christopher Manz ist Erzieher in einer Kita. Noch gibt es zu wenige Männer, die sich für den von Frauen dominierten Beruf entscheiden. Eine Suche nach Gründen.

          Neun Kleinkinder mit weißen Lätzchen um den Hals klopfen mit den Ellenbogen auf den Tisch. „Hunger“ und „Essen“ können sie mit 18 bis 22 Monaten schon rufen. Erzieher Christopher Manz schöpft Kürbissuppe aus dem Topf, während die Kinder ihren Appetit artikulieren. Mehr oder weniger zielsicher führt der anderthalbjährige Jonas den Löffel zum Mund. Manz weiß genau, wer wahrscheinlich noch einen Nachschlag möchte. Seit einem Jahr arbeitet der Dreiundzwanzigjährige in der Kita „Europagarten“ im Europaviertel. Er isst mit den Kinder, liest ihnen vor und wickelt sie.

          Christopher Manz ist einer der wenigen Männer, die sich für den Erzieherberuf entschieden haben. Noch dazu für eine Einrichtung, in der die Jüngsten gerade einmal laufen können. Er ist einer von vielen, die benötigt werden, denn der Erziehermangel ist groß. Das wird vor allem vom 1. August 2013 an bemerkbar sein. Dann haben Eltern in Deutschland einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder, die den ersten Geburtstag hinter sich haben. Laut einer Studie des Deutschen Jugendinstituts fehlen deutschlandweit noch etwa 25.000 Erzieher, davon in Hessen etwa 3250.

          Männliches Bezugspersonal

          Das ist ein Hauptgrund, warum Politiker und Wohlfahrtsverbände fordern, dass auch Männer in den Krippen, Kindergärten und Horten arbeiten. Außerdem seien Männer für die Entwicklung der Mädchen und Jungen genauso wichtig wie Frauen. Nicht erst in der Schule würden Kinder mit männlichen Bezugspersonen konfrontiert, heißt es in der Studie des Deutschen Jugendinstituts.

          Während im bundesweiten Durchschnitt 2010 der Anteil von männlichen Fachkräften rund 3,5 Prozent betrug, liege er in Hessen mittlerweile bei etwa 5,3 Prozent, teilte Landessozialminister Stefan Grüttner (CDU) kürzlich mit. Im Jahr 2011 waren nach Angaben des Sozialministeriums bundesweit 14 575 männliche Fachkräfte, Praktikanten, Zivildienstleistende und Männer, die ein Freiwilliges Soziales Jahr machen, mit pädagogischen Aufgaben in Kitas betraut, 1907 davon in Hessen. Zudem wachse der Männeranteil an den Fachschulen für Sozialpädagogik stark. Im Schuljahr 2011/12 sei die Gesamtzahl der Personen in der Erzieherausbildung um 13,4 Prozent gestiegen.

          Das Ministerium führt den Erfolg in Hessen unter anderem auf die Kampagnen „Große Zukunft mit kleinen Helden: Werde Erzieherin / Erzieher!“ und auf das Modellprojekt „Mehr Männer in Kitas“ zurück. Das 2011 vom Bundesfamilienministerium initiierte Projekt soll Männer davon überzeugen, Erzieher zu werden. Bis 2013 investiert das Ministerium zusammen mit dem Europäischen Sozialfonds rund 13,5 Millionen Euro. Zwei der 16 Modellprojekte mit 1300 Kitas entfallen auf Hessen: Wiesbaden beteiligt sich mit sieben Kitas, und in Darmstadt will die Evangelische Kirche Hessen-Nassau in 26 Kitas das Berufsbild stärken. „Wir möchten Eltern darauf hinweisen, dass die Arbeit von einem Mann genauso gut, aber auf andere Weise ausgeführt werden kann“, sagt Andreas Marschhäuser-Korschan von der Initiative in Wiesbaden.

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